Gross-Berliner C.V.-Post
- Journal
- Gross-Berliner C.V.-Post
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- 4 (3.9.1926)
- Date
- 1926-09-03
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sorgt für Entpolitisierung öer Schulen! Von Dr. Erich Magnus. Eine der wesentlichsten Aufgaben, die der Berliner Central-Verein im kommenden Jahre erfüllen sollte, ist die energische Arbeit gegen die zersetzenden Ströinnngen auf den höheren Schulenund der Universität. Eine Festigung der jetzigen Staatsform und dadurch indirekt auch ein Rückgang des Antisemitismus wird nur dann möglich fein, wenn der Nachwuchs an Beamten und Akademikern frei von Vorurteilen aufwächst, die eitle üble Hetzpropaganda der Antisemiten und Reaktionäre mit jedem ihnen zu Gebote stehenden Mittel aufrecht zu erhalten sucht. Die Entpolitisierung der Schulen mutz mit aller Kraft in Angriff genommen werden, und hierbei kann sich der Central-Verein durch eine sachgemäße Aufklärung in Wort und Schrift, die von der ihm llahestehenden Großstadtpresse wirksam unterstützt werden müßte, ganz besondere Verdienste erwerben. Aufklärung Ln Hochschulen unö Schulen Von Rabbiner Dr. Schreiber. Potsdam. Die Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, daß Aufklärung an Erwachsenen, so notwendig sie auch ist und bleiben wird, doch immer etwas Problematisches an sich hat. Was die juitge Seele auf der Schule und im Hörsaal in sich ausgenommen hat, das ist so leicht aus dem alt gewordenen Mann nicht herauszubringen. Darum wird es nötig sein, über Mittel und Wege zu sinnen, an unsere Schulen, insbesondere an unsere höheren Schulen heranzukommen, um hier belehrend und aufklärend zu wirken. Der gegebene Weg, diese Belehrung und Aufklärung durch die Lehrer an die Schüler heranzubringen, ist bei der Einstellung und Geartung des größten Teils unserer Lehrer zurzeit nicht gangbar und wird wohl auch für die nächsten Jahre nicht gangbar sein. Hier nach anderen Wegen zu suchen und sie in planvoller Arbeit zu beschreiten, dürfte eine dankenswerte Aufgabe nicht nur für das kommende Jahr, sondern, bei der Größe dieser Aufgabe, für viele Jahre sein. Ein Hanöbuch für öle öeutsche unö Mische Iugenö Von Ingenieur S. H o r w i h. 1. Aufklärungsarbeit bei allen Lehrern aller Schulen durch laufende Uebersendung von entsprechendem Material. Die Lehrer sind die Träger der Gedanken, die die Jugend beschäftigen. Entgiftung der Jugend durch die Lehrer ist die wichtigste Arbeit durch die Zukunft. 2. Laufende Belehrung der jüdischen Jugend durch spezielle, dem CV.-Blatte beigefügte I u g e n d b e i l a g e n, die aber lediglich (in Frage und Antwort) der Jugend das Material zur Belehrung ihrer nichtjlldischen Freunde und Mitschüler geben soll. In jeder Nummer nur zwei bis drei Fragen erörtern. Alles so halten, daß auch die Großen lernen können. Soziale, wissenschaftliche, kulturelle, politische Tendenzen richtig zerkleinert und mundgerecht gemacht! Fordert von uns die reichhaltige Aufklärungsliteratur für Schule und Hochschule Höröerung öes Staatsgeöankens! Von Dr. Bruno Weil, Berlin. Für die Aufklärungs- und Abmehrarbeit wird diejenige Frage die wichtigste sein, die von dem Gegner im kommenden Jahre in den Vordergrund gestellt wird. Das Gesetz des Handelns kann von einer Minderheit, wie sie die deutschen Juden sind, dem übermächtigen Gegner nicht diktiert werden. Aendert sich die politische Lage nicht, so bleibt es auf absehbare Zeit von besonderer Bedeutung, daß die Reste des völkischen Denkens, die nach dem Abflauen der völkischen Bewegung in den Köpfen vieler, von Hause aus nicht antisemitisch eingestellter Deutschen zurückgeblieben sind, beseitigt werden. Die Stellung der deutschen Juden im Volksst a a t ist verfassungsmäßig eine andere, als sie im Obrigkeitsstaat war. Der Erfüllung der gegebenen Rechtsgarantien stellt sich rein gefühlsmäßig die Welle des völkischen Denkens vielfach entgegen. Anzeichen verschiedener Art deuten darauf hin, daß größere Volksteile schon jetzt bereit sind, die gedanklichen und geistigen Folgerungen aus dem Zusammenbruch der völkischen Bewegung zu ziehen. Bayreuth und Borkum