Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 9 (1958-1959)
- Issue
- 184 (15.7.1958)
- Date
- 1958-07-15
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Feind — Der Kampf gegen Demokratie, Sozialismus und Humanismus ist bereits aus den ersten Runden getreten und hat eine Basis erreicht, die erschreckend und hoechst gefaehrlich fuer den Fortbestand der demokratischen Weltordnung ist, —X— Mit dem Druck gegen den geringsten Widerstand beginnt es: dem Antisemitismus, dem Bassenkampf. Intoleranz aber ist ein bewaehrtes Mittel zur Spaltung christlicher Moral und ethischer Kraft. Menschliche Ueberheblichkeit, nationaler Groessenwahn, Egoismus, kurz, alle schlechten Triebe werden von der rechts-radikalen Propaganda bewusst und mit raffinierten Methoden gefoerdert. Und all dieses unter dem Mantel von Christentum, Naechstenliebe, Patriotismus und als suggestiven. Ausdruck einer sittlich - politischen Philosophie. —XI— Wann und wo sich irgend ein politischer Skandal ereignet, ist man schnellstens dabei, diesen aufs Konto des “Internationalen Kommunismus” zu setzen. Men setzt diese Behauptungen oft derart schnell in Umlauf, dass der Denkende klar die Tendenz erkennt und weiss, wer der Vater dieser kuelinen, spekulativen Annahmen sein muss. Je mehr man von den Unarten der, Kommunisten hoert, desto aktiver arbeiten die militanten Nationalisten. Eine Binsenweisheit, die dennoch nicht allen klar ist. Es ist ja so bequem und dankbar, alle Schuld den “Boten” zuzuschieben, denn eine gewisse Presse, eine gewisse Buergerfront,; freut sich ueber diese Belastungen und bauscht diese geho rig und mit Yergnuegen auf. Unter tausend Tarnungen und Masken schleicht der menschheitsverrohende Faschismus durch die WTelt; er ist aalglatt, tueckisch, verwirrend in seiner Dialektik — er ist allgegenwaertig, doch kaiun zu greifen. Kein echter Demokrat oder Sozialist kann sich mit dem Kommunismus in seinen heutigen Formen befreunden. Das politische System des Kreml-Kommunismus ist brutal und misanthropisch; der aktuelle Kommunismus ist sozialfeindlich, menschheitsknechtend und daher zu bekaempfen. Der Kommunismus ist gefaehrlich — der Faschismus aber ist in seiner tueckischen, kriechenden Art weitaus gefaehrlicher als der Kommunismus. Der Faschismus organisiert sich, aufs neue die Welt in Blut und Elend zu ersticken. —XII— Ein Politiker muss Realist sein. Der Grossteil der Menschheit befindet sich heute (direkt oder indirekt) unter kommunistischem Einfluss. Der kommunistische Erfolg resultiert sich u.a. durch die politische Infantilitaet der grossen Demokratien, die starr und stur ihren Weg gehen, ohne auf die brennenden Zeichen der Zeit zu achten. Der Demokratie fehlt es an grossen, mitreissenden Persoenlichkeiten, an faszinierenden Ideen, an Schwung und Idea lismus, die die Massen ansprechen. Die ewige Schaukelpolitik eines Dulles, die Impotenz der heutigen englischen und franzoesisclien Politik, wirken bahnbrechend fuer ^die Politik des KremL Die Russen haben,, erkannt, wo die Lebensarterien der Weltpolitik liegen und sie haben hurtig zugepaekt, um diese Lebensadern fuer sich fliessen zu lassen. Mit der Anti-Kommunistischen Propaganda, die den Teufel mit Beizebub austreibt, die Verlogenheit gegen Verlogenheit setzt, kann der kommunistische Vormarsch nicht gehemmt werden, aber dem Faschismus und der Reaktion von bedeutendem Vorteil sein. —XIII— Die Westpolitik wuenscht (mit unzulaenglichen Mitteln) den Kommunismus auszuroden. Die westlichen