Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 21 (15.1.1883)
- Date
- 1883-01-15
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS JÜDISCHE CENTÄALBLATT. 245 gemeinen Zeitung ausführlich bewiesen; einen noch grössere Bej deutung hat dieses Buch für jedes religiöse Gemüth und für den! jüdischen Theologen bietet dieses Buch noch überdiess den süssen Trost, dass ebendieselben Gedanken, deretwegen einer der edelsten Persönlichkeiten, denn eine solche ist Hans Dewski den Dr. Keller mit Recht einen Apostel der Wiedertäuer nennt, das Martyrium freudig und gottergeben erduldete, sich in dem früheste» Sehrifttbum der Israeliten fast wörtlich gleichlautend finden. Nun Dr. i Keller ist der Beweis vollständig gelungen, dass Haus Denck Ton seinen Zeitgenossen schweres Unrecht sngethan wurde, und mit Recht hält der Autor es für die Pflicht des Historikers, dafür zu sorgen dass ungerechte Anklagen die gegeu dde Männer der Denck'schen Partei aufgebracht wurden, nicht verewigt werden und durch wahrheits getreue Darstellung muss die Geschichte da er strecen, dass das Eigenthumsrecht an den Ideen, für welche sie gelitten haben,! ihnen nicht entrisren . . wurde (p. 238). Weil wtr nun mit diesen Grundsätzen vollkommen übereinstimmen wollen wir zeigen dass sämmtliche Grundsätze Haus Deuck's sich in jüdischen Schriftthume bereits vorfinden, so dass das Haus Denck gegebene Epitheton Rabbi. (Der Wiedertäufer Ursprung 1660 foi. 16) auf ihn past insofern ern die Lehreder Rabbiner in deutsches gewand hüllte. Er huldigte dem Grundsatze der Katharina Zellt die den in unserer Zeit noch nicht befolgten Satz aufgestellt: Den Glauben aber soll man nicht zwingen und regieren, wie ihr meinter gehört dem Herzen und Gewissen zu. Jhrt. das nicht der tal" mudische Spruch SO*? H3p^7 (*ott wiJ1 das Hcrz> Ee~ wohnlich ft^h KJÖP1*1 anMefahrt- Fromm nennt Denck die, der seinen Willen in Gottes Wullen setzt "wÜSt^HD Htt^ Der Au8öPruch Dencks (p. 54): „Aber die Seligkeit ist an die heilige Schrift nicht gebunden, wie nützlich und gut sie immer dazu sein mag, findet sich schon bei Maimondes «an nbwb pbn onb w obwn rwiK "Ton Die Frommen aller Völker haben einen Antheil an der ewigen Seligkeit. Selbst die das ganze Buch wie ein rother F i b i X icziehende Gedanke die Gnade Gottes ist der bei den Israeliten iCuit^l fcSIT^D genannte göttliche Beistand. Wo er von der Befolgung der göttlichen Gebore spricht (p . 82 sagt er unter auderen du kannst ihm widerstreben, wenn du willst j doch es heisst diess nicht. Willst du ihm aber folgen, so wirst du gar wunderbarlich von ihm geführt werden, wohin du bis dahin verzweifelt hast zu kommen, nämlich zu Gott. Der Talmud «agt hierüber. Wer rein bleiben will, demhilft Gott dazu; wer aber sbhlechtes, dem bleibt die Wahl frei. Der Sauerteig des Teufels ist ^\^^^^ -^eite 91 l€s^ wir als Beispiel der Scheinheiligkeit Ihrwollt Müw < . - « venteknten. d.h. ihr bietet kleine und nebensächliche Gebote aber ihr versäumt, dass Gott zuvor befohlen hat Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Glauben hierzu ist die Stelle im Midrasch Tanhuma zu verleichen, wo vou Esau berichtet wird, dass er es verstanden seinen Vater durch Worte zu überlisten, undzwar durch fragen wie verzehnt man das Salz, das Stroh! (siehe Raschi zu Genesis Cap. 19, Vers27) Die Selbstentsag 7mg (p. 205) die Denck fordert: Gott dem Herren alles