sind Erscheinungen, die deutlich das Abrücken wichtiger Bestandteile des deutschen Volkes vom völkischen Antisemitismus dartun. Neben dieser Aufgabe nachaußen scheint es mir aber dringend nötig, die deutschen Juden mehr als bisher auf die aus ihrer veränderten Stellung im deutschen Volksstaat sich ergebenden Pflichten hinzuweisen. Die Aufgabe des Central-Vereins in der deutschen Republik kann sich in der Bekämpfung des Antisemitismus nicht erschöpfen. Als Vertreter eines Volksteiles, der von dem Wunsch der Mitarbeit am Wiederaufbau des geschlagenen Vaterlandes beseelt ist, muß der Central-Verein die deutschen Juden zur positiven Fördernng des Staatsgedankens, zur Uebernahme aller mit dem Staate zusammenhängenden Funktionen erziehen; er muß den deutschen Juden zeigen, daß sie nicht das Recht haben, innerlich verletzt und von antisemitischer Propaganda angeekelt, sich von den Aufgaben des Staates zurückzuziehen, sondern daß sie, was sie an Talent und Geisteskraft, an materiellen und ideellen Mitteln besitzen, dem Gedanken des Aufbaues des Vaterlandes und der Stärkung seiner Stellung im friedlichen Wettbewerb der Völker zur Verfügung stellen müssen. Bestellen Sie im Philo-Verlag: Die jüd. Internationale von Dr. Bruno Weil. Preis M. 1,50 Borkum Veröffentlichungen zum Münchmeyer- Prozeß. Preis 1 Mark. Eltern schickt uns eure Kinöee! Von Dr. Ludwig Tieh. Alle deutsch-jüdischen Jugendbünde klagen immer und immer wieder über das man* gelnde Interesse, das ihnen gerade von den Eltern, die Central-Vereinsmitglieder sind, entgegengebracht wird. Die Eltern fürchten zu oft, daß ihnen die Kinder entfremdet, daß sie durch die Arbeit in den Bünden zu stark belastet werden. Der Central-Verein ist bemüht, durch engste Fühlungnahme mit den auf seinem Boden stehenden deutsch-jüdischen Jugendorganisationen die Zusainnienarbeit zwischen der älteren und jüngeren G e n e r a t i o n zu fördern. Er arbeitet gerade in Groß-Berlin in engstem Zusammenhang mit der Jugend. Die Jugend will sich aber nicht in Vereinen, sondern in Bünden sammeln, die neben der geistigen Arbeit auch die Erziehung der ganzen Persönlichkeit und Pflege des Gemeinschaftsgefühls: Wandern, Sport und Spiel als Aufgabe sich stellen. Darum brauchen diese Jugendbünde ihre Selbst ä n p t g f e 11 in Form und Art ihrer Arbeit, die als letztes Ziel die Schaffung des deutsch-jüdischen Menschen hat. Der Central- Verein kann und muß mit diesen Büyden auf vielen Wegen gemeinsam arbeiten. Er braucht aber dazu die tatkräftige Unterstützung seiner Mitglieder. Darum richten wir die dringende Bitte an die Eltern, dem Landesverband Groß-Berlin dieAdressen ihrer Kinder zu schicken, die den Jugendbünden, mit denen wir Zusammenarbeiten, weitergegeben werden. Denkt an öas Schicksal unserer akaöemrschen Jugenö! Von Dr. Edmund Werner. Nach meiner Ansicht wird sich der C. V. im neuen Jahre hauptsächlich mit der Frage beschäftigen müssen, wie durch Aufklärung und Abwehr dem Antisemitismus in den Kreisen der akademischen Jugend am wirksamsten entgegengetreten werden kann. In diesen Kreisen müssen wir die geistigen und wirtschaftlichen Führer der kommenden Generation sehen; nur mit Schaudern kann man an das Schicksal der späteren jüdischen Geschlechter in Deutschland denken, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die giftige Saat von heute schon in wenigen Jahren aufgehen könnte. Aussprache mit Stuöenten Von Dr. Leo E a r o. Meiner Ansicht nach müßte sich im neuen Jahre die Aufklärungs- und Abmehrarbeit neben anderen laufenden Fragen im wesentlichen auch mit der Aufklärungs- und Abwehrarbeit in der Studentenschaft beschäftigen. Es scheint doch, als ob bei einem gewissen Teil der deutschen Studentenschaft, namentlich im preußischen Gebiet, der bedingungslose Antisemitismus sich nicht mehr so scharf manifestiert, wie in den vergangenen Jahren. Könnte man nicht auf irgendeine Weise mit dem C o u l e u r - S t udententum zu einer Aussprache gelangen? Meine persönlichen Erfahrungen sprechen doch dafür, daß man nicht mehr in so hohem Maße auf Ablehnung stößt wie in der vergangenen Zeit. Ein Versuch müßte gemacht werden.