Staatsmaenner setzten immer wieder Moskau unter Druck; dieser Druck erzeugt Gegendruck, Spannun gen ergeben sich, die das Weltbild verfinstern. Moskau will keinen Krieg — dies ist heute allgemein klar und bedarf keines Kommentars. Ebenso sicher ist, dass die Russen vieles falsch machen und ihre Worte nicht immer als bare Muenze anzunehmen sind. Trotz allem kommunistischen Minus imd der fragwuerdigen Kreml - Politik ist dennoch manches politisch echt und als positiv zu bewerten; Moskau hat in letzter Zeit manches unternommen was weltpolitisch bedeutungavoll sein koennte; konsequentes Nichterkennen und absolute Abweisung moskowitischen Friedenswillens muss zu einer westlichen Katastrophenpolitik fuehren. Man kann nicht immer als Manoever abtun, was moeglichervveise zur Entspannung der Lage beitraegt; es waere an der Zeit, Friedensworte, gleich, woher sie kommen, ehrlich und mit pazifistischem Ernst zu pruefen und entsprechend zu handeln. —XIV— Der Friedensengel aber wird vom Mars bedroht. Fuer Kriegshetze besteht eine gute Konjunktur. ln den kapitalistischen USA beginnt die wirtschaftliche und innenpolitische Situation recht unangenehm zu werden. Die Staaten haben z zt. mehr als 5 Millionen Arbeitslose, die Produktion ist groesser als der Verbrauch; circa 25% der Produktionen sind nicht absetzbar. Wenn man ferner bedenkt, dass die US neuerdings 170 Millarden Dollar in Ruestungsbetrieben investierte und diese gewaltigen Unternehmungen jetzt einstellen muesste, so wuerde es Probleme ergeben, die kaum als loesbar erscheinen. Kapitalistische Kreise der US sehen als Ausweg vor der kommenden Wirtschaftskatastrophe den Krieg. Um die Kriegsfackel zu entzuenden werden (probatum est!) nationalistische Phrasen gebraucht und die Reaktion wird vor den kapitalistischem Wagen gespannt. Die Kapitalisten (nicht nur die der USA) wollen fette Gewinne aus einem hoellischen Kriege ziehen; die (Voelker aber wollen den Frieden — sie wollen ihr Blut nicht fuer die Kraft des Dollars opfern. Die Fronten sind klar. Das sozialistische und friedliebende Buergertum lasse sich nicht durch Tendenz-Parolen verwirren. Der Feind steht rechts! LUDWIG K. STARGARDT. 3*000 <î> Herr José Epstein (La Paz) erhielt von seinem Vater, Herrn SIMON EPSTEIN kuerzlich ein Schreiben, dem wir folgende Zei len entnehmen. Simon Epstein, der viele Jahre in La Paz verdienstvoll als Kultusderzernent der “Comunidad Israelita” wirkte und der heute gluecklich in Israel lebt, zeig in dieser knappen Pessach-Betrachtung, einmal mehr, sein tiefes Einfuehlen in die juedische Historie und Philosophie. Sieben Tage nach dem Auszug <?> aus Aegypten, sagt die Ueberlieferung, zogen die Kinder Israel durch das Rote Meer. Am siebenten Abend des Pessachfestes stehen die Einwohner des neuen Staates Israel, wo immer sie koennen, am Meer und ich war unter ihnen. Tausende von Menschen, Israelis und Turisten, Maenner und Frauen, Kinder und Greise, Chassidim und Freidenker stehen am Jam; einige tanzen, einige liegen am Strand und schauen bedenklich in die Weite; man springt, man jubelt, man singt, man tanzt Horra und die Gesaenge steigen zum Himmel auf. Am ganzen Strand des Meeres sind grosse Reflektoren aufgestellt und das Jam ist beleuchtet und ich schaue weiter und sehe ein weiteres Jam von Menschen und dort steht ein Rebbe unter ihnen mit Stramel und wallendem Bart and spricht zu seinen Chassidim und ich sehe in Gedanken Mosche Rabenu dort stehen der den Bnei Israel erzaehlt, dass nach