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Das Echo · 1958-06-30 · 183 (30.6.1958) · p. [Seite 5]

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Journal
Das Echo
Volume
9 (1958-1959)
Issue
183 (30.6.1958)
Date
1958-06-30
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German
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5,— "DAS ECHO" 30. Juni 1958 Waehrend der Nixon - Tage <§■ war auch “Das Echo” an vielen offiziellen Reunions vertreten; und immer wieder konnten wir die Achtung und den Respekt von den Vertretern der oeffentlichen Meinung feststellen. Eine besonders klare Expression der Bedeutung der Presse in der Politik, war die grosse Pressekonferenz, die der nordamerikanische Vicepraesident im “Crillön” einberief. An die 80 Vertreter der nordamerikanischen, der internationalen Presse-Agenturen und nationalen Presse waren anwesend. Interessant war die kompakte Mitwirkung, von Tonband, Radio, und Fotcberichterstattung. Aber ueber das Technische hinaus gab es viel Bemerkenswertes zu beobachten. So vor allen Dingen die absolut freie Aussprache zwischen Presse und Vicepraesidenten. Fragen wurden gestellt, und prompt und gruendlich beantwortet. Die Fragen, die gestellt, die Berichte, die gegeben wurden, waren durchaus nicht immer angenehme. Die bolivianische Oppositionspresse (Falan ge und Kommunisten) bohrten des Oefteren peinliche Fragen in das Hirn von Richard Nixon. Alle Beantwortungen aus dem Mund des nordamerikanischen Vice waren diktiert von Respekt vor der Presse, als berufene Vertreterin der Oeffentlichen Meinung. Es wurde in der Fragenbeantwortung nicht Unangenehmes “zerkaut”, sondern alles wurde in erfreulicher Frische eroertert. Diese Presse - Konferenz hatte die grosse Tradition der ruehmlichen Pressekonferenzen im “White House” von Washington. Hier wurde gezeigt, dass man Politik nicht im Elfenbeinturm <•> machen kann, sondern dass demokratische Politik ein Rechenschaftsbericht ist, den die Presse zu Recht fordern darf um die Buerger von den Absichten der Regierung zu informieren. Erfreulicherweise gehen auch bolivianische Behoerden immer mehr dazu ueber, staatliche Probleme gemeinsam mit Pressevertretern zu besprechen. Aus dieser Zusammenarbeit kann nur Positives sich entwickeln. ♦ Und nun machen wir einen kuehnen Sprung vom Grossen ins Kleine! Auch eine kleine, auch die kleinste Gemeinschaft ist Volk. Und jedes Volk hat ein Recht auf exakte Informationen, insbesondere ueber Leben und Wirken innerhalb seiner Gemeinschaft. Unsere juedische Gemeinschaft in Bolivien aber wird durch Vorstaende schlecht betreut. Fuehrende Staatsmaenner hal ten es fuer ein selbstverstaendliches Gebot, Gemeininteressen mit der Presse zu diskutieren. Unsere verehrten Vorstaende kennen jedoch keine Zusammenarbeit mit der Presse, noch nicht einmal mit der eigenen, mit dem “Echo”. Es wird hinter verschlossenen Tueren munter gevorstaendelt, man wuenscht “unter sich” zu bleiben, man ignoriert so die Mitgliedschaft und die oeffentliche Meinung, repraesentiert durch die unabhaengige, nicht subvensionierte juedische Zeitschrift “Das Echo”. Unsere Vorstaende barrikieren sich vor kritischen Fragestellungen und begehen damit etwas, was der Gemeinschaft, ihren Waehlern, schadet. Der Jisshuv (ob Vereinsmitglieder oder nicht) hat ein Recht durch Vermittlung der juedischen Presse ueber alles (wir betonen: u.c-h-e-r-a-l-l-e-s!) informiert zu werden, was das interne juedische Leben ausmacht. General- Das Interesse fuer juedisches Leben und juedisches Wissen ist auch innerhalb unseres Kreises wach, was die gute Entwicklung des “Echo” klar beweist. Auf der andern Seite aber wird das geistige, kulturelle und politische Niveau unserer Organisationen immer bedauernswerter. Dies auszusprechen ist Pflicht, um das Schiff noch solange zu ste- ÜM Foto Linares Richard M, Nixon im Gespraech mit unserem Herausgeber Versammlungen (die erfahrungsgemaess sehr schlecht besucht sind) koennen nicht allein Rahmen von Informationen ueber Soll und Haben juedischer Organisationsarbeit sein. Die Organisationen schaffen