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Gross-Berliner C.V.-Post · 1925-10-23 · 1 (23.10.1925) · p. [Seite]

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Journal
Gross-Berliner C.V.-Post
Volume
1 (1925-1926)
Issue
1 (23.10.1925)
Date
1925-10-23
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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UuöenfeLn-schaft Lm Oroh-Verkiner Vtaötparlament. Die Wahl am 25. Oktober legt jedem Staatsbürger jüdischen Glaubens die Pflicht auf, darüber nachzudcnken, auf welche Weife man am besten der antisemitischen Schmutzslut entgegentreten kann, die von einigen Parteien auch in das Berliner Stadtparlament hineingetragen worden ist. Man braucht nur auf die herausfordernden Reden des völkischen Stadtverordneten K u b e, des Führers der Dentschnationalen, Pfarrer Koch oder des berüchtigten Knüppel-Kunze hinzuweisen, um zu erkennen, in wie starkem Maße das Gift der antisemitischen Verhetzung von den Vertretern der Rechtsparteien in die Berliner Bevölkerung hineingetragcn wird. Es sind nicht bloß demagogische Redensarten, die von diesen Herrschaften gemacht werden, ihre antisemitische Einstellung äußert sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit und wirkt sich stets, wenn es auch nach außen hin nicht immer klar in die Erscheinung tritt, zirm Schaden der jüdischen Mitbürger aus. Wird der Einfluß der judeiifeindlichen Parteien im Stadtparlament nicht zurückgedrängt, so kann man, in Verbindung mit der allgemeinen Verschlechtermig der innerpolitischen Lage, eine noch schärfere Tonart gegenüber den Staatsbürgern jüdischen Glaubens erwarteii. Es genügt beispielsweise, um zu erkennen, welche Gefahren der fortschrittlichen Entwicklung des Schulwesens auch in Berlin drohen, wenn die oben gekennzeichneten Parteien ihren Einfluß behalten. Es ist deshalb Pflicht eines jeden Staatsbürgers jüdischen Glaubens, bei den Kommunalwahien am 25. Oktober mit aller Entschiedenheit dafür zu sorgen, daß nur solche Personen' in das Stadtparlament gewählt werden, die die Gewähr dafür bieten, daß das kulturelle und wirtschaftliche Leben der Reichshauptstadt sich in freiheitlichem Sinne entwickelt. Dr. Stein, Reichsbildungsleiter der SPD. Dm LÜern unstrse SUnihd Ein kluger und feiner Mensch hat einmal den Antiseinitismus „das nach innen gewandte Gesicht des radikalen Nationalismus" genannt. Die ' Geschichte der jüngsten Zeit hat ihnr iimner wieder recht gegeben. Aber eben diese Geschichte lehrt uns mehr: sie sagt uns, daß der Antisemitismus eine K u l t ursch a n d e ist, deren sich eine große Nation — und das sind wir trotz des Zusammenbruchs — nicht schuldig machen sollte. Man empfindet es in Kreisen des Antiseinitismus, die feit jeher mit denen der Alldeutschen eng liiert sind, als ungeheuere Schmach, daß französische schwarze Horden auf deutschem Boden stehen. Aber man hat nicht das geringste Empfinden in diesen Kreisen, wie lächerlich klein diese Schmach ist gegenüber der, die darin besteht, daß man deutsche Volksgenossen, die so gute Deutsche sind wie alle anderen, nur weil sie einen anderen Glaubeil haben, verfolgt und schinäht. Mein ein gütiges Geschick das ernste und heilige Amt eines Jugenderziehcrs gegeben hat, dem bietet sich hier ein reiches Feld der Tätigkeit. Ist er sich seiner hohen Aufgabe, deren Endziel nur die Erziehung zu edlein Menschentum sein kemn, bewußt, dann kann er niernals feine ihm anuertrameu Zöglinge, die Zukunft unseres Volkes, iin Geiste antisemitischer Hetzapostel erziehen. Das wäre die wahre Sünde wider den Geist. Und warum diese Worte bei der Wahl zu den Berliner Stadtvertretungen? Es muß sich jeder deutsche Vater und jede deutsche Mutter darüber klar sein, daß jede Stimme, die völkischen Kreisen zufällt, die Gefahr einer weiteren Verhetzung unserer Jugend mit sich bringen kann und muh. Denn der Geist der Schule hängt sehr viel ab von dem, der an der Spitze des Schulwesens steht. Diesen Mann für Berlin zu wählen, wird eine der großen Aufgaben der neuen Stadtvertretung sein. Darum — haltet die Seele eurer Kinder frei von dem Gift der Verhetzung, lehrt sie, jeden ehrlichen Menschen zu achten, gleichgültig wie er zu Gott betet. Das wollt ihr? Gut; dann sorgl aber auch dafür, daß die Schule nicht umwirst, was ihr aufbaut! Das könirt ihr nur, wenn keine Stimme bei der Stadiverordnetenwahl für völkisch-nationalistische Kreise abgegeben wird. Berlin, den 20. Oktober 1926. Dr. Schulz, Rektor der 91. Schule. Doppelte psircht Lee äeMschen ZuLen m Grsjz-Gerlm. Die Bedeutung der Stadtverordnetenwahlen wird immer noch unterschätzt. Es gibt zwar weite Kreise, die ein Interesse daran haben, es so darzustellen, als wiirdc in den Geineindeparlamsnten nur über