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Das Echo · 1958-10-15 · 190 (15.10.1958) · p. [Seite 5]

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Journal
Das Echo
Volume
9 (1958-1959)
Issue
190 (15.10.1958)
Date
1958-10-15
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German
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°*>er 1958_ 1 BEVOEL. LATEIN LA jüdischen ses. Kongress verwssanten Beßeflt, dass die ,n 27 Laendem;n Staaten von von 1939 bis :|ogen ist, und ]en juedischen Welt betraegt, schaetzt wird.’ .aendern wohn- 39 ca. 667.000 •ich aut Grund stums der Be- 'ossen Emigradem 2. Weltim Jahre 1956. ein Teil eines ueber Wandeeiner Statistik evoelkerung in i, die von dem Probleme vor- 'ie allgemein tedische Weütn in mehr aäs Suedamerikas dem Bericht Juden und in rikas und der der juedischen tnders bernernachfolgenden en die Ziffern 1956: Argen- 00.000; Brasi- XX); Chile von dumbien von!V von 30.000 ja von 2.000 15 Oktober 1958. DAS ECHO 9 9 5. EL I 0\ osillG 19!? 5445 0 He H°tel? tnim^ ü iz! VORSCHLAG DES “ECHO”: _ B ■%■■■ Woche der Bruederlichkeit - in Bolivien Die politische Welt ist auseinander gekommen durch Missverstaendnisse, durch das Fremdsein zum Nachbarn. Im Zeitalter der Atome, die einen Femkrieg zu einem Nahkxieg machen wuerden. kann es aber nur noch nachbarliche Intimitaet geben. Diese Erkenntnis fuehrt zur Analyse der Weltprobleme. Aber nicht nur politische Weiten gibt es, die ins drohende Gestruepp des Unverstaendenisses fuehren, sondern diese sind auch vorhanden auf zivilisatorischem und kulturellem Gebiet. Die juedische Religion hat Eigenarten, die oft schwer vom christlichen Nachbarn begriffen werden. Aus diesen Eigen-Arten Jtuedischer Religions- und Lebensauffassungen ergeben sich Probleme, die zu Verwirrungen der Gefuehle fuehren koennen, » Das juedische Geschichtslieben ist so weit und so reich, dass ■ dies geistiges Allgemeingut sein sollte. Heranfuehning christlicher Menschen an die Quellen juedischen Seins, kann zu einer guten Harmonie im ZusammeJeben von Christen und Juden fuehren,. Denn Unverstaendnis fuehrt zu Missverstaendnis und diese Haltung oft zu Gleichgültigkeit, zu Hass, zum moralischem Chacs. Antisemitismus beruht meistens auf Unkenntnis vom Wesen des Judentums. An den Juden liegt es, Christen ueber Art und Wert juedischen Wesens aufzuklaieren und antisemitische Propaganda als neble, unchristliche Tendenzen anzuprangem. In Deutschland, Frankreich England, in der Schweiz, in den USA in Argentinien, und anderen Laendiern haben sich Organisationen gebildet zum Zweck© juedisch-christlicher Zusammenarbeit, dahingehend, echten Humanismus und modernen Geist zu ¡demonstrieren. Diese Veranstaltungen wollen bewirken, dass Furcht und Misstrauen unter den Menschen dezimiert werden, dass oberfLaechliche Verallgemeinerungen und Vorurteile langsam verschwinden., Christen aller Bekenntnisse und Juden arbeiten hier gemeinsam am Bau eines besseren Memschheitsgebaeudes. Grosse Erfolge hatten "Wochen der Bruederlichkeit", eine Einrichtung die auch nach Bolivien verpflanzt werden sollte, um hier das Judentum im groesseren Rahmen wirksam zu werben. Es waere eine immens wichtige Arbeit, in Vartraegen aufklaerend zu wirken, dSe bolivianische Presse ueber das juedische Wesen zu informieren, Prospekte, populaer aufgemacht, zu verteilen. BuchaussteRimgen zu veranstalten, studentische Jugend in die juedische Atmasphaere zu ziehen und die katholische (und protestantische) Geistlichkeit fuer die praktischen Gebote der Naech stenliebe zu interessieren. Treiben wir keine Fehlspekulationen durch freundliche Mienen des christlichen Menschen seinem juedischen Mitbuerger gegenueber! Der Antisemitismus ist irgendwie vorhanden, und der christliche Mitmensch ist fuer antisemitische Propaganda aufnahmebereit. Juden sind gerade erst der einzigartigen Tragoedie ihres Volkes entronnen und sollten daraus Lehren und Kosequenzen ziehen. Den Anfaengen* wehren! Rassenfragen und Judenhass sind Erscheinungen christlicher Dekadenz. Eine bolivianische “Woche der Bruederlichkeit", der Erziehung zur Toleranz, des Untereinader- Verstehens, koennte gute, sehr gute Fruechte tragen. "Das Echo" ruft die christlichen intellektuellen und bürgerlichen Kreise Boliviens, die guten Willens sind, zusammen mit repraesentativen juedischen Elementen, alljaehrlich eine "Woche der