Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 9 (1958-1959)
- Issue
- 195 (15.1.1959)
- Date
- 1959-01-15
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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15. Januar 1959. i i DAS ECHO’ Der neue Jüdische Mense Menschliche Entwicklung ist schicksalsgewollt. Voelker gingen zu Grunde, alte Kulturen wurden vergessen, andere Voelker waren am Abgrundsrand, wurden in ihrer Substanz wunderbar gerettet und konnten weiter leben und sich entwickeln. Die Geschichte des Judtontums ist von Wundem erfuellt. Das grosse juedische Wunder in unseren Tagen ist die Renaissance des juedischen Volkes. j Je mehr man uteber die Erneuerung des Judentums nachdenkt, umso eindringlicher erhaertet sich die Gewissheit, dass Hitler es war, der die Juden befreite, ihnen eine neue und grösste Zukunft wies. Hitler, der Teufel, wurde zum Werkzeug des Goettlichen. Das Judentum stand in einer Entwicklungskrise als der Hitlterismus begann. Die Juden vergassen juedische Aufgaben und Ziele, sie fuehlten sich als Deutsche (Polen, Oesterreicher etc.), die juedische Jugend laechelte erhaben ueber Zionismus und Blau- Weiss-BI.au - Buende, man lebte bequem und satt. Der grosse antisemitische Umbruch in Europa war das schmerzliche Fanal fuer juedische Besin. uung. Man wusste wieder was man war, man futehlte wieder juedisch. Juden, die das Grauen der Konzentrationslager ueberlebten, Juden, die von Nazibestien gequealt und entehrt wurden, erkannten (nach Heine) dass ihr Deutschtum nur ein Traum war. Dass sie Juden warten und fuer immer und in alle Ewigkeit Juden bleiben werden. Diese Erkenntnis brachte das nteue juedische Leben, formte den neuen juedischen Menschen. Juden wanderten aus Europa, «nit wenig Habe, in Not, in Ungtewissheit. Die Kinder hatten (im wahren Sinne des Wortes) keine “Kinderstube” mehr. Mit Mutehe, Schweiss aber mit echt juedischer Tatkraft und Optimismus wurden in neuen und fremden Laendern juedische Existenzen gegruendet. Es gab viele Fehlschlaege, abter es gab auch Erfolge, die die Zukunft sicherten. Das juedische Element konnte so neue Wirtsvoelker durch steine oekonomisühe und geistige Kraft befruchten, und als Samen fuer neue Kulturen und Zivilisationen wirken. Aber was brannte, war dife Erkenntnis: Du bist Jude! Und der eingewanderte Europäeetr, vergtess oder ueberwand das alte Hteimatsbild, welches in seiner Erinnerung nur noch als Geburtsland existierte. Der Aufgabenkreis der Ausgewanderten war ein neuer: als Jiude zu wirken! Die Teufelei dtes National-Sozialismus Kess juedisches Wollen (erstarken, welches zur Schaffung des Judenstaptes fuehrtte. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass unter einer deutschen Monarchie oder auch unter der Republik von Weimar, es nicht zur Schaffung des Staates Israel gekommen waere. Juedische Bequemlichkeit und Assimilationsfreude hae<tten Herzls Gedanken zur tewigen “VisKon” gemacht. Der Zwang und juedisches Art- Bewusstsein entwickelte die konstruktive Kraft, die Vernichtung trotzte und Neues und Endgueltiges gebar: Israel. Das Wort aus Goethes “West- ©estlicher Diwan”, “Stirb und Werdet’ hat im 2teitgenoessischen Judentum seine wundervolle Erfüllung gefunden. Der moederische Nazismus kam wie ein Naturereignis, welches ueber das Judtentum brauste und es zum Teil vernichtete. Aber aus diesen Trümmtem, erwuchs Neues und Ewiges; aus diesem Sterben wurde ein Werden. Das Ereignis des Boesen und Negativen, erneuerte und einte das Juedische Volk wie nie zuvor, es brachte es auf neue Bahnen, damit es mit verjüngter Kraft und Elan, besser im goettlich-sehoepferisehen Sinne wirken konnte. Die faustische Lebtens- und Entwicklungskraft des jüdischen Volkes hat sich als staerker erweisen, als alle mtephistophelischen Kraefte, die es vernichten wollten. Nach der Nacht der Hitler-Barbarei leuchtete das jüdische Licht, wtelches den Weg zum jüdischen Land zeigte. Die Geburtsstunde des Verfalles von Nazi-Deutschland, war die Sternenstunde des jüdischen