wirtschaftliche Dinge entschieden. In den Stadtverordnetenversammlungen dürfe, so heißt es in diesen Kreisen immer wieder, die Politik keinen Raum haben. Das sind zum Teil dieselben Leute, die am eifrigsten bestrebt sind, über die Wirtschaftsfragen ihre politischen Anschauungen zum Durchbruch zu bringen. Gewiß hat das Stadtparlament in erster Linie Aufgaben zu erledigen, die mit Politik nichts zu tun haben. Aber der Aufgabenkreis der städtischen Vertretungen erstreckt sich auch auf das kulturelle und politische Gebiet. Um nur einen Punkt herauszugreifen: Die Stadtverordnetenversammlungen haben ein gewichtiges Wort mitzureden inPersonalf r a g e n, bei der Besetzung wichtiger kommunaler Aemter. Da ist cs wirklich nicht gleich, wer diese Stelle zu vergeben hat. Man könnte leicht viele hundert Beispiele aufführen, in denen bei solchen Fragen politische Meinungen und politische Voreingenommenheiten eine ausschlaggebende Rolle spielten. Die Geschichte der deutschen Kommunalpolitik hat gezeigt, daß gerade das Gebiet des städtischen Gemeinwesens ein dankbares Feld abgegeben hat für politische und religiöse Intoleranz. Es gibt Stadtverordnetenversammlungen mit „liberaler" Mehrheit, wo kein Katholik etwas werden kann. Es gibt sehr viele Gemeindeparlamente, in denen jüdische Kandidaten nicht die mindeste Aussicht haben. Der Glaube, der Antisemitismus, der Sozialismus der Dummen, habe in den kommunalen Körperschaften kein Betätigungsfeld, ist ein großer Irrtum. Daraus erwächst auch den deutschen Juden eine doppelte Pflicht; erstens die Bedeutung der Stadtverordnetenwahlen nicht zu unterschätzen und sich unter allen Umständen an ihnen zu beteiligen, zweitens sich genau die Kandidaten anzusehen, die sich um ihre Stimmen bewerben. Hütet euch vor den antisemitischen Wölfen, die vor den Wahlen in dem harmlosen Schafskleid der wirtschaftlichen Fürsorge für alle Bürger umhergehen. Orth, Ehefredakteur der „Germania". ßm öas Wohl $££ Gesamtheit. Jeder Wähler, der für das Wohl der Stadt wirken will, gehe am 25. Oktober 1925 an die Wahlurne, denn das ist die einzige Arbeit, die er leisten muh. Nicht wählen, und dann tadeln, das tuen die ewig U'^zufriedenen. Auch eine große Zahl jüdischer Bürger vertreten den Standpunkt, daß man das alle, soweit es gut ist, erhalten soll. Denn eine Gegnerschaft gegen irgendeine Klasse oder Religion ist damit nicht verbunden. Sollten einem Kandidaten persönliche Antipathien nachgesagt werden, möge sich jeder Wähler unvoreingenommen bei ihm selber inforrnieren und dann abwägen, was er für wichtiger hält: das Wohl der Gesamtheit oder sein persönliches. Und dann tue er feine Pflicht. Dr. R o f o l l e ck, 2. Vorsitzender der deutschen Vollspartei, * Ortsgruppe Weihensee. r»r%ritmv-r -rr'-fsn-rr.,?r»-r um 111 im ■■ Richer, dir man lesen mH! Segel, Die Protokolle der Weisen von Zion ..5, - M. Weil, Die jüdische Internationale 1,50 „ Zu beziehen durch: PhLko-DeriZg und Buchhandlung, Berlin SW 63, Lindenftrahr 13 Wir tk Völkisch LN hetzen! Versammlung in einem Berliner Arbeiterviertel. Dicht gedrängt standen etwa 4 0 0 Zuhörer, fast ausschließlich vülkischgesinnte Männer und Franen am 15. Oktober in den Tanzsälen der Fruchtstraße. Immer mehr Menschen versuchten Einlaß zu bekommen; bis schließlich der Saal polizeilich geschlossen werden mußte. Je mehr Schimpfworte gegen die Juden gebraucht wurden, desto größer wurde der Beifall. Die Erregui'.g, die schließlich zur Siedehitze gestiegen war, nahm derartige Formen an, daß die Völkischen Leu wenigen anders Gesinnten, die sich ab und zu durch Zwischenrufe bemerkbar machten, ihre völkische Ansicht mit der Faust beibrachten. Der erste Redner, si Reichslcrgsabgeorduekcr Graf Reventlow, sprach über Len internationalen Kapitalismus und die auswärtige Politik. Welche Regierung auch immer, angesangsn von den Volksbeauftragten während der Revolution, bis zur heutigen am Ruder gewesen sei, sie alle waren nur gefügige Werkzeuge in der Hand des jüdischen Kapitalisnms. Der Londoner Pakt, Locarno, die Friedens- und Sicherheitskonferenzen seien alle nur Mittel zur Befriedigung der Profitgier des internationalen jüdischen Kapitalismus. Wenn Stresemann erklärt, der Judenhaß sei eine Schande für Deutschland, da Deutschland ja zu seiner Wiedernufrichtung ans die Hilfe des internationalen jüdischen Kapitalismus angewiesen sei, so sei das empörend für einen deutschen Außenminister. 2X* Milliarden muß Deutschland im nächsten Jahre an das kapitalistische Ausland zahlen, an das Ausland, das in den Händen desjenigen Volkes liegt, das leider gesund durch das rote Meer gekommen ist. Der ganze Völkerbund sei weiter nichts als ein jüdisches Geschäft. Nach

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