Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Centralblatt · 1883-02-01 · 1 (1.2.1883) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
2 (1883)
Issue
1 (1.2.1883)
Date
1883-02-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9620166-9626020-9625412--265-9625415
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DAS JÜDISCHE CENTRALBLA.TT. 3 derer, sichtbarer Hegeisienmg sich naeh i hm sehnt (4. 16) Von solcher gefühlvollen Liebe zu Gott war Abraham erfüllt, weshalb er auch für ihn so viele harte und schwere Prüfungen und Versuchungen in Wirklichkeit fest und unerschütterlich ausgestanden hat. Und gleich ihm hielten auch die anderen Stammväter mit unverrückbarer Übersseugungstreue an der Beligion, in der sie nicht schwächer geworden wären, selbst wenn sie Zeit ihres Lebens immer Unglück getroffen hätte, obwohl sich ihnen Gott noch nicht als der Wohl- und Wunderthätige geoffenbart hat (.2, 2) (x). Erst ihre Nachkommen, das Zeitalter Moses, doch nicht seinetwegen, sondern durch das Verdienst der Ahnen, empfingen thatsächliche Beweise der Liebe Gottes zu welcher er den Anfang gemacht hat. •'-) Wer von ihnen durch Reinheit, Keuschheit und Läuterung geeignet war zum Annehmen des Gottesgeistes, auf den Uess sich dieser nieder, wie die Flamme an den Docht sich heftet. Denn die göttliche Weisheit bat nicht beschlossen auf Erden ganz sündenreine, den Engeln gleiche Geschöpfe zu bilden, sondern Wesen mit Trieb und Begierde ausgestattet, welche sie bloss zu leiten verstehen müssen, um des Göttlichen theilhaft zu werden (3, 17). Diese Liebe zeigte er auch in der wohlgefälligen Annahme der Opfer der Israeliten, wodurch nichts anders gesafit wird, als dass ihr Zustand ein geordneter war (2, 2G). Gott Ivess seine besondere Vorsehung über Israel walten, durch ihre Befreiung aus der Knechtschaft, durch ihre wundeibare Ernährung in der Wüste, durch ihre Einteilung in 12 Stämme gleich den 12 Sternbildern am Himmel, was alles auch die göttliche Liebe deutet (3), endlich durch die Offenbarung, die Erschaffung des geistigen Lichtes, wodurch Gott auf Erden verherrlicht werden sollte. Diese thätige Liebe Gottes an Israel wird in dein Gebote — welches dem IjftlQ voransteht und dem rniKtt folgt, weil nur Israel noch in die Himmeislichter die ihnen von Gott vorgezeichnete Bahn wandelt — so ausführlich und eindringlich geschildert, weshalb es auch geeignet ist, die dankbare Liebe zu Gott unauslöschlich in uns zu befestigen und sie uns und unseren Kindern einzuprägen. Doch ihrem Grandsatze getreu» will die Thora nicht durch blosse Gebete, die leicht zu müssigen Schwärmereien führen und leere Worte auf die keine Thaten folgen, unsere Liebe zum Ausdrucke kommen lassen (4). Sie hat daher uns Liebeswerke auferlegt (!) Kaufmann a. a. 0. S. 182 Anni. verweist bei dieaer Steile auf Bachja Ch. Hai. 9, 7. der in ähnlicher Weiae die Gläubigkeit <ter Patriarchen hervorhebt. Doch ist das Resultat, zu welchem er durch diese Betrachtung gelangt, dass nämlich Chanoch und •die Stammväter deswegen die Entsagung nicht nöthig hätten, der Anschauung J. H. (Kus. S, 1). nach welcher sie nur für diese zulässig ist, gerade entgegengesetzt. (') 2., 50., 3., 17., diese Stelle scheint 2, 4. au wider sprechen, wo das Attribut Gottes „Liebe" bildlich erklärt wird, ©der sollte es für Israel eine audere Bedeutung b. beu? (;>) Vgl. meine Recension des sei. Directors Lazaruss Tal mudiäche Ethik iu Rahmers Lit bl. Jhrg, 6 Nr. 8. (*) Kas. 3, 10. 