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Gross-Berliner C.V.-Post · 1926-09-03 · 4 (3.9.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gross-Berliner C.V.-Post
Volume
1 (1925-1926)
Issue
4 (3.9.1926)
Date
1926-09-03
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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überall schlechter werden. — Wir haben darauf hingewieftn, daß die Berufswahl immer mehr zu einer Unmöglichkeit wird, wo die Tatsache der Großunternehmungen allein das Gedeihen eines Unternehmens verspricht, und der Einzelne mit kleinen Mitteln nicht mehr selbständig werden kann. Wir haben auf die Schwierigkeiten für die Studierten berufe hingewiesen, und wir müssen immer fragen, was soll werden? Wir können helfen, wenn wir unsere Organisation stärken und sie ausbauen, wenn wir an die Aufsichtsräte der Aktiengesellschaften, an die Generalversammlungen usw. herantreten, wofern wir Beschwerden zu führen haben, wenn wir uns auch als Käufer Zurücksetzung jüdischen Personals nicht gefallen lassen, wenn wir im Gemeinde- und Staatsleben unsere Ansprüche anmelden. Kurz, wenn wir den Willen zur Durchsetzung unserer Wünsche in anderer Weise austifchen als es bisher der Fall war. Wir haben häufig einen Kampf mit jüdischen Eltern zu führen, die in einer unberechneten Feigheit uns das nicht mitteilen wollen, was ihren Kindern in der Schule zustößt. Wir wissen, wie das Schulgebiet einen schlimmen, in den einzelnen Teilen der Stadt gar nicht ernst genug zu wertenden Faktor unserer Arbeit darstellt. Hier liegen unsere Aufgaben. Auf der anderen Seite sehen wir die völkischen Parteien, wie „Stahlhelm", „Jungdo", „Deutschnationaler Handlungsgehilfenverband", „Werwolf", „Wiking", „Olympia" und wie sie alle heißen mögen. Wir sind nur wenige, aber auch die wenigen gehören noch nicht zu uns. Wir warten auf sie, und ihr, unsere Freunde, müßtet sie uns schaffen. Menschen und Mittel brauchen wir. dann werden wir kräftig und mutig Weiterarbeiten können. Wir wollen alle Juden umfassen, die ein Bestandteil des deutschen Volkes sind und fein wollen und ihre Zukunft in Deutschland, ihrem Vaterlande, sehen. Restlos sollen sie um unsere Fahnen geschart werden. Dann wird Kraft und Mut unsere Reihen beseelen, und wir werden im Gefühl der Unsterblichkeit des wahrhaft Jüdischen in uns unseren Kampf für unsere idealen und materiellen Interessen auf das Nachdrücklichste führen können. <BraJM$erimee schließt öie Krönt! Von Dr. Bruno G l a s e r s e l d. Vorsitzender des Landesverbandes Groß-Berlin. 1. Wir müssen immer wieder darauf hinarbeiten, diejenigen unserer Berliner Glaubensgenossen, die zwar weltanschauungsmäßig unsere Tendenzen voll und ganz bejahen, (mindestens drei Viertel der Berliner Juden steht auf dem Standpunkt des C. V.), aber noch nicht unsere Mitglieder sind, zum Eintritt in unsere Reihen zu veranlassen. Der geringfügige Jahresbeitrag darf selbst in den jetzigen wirtschaftlich schwierigen Zeiten niemanden abhalten, beiseite zu stehen. I e geschlossener unsere Front, desto erfolgreicher der Kampf gegen die antisemitische Dummheit und Zügellosigkeit. 2. Der gesellschaftliche Antisemitismus und der Antisemitismus in Akadern i k e r b e r u f e n, die sich selbst in politisch aufgeklärten Kreisen breit machen, bedürfen unseres besonderen Augenmerks. Abhilfe in Groß-Berlin — ehe es zu spät ist — tut mehr als not! 3. Wir müssen mit großer Wachsamkeit dafür Sorge tragen, daß das antisemitische Gift, das in unterirdischen Kanälen in Handel und Gewerbe eindringen möchte, dort nicht allzu großes Unheil anstiftet. Jüdische Kaufte u t e I Augen aus! Hinein in die Abwehrfront des C. V.! Klärt öie Zsugenö auf! Von Ministerialrat Dr. Fritz Lohn. Die Hauptfrage, mit der sich der Centralverein im neuen Jahre zu beschäftigen haben wird, ist m. E. die völkische. Zwar halte ich die akute Gefahr der völkischen Bewegung bereits für beseitigt; nachdem die äußerste wirtschaftliche Not der ersten Nachkriegsjahre gelindert ist und gesündere Verhältnisse am Horizont des deutschen Volkes aufdämmern, muß folgerichtig die zahlenmäßige Stärke und damit auch die Schlagkraft der völkischen Parteien zurückgehen. Der durch ihre falschen Ideen entzündete Brand aber schwelt, zumal in den Geistern der Jugend, auch soweit sie sich nicht zu den eigentlich völkischen Parteien zählt, weiter, und es bedarf stärkster Anspannung aller vorurteilsfreien Geister, in den von Lessing gewiesenen Bahnen wahrer Toleranz aufklärend zu wirken und die Schleier rassischer Vorurteile, die das deutsche Volk in den Nebel mittelalterlichen