Volkes. Das grosse, aufwühlende isratel- Erlebnis hat jüdische Menschen neu geformt, neu ausgerichtet. Europaeische Menschten jüdischer Konfession, wurden zu bewussten Juden. Das Wissen um die Tragik und die Goesse des Judentums wurdte zu einem Band das einte, welches die Liebe zur Gemteinschaft knüpfte. Der Glaube an die Unausweichbarkeit jüdischen Schicksals wurde zu einem Knoten, der das Judentum innig vterbta(nd. Sechs Millionen Opfer eines wüsten Antisemitismus, haben überlebendfe Juden wachsam gemacht und ihre Empfindsamkeit geschaerft. Eine gewaltige Wandlung hat sich von Gestern zum Heut ergeben! Btei aller Weltaufgeschloss jüdischen Menschen, empfim in erster Linie jüdisch, in s< schau liegt stein Geburtsla.«., ... nem Herzen, in seinem Gemüt, in seinem Zukunftsblick, sieht er und erlebt immer aufs neute: Israel. Diese Liebe zu Eretz Israel ist kein konventioneller Patriotismus oder gar Chauvinismus; diese Liebe zum jüdischen Land ).st wie ielpe (zarte, sensible Pflanze, über die man sich freut, weil man sie unendlich lange vermisste. Und diese herzwaermende Liebe zu Israel ist die grosse Bindung des Juden zum Judentum. Dieste Rückführung von Menschen, die in ihren früheren Wohnlaendem kaum bewusst als Juden lebten, die nichts von Zionismus wissen wollten, die sich zu bewussten Juden wandelten, heute eine positive jüdische Kraft darstellen, die sich aus Trümmern von Leben und Schicksalen (entwickelte — ist das grosse Wunder in unserer so nüchternten Zeit! Ludwig K. Stargardt Leo Beeck-Institute N.Y. Yir waren Ihnen sehr dankbar fuer TJehernenr’ung Ihrer Publikationen (nöff*l.: in deutsch). Ihren wünsch p: eriaß uebersen^ön wir Ihnen "Das Echo" laufend. E T >'■" <=»"h or p Editor "Das Echo" Cas.00!'? La Paz Bolivi, Kommentar zur Zeit: Freunde der Freiheit hoerten am Jahresbeginn mit Begeisterung die Nachricht, dass das tyrannische Regime von Fuilgencio Batista zusamren Massen auf den Revolutionsfuehrer Castro. Mit unglaublicher Zaehigkeit, mit unwahrscheinlicher Intelligenz und Dynamik, baute Castro seine Organimenbrach und Fidel Castro nun Herr j sation auf, die in jahrelangen entbehder Lage in Cuba .sei. Mit Batista fiel einer der nobelsten Diktatoren unserer Zeit, der gegen den Willen breitester Volkskreise regierte, lind durch korrupte Wahlmanoever sich immer wieder als Praesident, bestaetigen” Hess. Batista, der ehrgeizige, raffsuechtige Diktator, der meinte, Cuba sei sein Privatbesitz, wurde von den “Vereinigten Staaten’ geschuetzt und gefoerdert, da man in ihm den “Hellden gegen den drohenden Kommunismus” sah. Diese Pro-Batista-Haltung kostete den USA die Sympathie des kubanischen Volkes, welches nicht begreifen konnte, dass die USA, das Land der demokratischen Freiheit, diesen volksgehassten, brutalen Diktator geradezu verhaetschelte. Nun, Batista war nicht der einzige Diktator, der in der dollarspendenden Sonne von Washington sich entwickeln konnte. Fulgencio Batista floh nach der Dominikanischen Republik, wo er mit seinen kongenialen Freunden Trujillo und Perón ueber die Undankbarkeit der Voelker wird diskutieren koennen. Vorher aber wurde durch Sonderflugzeug seine Familie nach den Staaten geflogen, sicher mit gewaltigen Mitteln kubanischen Volksvermoegens, soweit dieser Raub nicht schon vorher in das Ausland gebracht wurde. So wenig Sympathie Señor Batista verdient, so sehr hat darauf Anspruch Fidel Castro, der fuer die kubanische Freiheit jahrelang kaempfte. Und wie kaempfte! Fidel Castro, gemeinsam mit seinem Bruder, nahm den Kampf gegen das verhasste Batista-Regime fast allein auf, nur getragen durch seinen Glauben, nur durch die Kraft seiner freiheitlichen Ideale. Langsam, mit aeusserst bescheidenen Mitteln, baute Castro eine Widerstandsbewegung gegen das diktatorale System in La Ha1vanna auf. Patriotische Kubaner aller Parteirichtungen, insbesondere aber Sozialisten, stiessen in immer groesse- PASTILLAS VINEO j 1 lo motor' ooatfi», TOS y CATARUOS^ ■ i. ■— £¡a todas Jm Fan&aoifts I. ..r, .i- Castro, der