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Das jüdische Centralblatt · 1883-02-01 · 1 (1.2.1883) · p. Seite 2

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
2 (1883)
Issue
1 (1.2.1883)
Date
1883-02-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 i)A8 JÜDISCHE CENTRALBLATT. den Forderungen des im Laufe der Jahrhunderte zuj sittlichen Norm aller europäischen CulturvöJker gewordenen jüdischen Moralgesetzes entspricht, stellt ihn vielmehr als einen „nicht-jüdischen Frommen" demjenigen gleich, welcher im Judenthum geboren ist und dessen Satzungen und Gebote beobachtet. tl. Gleichwie das biblisch-talmudische Judenthum im Punkte der Nächstenliebe keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden kennt, sondern das Band der Liebe um alle Nationen und Confessionen, um die gesänimte Menschheit schlingt und sie dadurch zu einem Bruderbünde macht: ebenso ist. ihm eine solche Unterscheidung im Handel und im Verkehr, in allen bürgerlichen, staatlichen und sozialen Beziehungen vollkommen fremd. Es verlangt von seinen Bekenners Rechtlichkeit, Redlichkeit, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit. Aufrichtigkeit, Gewissenhaftigeit, Treue dem gegebenen Worte, der gemachten Zusage und dem geleisteten Eide schlechthin, unbedingt, ohne Vorbehalt, ohne Einschränkung, ohne Ausnahme, gegen jedenMensehen, weichern Volke, welchem Staate und weichern Glauben er angehören möge. III. Das biblisch-talmudische Judenthum gebietet allen seinen Bekennern, die in der Zerstreuung in allen Welitheilen leben, treu und ergeben zu sein dem Vaterlande welchem sie angehören, seinen Gesetzen sich zu unterwerfen, seiner Obrigkeit zu gehorchen, den Regenten des Landes als hehr und heilig zu ehren, die Sicherheit, die Macht, die Ehre und den Ruhm des Vaterlandes im Kriege wie im Frieden, zu wahren und zu fö rdern den Mitbürgern ohne Unterschied der Confessiou sich innig und brüderlich anzusehlicssen. mit einem W orte Das Wohl des Vaterlandes als ihr eigenes zu betrachten!V. Das biblisch-talmudische Jüdenthum schärft seinen Bekennern mit unerbittlicher Strenge ein. alles zu vermeiden und zu unterlassen in Wort und Tiiat, wodurch der Name < Jörns eilt weiht, die Lauterkeit des israelitischen Glaubensbekenntnisse getrübt, die Ehre des jüdischen Namens verdunkelt werden, überhaupt alles, wodurch auch nur der leiseste Schatten auf Israels Glauben, und Israels Namen fallen könnte, mit einem Worte: Chillul ha-Sehem; dagegen kein Opfer und wäre es noch so gross, zu? scheuen, wenn es gilt, den Namen Gottes zu heiligen d. h. vor der WeltZeugniss abzulegen, dass das Jüdenthum die reinste Gotteserkenntniss, das strengste und lauterste Sittengesetz und allgemeine Menschenliebe lehrt mit einem Worte: Kiddusch ha-Schem. Die Männer welche für diese Heiligung des göttlichen Namens ihr Leben geopfert haben, werden daher in Israel Heilige genannt. Das biblisch-talmudische Jüdenthum bestärkt seine Bekenner in der Hoffnung, dass alle Völker durch immer fortschreitende Erkenntniss und Veredlung, herbeigeführt durch das Zusammenwirken ihrer weisesten Männer und besten Geister, zu einer solchen Höhe sittlicher Vollkommenheit sich emporringen werden, dass das höchste Ideal der Liebe, des Friedens und der Verbrüderung unter den Menschen auf Erden erreicht sein wird, und legt es ihnen — seinen Bekennern nämlich — ans Herz, selbst mit dem Beispiele voranzugehen, in Frieden und in Eintracht brüderlich und liebevoll mit allen Menschen I zu verkehren, um dadurch beizutragen, dass dieser ideale 1 Zustand allmälig herbeigeführt werde, eine Zeit, in welcher kein Volk über das andere herrschen, sondern frei für sich und friedlich mit den Übrigen leben wird. Eine jüdische Weltherrschaft kennt um! lehrt das Jüdenthum durchaus nicht, sondern eine Gottesherrschaft oder ein Gottesreich allgemeiner Liebe und allgemeinen Fliedens. Die Ethik des Inda Halewi von Rabb. Dr. All. Frankl- Grün. (Fortsetzung). Die Liebe, die süse Sehnsucht nach der Befriedigung des Willens eines von uns verehrten Wesens, in welchem unser Hoffen und Streben aufgeht,das innige Verlangen, für dessen Wünsche das Leben dem Tode preis zu j geben, erweckt die Thon» in uns durch das Gebot: | „Du sollst lieben den Ewigen deinen Gott mit ganzem ' Herzem, ganzer Seele und ganzem Vermögen (Deut. 6. j 5) Dieses Gebot hat zu allen Zeiten so mächtig das! Herz des Israeliten durchdrungen, dass er um der Religion willen die Verbannung erduldete, von der er sich durch ein blosses Wort hätte befreien können (1, 115.4, ■ 23), dass Akiba nebst vielen anderen Glaubenshelden .mit dem letzten Worte desSchernabekenntnisses .,-rnX Einzig" den letzten Lebensodem ausgehaucht (III, (>">). Der jü-; dische Tugendhafte wätyt mit inbrünstiger Lust den Tod, | welcher ihn mit Gott verbindet, weil das Angenehme dieses Zusammenhängeus mit Ihm so gross ist, als ihm andereri seits der Sehmerz und der Schaden der Trennung .von 1 Ihm unertäglich ist (4, 15). Und darin eben unterscheidet | sich der Anbeter Ädonoi^ vt»n dein Verehrer Elohim\ I der Gottesdiener von dein Philosophen, welch Letzterer j Gott vermittels der demonstrativen Erkenntnis des Ver-! Standes erfasst, der in der Göttesleugnung nicht mehr | als die in einer gewöhnlichen Lüge sich kundtbuenden j Niedrigkeit der Seele erblickt, und der daher die Gottes* ' Verehrung nur so lauge sie uns nicht schadet, als Pflicht, 1 betrachtet, während der Verehrer.Moiioi's mit tief entpfun-

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