Aberglaubens einhüllen, zu zerreißen. Ein neues Mitglied für den C.V. ist das schönste Neujahrsgeschenk! Kümmert euch um üie arbertmöe Bevölkerung! Von Stadkral M. Herzberg. Leider muß der C. V. wie bisher auf der Wacht zur Bekämpfung der antisemitischen Bewegung stehen, denn die bösen Kräfte zur Niederringung der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens sind immer noch stark am Werk. Wenn auch augenblicklich eine Abdämmung der antisemitischen Gefahr eingetreten zu sein scheint, so ist dieses nur vorübergehend. Alle Mann müssen auf Vorposten bleiben und stets für den Abwehrkampf gerüstet sein. Zur gründlichen Abwehr müssen aber alle deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens klar und deutlich die heutige Staatsreform „der Republik" bekennen. Dieses Bekenntnis muß nicht nur im stillen Kämmerlein geschehen, da ist es nicht viel wert, sondern alle müssen in der Oeffentlichkeit klar und offen bekennen, daß Deutschland eine Republik ist und bleibt. Tätiges Mitarbeiten an der Verbesserung der gesamten Lage der arbeitenden Bevölkerung sei eine unserer künftigen Hauptaufgaben. Der deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens hat diese Pflicht, weil seine Religion, nicht nur in der Sittenlehre, sondern auch in ihren früheren historischen staatlichen Einrichtungen rein auf sozialer Grundlage aufgebaut war. Handeln wir danach, so werden wir die Schmach des Jahrhunderts, „die antisemitische Bewegung", erfolgreich bekämpfen. verstärkte Bekämpfung 6es Isuöenyastes auf 6en Hochschulen. Von Professor Dr. H. Strauß. Der Central-Verein der Reichshauptstadt hat sich meines Erachtens mit allen bisher aufgenommenen Fragen in Aufklürungs- und Abwehrarbeit weiter zu beschäftigen. Wenn Sie fragen, welches Gebiet eventuell noch besonders bearbeitet werden soll, so möchte ich eine verstärkte Bekämpfung des Antisemitismus an den Hochschulen nennen. Bekanntlich hat der Antisemitismus an den Hochschulen in den letzten Jahren besonders zugenommen. So verständlich es ist, daß die Jugend aus den Kreisen, welche durch die Umschichtung der Verhältnisse besonders hart betroffen wurde, nach einem Prügeljungen sucht, den man schon seit Jahrhunderten mit besonderer Vorliebe im Juden gesucht hat, so wenig verständlich ist es, daß große Kreise junger Akademiker einen so schroffen Antisemitismus betreiben. Denn in allen Fakultäten treffen die Studierenden, sei es in der Literatur, fei es unter den Dozenten, eine ganze Reihe hervorragender jüdischer Forscher, welche die betreffende Disziplin mehr oder weniger nachhaltig beeinflußt haben. Dabei sind das größtenteils Forscher, welchen, im Gegensatz zu vielen ihrer nichtjüdischen Kollegen, die Wege für die Erlangung der höheren und höchsten akademischen Ehren sehr häufig mehr oder weniger versperrt sind. Wenn die Studenten das nicht wissen, so sollte man annehmen, daß wenigstens ihre Lehrer merken und wissen, wieviel Selbstlosigkeit bei vielen jüdischen Dozenten vorliegt und wieviel Leistungswille, Leistungskraft und tatsächliche Leistung bei zahlreichen jüdischen Dozenten zu treffen ist. In der Tat kann man auch nicht ganz selten die Beobachtung machen, daß vorurteilsfreie nichtjüdische akademische Lehrer, die im Anfang ihrer Dozententätigkeit völkisch eingestellt waren, auf Grund ihrer Erfahrungen in späteren reiferen Jahren dem Juden Gerechtigkeit widerfahren lassen. Oft kommt eine solche Sinnesänderung allerdings etwas spät. Jedenfalls wäre es im hohen Grade erwünscht, wenn eine Aufklärungsarbeit im Sinne der Anerkennung dessen, was von jüdischen Vertretern der Wissenschaften geleistet wird, nicht bloß bei den Studierenden, sondern auch bei ihren Lehrern einsetzen würde und wenn der akademischen Jugend von ihren Lehrern gesagt würde, wie viel ehrlicher Wille und wie viel Opferbereitschaft bei jüdischen Dozenten aus den verschiedensten Gebieten der Wissenschaft vorhanden ist. Das vorliegende Problem erscheint mir deshalb besonders wichtig, weil aus den Kreisen der Studierenden die späteren hohen Verwaltungsbeamten, Lehrer, Richter, Aerzte, kurz diejenigen Männer hervorgehen, welche später einen weitgehenden Einfluß auf die Denkungsart großer Kreise der Bevölkerung gewinnen. Täglich Zu neuer Arbeit bereit! Von Julius B a b. Da der Central-Verein den unmittelbaren praktischen Notwendigkeiten der jüdischen Bevölkerung in Deutschland dienen soll, ist es feine Aufgabe, von Woche zu Woche, ja von Tag zu Tag, fein Arbeitsprogramm von den Ereignissen der Zeit bestimmen zu lassen.

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