eine Isolationsschicht, die nur zum Nachteil des juedischen Lebens in Bolivien sich auswirken kann. uern, solange es noch manoevrierfaehig ist. + Durch die Presse pulst der Strom der Zeit; dieser Lebensstrom ist befruchtend und gebaert Neues. Die Presse ist der unbestechliche Ausdruck von Aktualitaet. Das journalistische Wort hat schoepferische Kraft. Der Zeitiker, ein guter Beobachter; er steht (oder haelt sich bewusst) ausserhalb der Enge von Parteigetuebe, sodass sein Urteil uurch Distanz kuehl und objetiv bleibt. Der Politiker, die Persoenlichkeit im oeffentlichen Leben, entwickelt Ideen - der Journalist kommentiert, publiziert und stellt Gedankengut zur Debatte. + Die Presse hat sich in der ganzen Welt eine Position geschaffen, die man nicht erschuettern kann, selbst wenn man sie noch so sehr ignorieren moechte. Die Presse (die freie, voeliig unabhaengige) ist “das Organ' , sie ist Sprecher iuer allgemein - guaUigo Aulfassungen, euer von uruppen und Formeln besonderer raerbung und Praegung. Tot-alitaere Staaten drosseln die Presse, indem sie dieser ihren politischen Willen aufzwingen; Staaten mit gedrosselter, unfreier, uniformer Presse, sind gezeichnet wie einst Kain. Nur die freie, ungebundene Presse ist Ausdruck freien Lebens und demokratischer Gemeinschaftsgesinnung. + Die pacener Presse - Konferenz mit dem stellvertretenden nordamerikanischen Regierungschef hat aufs Neue gezeigt, dass, wer in der Oeffentlichkeit wirkt, sich der oeffentlichen Meinung, der freien Presse, ste- Was im Grossen geschieht und was in dieser Sphaere eine Selbstverstaendlichkeit ist, sollte auch im Kleinen (und im Kleinsten) angewendet werden. Presse, Politik, Publikum sind eine soziale und ethische Einheit; wer diesse Potenz anerkennt und aus diesem Wissen alle Konsequenzen zieht, der ist zum Wirken im oeffentlichen Leben berufen. 1 u k u s t a. Odysee eines «> Die Herausgabe dieser Nummer war eine tolle Sache! Man sagt, Schwierigkeiten versuessen das Leben — wir sind von Suessigkeiten nun arg gesaettigt! Seit dem (unseren Lesern avisierten) Druckerei-Wechsel hatten wir technische Pannen am laufenden Bandi die wichtigsten Stationen unserer verlegerischen Odyssee: Wir entschlossen uns zu einer bestimmten Druckerei, da uns der dortige Linotypist als gut und zuverlaessig bekannt war; kaum hatte er das Material fuer diese Ausgabe in Haenden, wurde er als Syndikats — Funktionaer berufen — und die Arbeit wurde im Stich gelassen. Mit Muehe, Not und reichlich Geld fand man einen anderen Setzer, der aber in praxi derart schlecht war, dass er nicht verwendet werden konnte. Mit grosser Protektion wurde ein dritter Mann gefunden; nach einem Tag Taetigkeit wurde er krank. Als er nach Tagen wieder gesundete, war die Maschine "krank". Und so ging es im lustigen Reigen weiter, immer weiter... Die Zeit floss, die Leser wurden ungeduldig, die Schiaefenhaare des Herausgebers wurden zusehends grauer aber mit der Produktion kam man kaum voran. Immerhin gelang es mit Aufbietung aller physischen und materiellen Kraefte, sechs Seiten fertig zu stellen — bis wieder schwere Ärbeitslaehmung unsere weitere Arbeit vereitelte: Streik! Dass diese Ausgabe doch noch irgendwie zustande kam, erscheint wie ein Wunder. Diese Zeilen sollen Entschuldigung an unsere Leser sein, fuer das verspaetete Erscheinen und dafuer, dass wir den Inhalt dieser Nummer nicht aktuell halten konnten, wie wir wollten, da ja die Satzarbeit fuer die meisten Seiten, z. T. zeitlich weit zurueck liegt. Vorstehende Zeilen schrieben wir stehenden Fuisses im letzten Moment, bevor das Blatt in die Presse ging; hoffentlich gibts nicht wieder eine neue Panne. Der geplagte Echo-Editor PROBIEREN SIE DIE GUTE DEUTSCHE BÜRGERLICHE KUECHE BEI FRAU BRETTEL ❖ ❖ ❖ Capitán Castrillo 169. Teléfono N9 3049 Ihre PASSAGEN PER FLUGZEUG PER SCHIFF ODER PER EISENBAHN, IHRE HOTEL RESERVIERUNGEN besorgt Ihnen schunellstens und zuverlaessig, zu offiziellen Preisen: StftViCtO MtfNOlAi Df VfAJES ‘ TER La Paz Avda. Camacho (Edificio Yugoeslavo)

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