Held rungsreichen Kaempfen, in entscheidender Form vorruecken konnte. Batista erhielt von den USA modernste Waffen und geschulte Organisatoren gegen den “kommunistischen Rebellen”; Castro hatte nur Waffen in ungenuegender Zahl und drittklassiger Qualitaet zur Verfuegung, dafuer aber Maenner, die kaempfen konnten, Ideale I hatten und ihren Fuehrer liebten. Die i Batista-Truppen wurden aber immer i schlechter, nur durch hohe und noch; hoehere Gelder gingen sie in den! Kampf gegen die “Aufstaendischen”. | Die GegenuebersteMung ist inte- : ressant: Batista hatte hinter sich die I Macht, die Regierung, die Freund-; schaft mit den USA; die Gegenseite | hatte praktisch nichts, ausser dem! gewaltigen Willen zu siegen, die Dik-! tatur zu brechen. Wenn man den viel- | gebrauchten und meist missbrauchten ] Ausdruck von einem “moralischen j Sieg’’ anwenden will, so ist er hier ,• wie nur selten am Platze. | Kaempferischer Idealismus war; hier weitaus starker, als organisierte, 1 konzentrierte Macht! Hier wurde ein; wundervolles Exempel gegeben, welj ches da angewendet werden sollte, wo i noch volksfremde Herrscher regieren. Was Fidel Castro als kubanischer : Patriot leistete, ist nicht nur eine; Angelegenheit fuer die Grossen Antillen, sondern eine Sache, |die;all!en i echten Demokraten neue Hoffnung I gibt. j Das Wort “Maenner machen Ge- 1 schichte” wurde jetzt in Kuba reali- I siert. Es bleibt von zweitklassiger Bej deutung, ob Fidel Castro Praesident j von Kuba wird, ob er. politisch stark; genug sein wird, um gegen die ku- | banische kapitalistische Kamarilla zu i kaempfen, um als fuebrender Politiker j sich zu bewaehren - wir glauben und | hoffen dies alles, aber der Hoehepunkt , seines Lebens bleibt sein grossartiger j Kampf gegen Diktatur und Macht. j 1 e 1 k a s Es düerfte unsere Leser sicher interessieren, welche wirtschaftlichen Resultate In Sowjet-RussHand vorliegen und wie die Plaene der Sowjetwirtschaft aussehen. Die russische Industrieproduktion schafft heute das in einer knappen Woche, wozu das kaiserliche Russlland im Jahre 1917 ein volles Jahr benoetigte. In den Jahren 1933 bis 1955 stieg die sowjetische Industrieproduktion pro Kopf der Bevölkerung auf das 19,4-fache. Vergleichszahlen hierzu: in den USA im gleichen Zeitraum um das 2,3-fache, in England um das 1,6-fache, in Frankreich um das 1,8-fache. Der sowjetische Siebenjahres-Plan (1959 bis 1965) soll gewaltige Steigerungen in der Erzeugung industrieller Güter bringen. Die gegenwaertige Erdoelfoerderung in der UdSSR betraegt 100 Millionen Tonen, nach dem neuen Plan soll diese Produktion auf 240 Millionen T. erhoeht werden. Die Gaserzeugung soll verfünffacht werden. Die ■■■■■■■■■■»■■■■■■■■Bl Die modernste NAEHMASCHINE elektrisch-vollautomatisch GRITZNEfc Zouber-Aulonnotk Empresa HUGO LANGER Potosí 261/IV - Telef. 8443 Casilla 479 - La Paz. heute produzierten 250 Milliarden Kilowattstunden sollen auf 500 gebracht werden. Nach dem neuen Plan soll die Roheisenproduktion bis auf 70 Millionen Tonnen ausgebaut werden, die Stahlerzeugung auf 91 Millionen Tonnen (heutige Erzeugung: 60 Millionen T.). Die Maschinenproduktion ist seit dem Jahre 1913 200-fach gestiegen; im Jahre 1965 soll die gegenwaertige Erzeugung um rund 100 % erhoeht werden. Die UdSSR baut z.zt. 400 000 Automobile, diese Produktion soll sich bis 1956 gleichfalls verdoppeln. Bemerkenswerte Zahlen sind weiter, dass die landwirtschaftliche Produktion um 70 % gesteigert werden soll. In Staedten und Siedlungen werden in den naechsten sieben Jahren 15 Millionen Wohnungen, in laendlichen Sieddungen 7 Millionen Wohnhaeuser gestellt werden. Diese ehrgeizigen sowjet-russischen Plaene, an dessen Erfüllung das ganze Sowjet-Volk arbeitet, werden diesem Volk einen neuen, besseren Lebensstandard einbringen, der gleichwertig dem des Westens sein dürfte. Die inmmense politische Bedeutung dieser Produktionssteigerungen, bedarf keines Kommentars. DER GARANT fuer gute Augengkteser: OPTICA “OPT ALVIS” La Paz, Comercio 308