Brüderlichkeit" zu veranstalten. Unser bolivianisch-israelisches IKulturinstitut koennte bei diesem humanitaeren und klaerenden Werk ein guter Vermittler sein,. Das "Comité Central Judio de Bolivia" und das Rabbinat sollten diesen Vorschlag emsthaft ueberpruefen- 1 u k u s t a. Sind Deutsche Antisemiten? In unseren Spalten haben wir cit die Befuerchtung ausgesprochen, dass es noch ein weiter Weg sein wird, in Deutschland •eine echte Demokratie zu sehen. Dreizehn Jahre nach ¡Kriegsende ■ zeigt ein Bild, welches unsere Befuerchtung naehrt. Heuss, Boehm, Lueth, Frau Luckner und einige mehr, sind hochragende Symbole echter Menschlichkeit und Demokratie in Deutschland. Aber immer mehr werden die Aktivisten des Humanismus in Deutschland verdraengt, sie werden kampfmuede und z.T. haben sie bereits resigniert. Andere Kraefte sind im Aufsteigen, bcese, zersetzende Maechte sind in rapider Entwicklung, die immer mehr an Anhang gewinnen. Der zurueckliegende aber charakteristische Fall des offenburger Studienrates Ludwig Zind, hat vieles geklaert. Dass es moeglich war, dass ein Zind in seinem Prozess wuesteste antisemitische Hetzen aussprechen konnte, ohne das dieser wilde Antisemit auch nur einmal von dem Vorsitzenden zur Ordnung gerufen wurde, wirft ein grell-truebes Licht auf den Charakter der deutschen Beamtenschaft, ebenso wie die vielfachen Sympathie-Erklaerungen die dieser famose Paedogoge erhielt. AUS DEUTSCHLAND Der “Sueddeutschen Zeitung” entnehmen wir folgende Notiz: Einem muenchener Geschaeftsmann war fuer die Fahrt von Frankfurt nach Muenchen von der frankfurter Mitfahrerzentrale ein Fahrgast zugewiesen worden. Waehrend der Fahrt auf der Autohahn schimpfte der Autohesitzer unentwegt auf die Juden, den Staat Israel, dessen Armee und auf Ben Gurion. Als daraufhin der Antisemit erfuhr, dass sein Mitfahrer Jude sei, traf er sofort auf die Bremse. In der Naehe von Augsburg warf er seinen Fahrgast und dessen Gepaeck aus dem Wagen, wuergte den “Erzfeind” am Hals und verletzte ihn durch Sch'laege mit der Faust erheblich. So geschehen in Westdeutschland im Jahre 1958. Der “Fall Zind” wurde von anderen Provokationen gegen Demokratie und Humanismus abgeloest. Deutschen Individuen und Aemtern kann man im zunehmenden Umfange den Vorwurf machen, Piechtspflege und Menschenachtung nicht als heiliges demokratisches Gut zu respektieren. Es gibt heute schon wieder kompakte Massen deutscher Menschen, die Israel als "Pestbeule" und die Juden als "ewige Feinde Deutschlands" bezeichnen. Ein Charakteristicum bietet die Umfrage des Direktors des "American Jewish Committees", Shuster, in Deutschland, die bewies das circa 40 % der Deutschen antisemitische Gefuehle auswiesen, besonders Personen in der Altersgruppe von 35 bis 50 Jahren; von den Befragten hatten nur 7% (!) eine klare philosemitische Haltung. Die anti-juedische Propaganda in Deutschland gewinnt, zusehends an Boden, die Neo-Nazist.en organisieren neue antisemitische Fronten. Der Kampf gegen die "Bereicherung der Juden durch Wiedergutmachung" wird immer unverhuellter, demokratische Institutionen werden mit antisemitischen Briefen ueberschwemmt und auch Schaendungen juedischer Grabstaetten gehoeren nicht zu den Seltenheiten. In der deutschen Bundesrepublik gibt es an die zwanzig airabisch-deut sehe Gesellschaften, die eifrig bemueht sind, in Zusammenarbeit mit deutschen Nazis, antisemitisches Gift zu erzeugen und zu verbreiten. In Atdencruprs militarisierten Deutschland ist ein neuer Nationalismus in Entwicklung, der wieder einmal die Deutschen als hochrangig und alles andere als zweitklassig wertet. Immer mehr verblasst in Deutschland und im Deutschen der Tag der "totalen Kapitulation", immer mehr verblassen die ungeheuerlichen Verbrechen deutscher Menschen in Uniform. Man lebt froehlich im Lande der "Wirtschaftswunder" und ruestet mit mehr oder weniger Begeisterung zu einem neuen Krieg. Solange die wirtschaftliche Konjunktur in Deutschland anhaelt, duerfte der Antisemitismus noch in ertraeglichen Bahnen existieren, ,bei abflauen der Wirtschaftskonjunktur aber ist mit versteuertem Antisemitismus zu rechnen, der Wege gehen kann, die wir nicht nennen wollen, aber befuerchten muessen. Der Stand des Antisemitismus ist der Pruefstein fuer die Agencia ÇOPACAgANA, Hotel Copacabana, Teléf. 12240 >1.2. Casilla 2606

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