2, 50. Divan N. 79. weiche Mühen und Anstrengungen von uns fordern. Sie i hat Verordnungen über die Pflichtgaben und freiwilligen; Spenden, Begründungeines dauernden Wohlstandes unter allen Glassen, Bestimmungen zur Regelung der gegenseitigen Beziehungen festgestellt, durch deren Erfüllung die socialen Verhältnisse nie gestört seien, weder Verarmung noch Bereicherung stattfinden würden (2, 56). Diese sollen wir gern und bereitwillig ausführen. Die Liebe zu unserem Gebieter soll Liebe zu dessen Geboten in uns erwecken und uns mit Lust und Wonne bei ihrer Ausübung erfüllen.. Denn Freude ist das dritte Gefühl, welches die | Thora durch ihre Vorschriften in uns ausbilden will (2, 50). Die ächte, innere Fröhlichkeit, die süsse, ahnungsvolle Sehnsucht nach Glückseligkeit belebt die Thora in uns durch das Gebot: Freue Dich über alles Gute, das i der Ewige dein Gott dir gegeben (Deut. 26. 11). Sie macht es dem Israeliten zum Vorwurf, dass sie nicht dem Ewigen gedient mit gutmüthigem freudigem Herzen, wodurch sein Lob, dass nur im Gefolge der Freude ist, vermindert wird [Deut. 28, 47. Kus. 3, 11). Daher betont es Jeh. H. fast mit Nachdruck gegen Baehja dass unser Gottesdienst in freudiger, nicht in niedergeschlagener i Stimmung, in Gehobenheit unserer Seele, in angenehmer Regung alier Glieder stattfinden soll (2, 5). Die Freude soll besonders an Sabbath und Festtagen zum Ausdrucke kommen Nicht mehr als die ergötzende Feier an Feste» nähert uns Gott die Zerknirschung am Fasttage, insofern wir durch jene, welche an die Weltschöpfung und die^ Befreiuung aus Egypten errinnern, eine thatsächliche Anerkennung Gottes bekunden. Der Tugendhafte ist auch an jenen Tagen von der höchsten Freude durchdrungen, er glaubt sich als Gast geladen an den göttlichen Tisch; er geniesst an ihnen Kuhe der Seele und des Körpers, deren der Kranke sich nicht rühmen kann (r), Der Genuss des Guten ergötzt ihn doppelt, weil er es als Geschenk Gottes betrachtet, der es ihm hätte entziehen können. Und indem er den Segen darüber spricht, empfindet er das Angenehme desselben schon im Vorhinein, weil er sich das ihm bevorstehende Vergnügen schon frühe zu Bewusstsein fuhrt und, dadurch die Wahrnehmung desselben steigert und verlängert (3, 17 wird seine Freude eine andächtige, gewichtige und geheiligte. Widerj fährt ihm ein Misgeschiek, duldet er dieses mit frommer Hingebung, murret nicht darüber, sondern dankt vielmehr Gott der ihn bis nun davon befreit, oder das ihm jetzt etnzogene Gut so lange verliehen hat. Ja er freut sich noch dabei, dasss er durch solche Gesinnung zur Verdickung Gottes beiträgt, und andere im Glauben ermutigt durch das Beispiel ruhiger Duldung, welches er durch sein Verfahren bietet. (3, 11). Freude, ein inneres geistiges Wohlbefinden ist daher der Grundzug des Tugendhaften. Doch hat die Thora auch die Freude auf die richtige Zeit den richtigen Ort, das richtige Maas.- beschiänkt, damit sie nicht in ausgelassene Lust, das Lebensziel der Fpicuräer, ausarte, dass sie nicht zu dem führt, was Spiel, Lüsternheit urtd~Mlissiggang bewirkt,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.