wenigen Momenten das Meer sich spalten wird und alle Juden werden gerettet und ich schaue auch in das Meer und sehe die brausenden Wellen und wirklich, nur noch eine kleine Weile und das Meer wird sich wirklich teilen und alle Juden werden gerettet werden. Aber ich schaue weiter und denke weiter, dass es doch nicht so sein kann, denn auf der anderen Seite ist doch Aegypten, also muessen sich doch die Bne Israel bereits gerettet haben und sind schon durch das Meer gezogen. Ich drehe mich um und sehe sie stehen alle da, vom Jam heraus gekommen, alle trockenen Fusses; ein Meer von Menschen, aus allen Teilen der Welt, alle Sprachen sprechend, ohne Unterschied von Rassen, alle in einem Glauben zusammengeschmiedet, ein Volk. In dem grossen Kreis wo man tanzt und mit Ekstase singt wird das Rad immer groesser und es oeffnet sich das Rad und ein amerikanischer Jude springt hinein, ein polnischer Jude, ein rumaenischer, ein ungarischer, ein Jemenitischer, ja sogar ein kanadischer Jude, alle mit Hueten oder Kaeppchen; heute sind auch die Nicht-Frommen fromm. Sind es verschiedene Menschen aus verschiedenen Laendern? Nein, es ist ein Volk, ein Blut, ein Leiden, eine Freude. Ein Volk feiert den Auszug aus Aegypten und den Einzug in das gelobte Land und dort steht Mosche Rabenu und spricht zu den Kindern Israel: "A1 Tiroh”, “Fuerchtet nicht” sagt er, Gott wird fuer Euch den Krieg fuehren und Ihr aber schweigt; aber das Volk will nicht schweigen, es singt zu Gott “Os Yaschir Mosche Uwne Jisrael et Haschira Hasot Laschem” “Da sangen Moses und die Kinder Israel dieses Lied zu Gott”. So Sah ich den Auszug aus Aegypten am Meer. Aber nun sind die Bne Israel aus dem Meer herausgezogen aber nicht in eine Wueste wie damals sondern in ein strahlendes Land mit allem Guten “Erez Sowat Chalaw Udwash” “ein Land voll von Milch und Honig”. Die Menschen gehen auseinander in die hell beleuchteten Hotels; ein Jam von Menschen geht aus dem Jam heraus und zieht durch die hellen Strassen und es ist alles eigen, alle Menschen sind Deine Brueder und die verschiedenen Sprachen gehen verloren und alle Sprachen verbinden sich in eine Sprache. Eben erst sind alle Deine Brueder aus dem Meer gekommen-aber sie sind schon vereint. KAUFE ä BRIEFMARKEN I 5 in jeder Menge t i zu hoechsten i; Preisen! t | S. Cohn, Cosilla N9 384! s Cochabamba t ACHTUNG, OESTERREICHER! Die “Association of Jewish Refugees” in London bittet uns um Einschaltung folgender Notiz: “Die Stadt Wien und die oesterreichischen Krankenkassen haben sich damit einverstanden erklaert, Pensionsansprueche von ausgewanderten Personen, die in ihren Diensten standen, gleichermassen wiè Pensionsrechte von Bundesbeamten zu behandeln, das heisst unter anderem ihnen rueckwirkend vom 1. Mai 1950 an Pensionen zu zahlen. Auswanderern aus Oesterreich, die im Dienste der Stadt Wien oder einer ihrer Unternehmungen oder einer Krankenkasse standen, wird geraten, bei ihrer frueheren Beschaeftigungsbehcerde unverzueglich entsprechende Antraege einzureichen”. SMOKE KIPPERED (Englische Heringe "Marshal") Oval-Latta ent'h. 10 onzas Verkauf engros und detail: CASA PERLA, Comercio N9 528, Casilla 1484, La Pfcrzi in Cochabamba: Casa LADY, H. Pienieck, Baptista 22, Casilla 876. Avenida Camacho Fahren Sie mit dem bequemen, modernen Pullman - Auto der Empresa Morales von zum Preise von nur 350.— Soles! Abfahrt von La Paz jeden Mittwoch und Sonnabend, 8. Uhr. Informationen und Kartenverkauf: NACH LIMA? Teléfonos 2560 - 9265