zurückzustellen, so ihm zugehörig ist, das ist alles, was wir haben und vermögen, fordert, ist im ersten Satze des Schema Be. kenntnisses ausgedrükt: Du sollst lieben den Ewigen deinen Gott mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Vermögen. Auch der Ausdruck: Kinder Gottes findet sich 5 Buch Moses Cap. 14, Vers 1 E^n^K?h DnX D*3D Selbst Denclts Vcrtnächtniss dass es mit dem Sachen des Glaubens alles frei, willig und ungezwungen sein solle ist ein talmudischer, denn der 7'almud hat den Ausspruch dass die Proselyten ein Aussatz für das Judenthum seien; deun es könne ja jeder, ob Jude oder Nichtjude, wie wir oben gesehen, nach rabbiniBch-talmudischer Ansicht selig werden. Wenn wir aber die Quelle, wenn auch für Denck nicht unmittelbar, kenne» gelernt, Müssen wir Dencli eis einen . der edelste« Kämpfer für wahre Religion hinstellen und Dr. KeRer dafür danken, dass n uns ein so anschauliches und lichtvolles Bild von Hans Denck entwerten. Das Buch empfithlt ich selbst aufs beste. Adrian JBalbi's ÄUgmitine Eräbeselweibung. Ein Hausbuch des geographisefien IV,- •, .-- ' die Bedürfnisse aller Gebitdeten Siebente Auflage. Voltkomnen neu bau bettet von Dr. Josef Chavanne. Mit 400 Illustration«*! und 150 Karten. Tu 45 Lieferungen u 40 Kr. — 75 Pf. — 1 Fre. — 45 Kop. oder in IX Abtheilungen ä 2 fl. — 3 M. 75 Pf. — 5 Frcs. — 2 Ruh. 25 Kob. (Hartleben's Verlag.) Von diesem vortrefflichen Handbuche der Erdkunde sind soeben die Lieferungen 11 bis 16 ausgegeben worden. Den Inhalt dieser prächtig ausgestatteten, ungemein reich illustrirten 6 Hefte (sie ent halten nicht weniger als 28 Vollbilder, 18 halbseitige Illustrationen and 28 Tekstkarten) bildet nächts der Topographie der deutschen Reichende Elsass-Lothringen, hauptsächlich die Staatenkunde der österreichisch-ungarischen Monarchie, womit auch der I. Band des Werlos seinen Abschluss findet. Das geographisch-statistische Bild derselben ist, sowie ein solches in den Rahmen einer allgemeinen Erdbeschreibung passt, ein erschöpfendes. Namentliche Bereicherung haben die Abschnitte über die Bödengestaltung und das Fluss netz, über das Klima, über die Industrie des Doppelstaates erfahren Alle Angaben über die Bevölkerung und Nationalitäten der Monarchie beruhen auf den Ergebnissen der VoRtszählung vom 81. Dezember 1880. Das vollständige Verzeichniss aller Ortsgemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern für Cisleithanien und jener mit mehr als 500 Einwohnern für die jenseitige Reichshälfte bildet eint schätzenswerthe Beigabe und ersetzt fast ein topographisches Lexion. Von grosem Werthe sind die zahlreichen Textkarten, welche zumeist im Maasstabe der Generalstabskarte, jedoch übersichtlicher gehalten, die flauptstädteder einzelnen Kronländer zur Darstellung bringen. An Öestereich-Ungarn schliesst sich das Fürstenthum Lichtenstein und als Nachtrag zum Deutschen Reiche enthält noch der I. Band die ueue Gericht Organisation in den Staaten Deutschlandes. Den H. Baud eröffnet die Landes- und Staatenkunde der schweizerischen Eidgenossenschaft. Dit se Lieferungen von Baibi's Erdbeschreibung werden nicht werden nicht verfehlen, dem ganzen Werke neue Freunde zu gewinnen. „Die Adria" von A. v. Schweiyer Lerclienfeld. Nit 200 Illustrationen, 18 technischen Figuren, 6 Plänen und einer grossen Karte des Adriatiscben Meeres. (A. Hartleben's Verlag in Wien.) In 25 Lieferungen a 30 Kr. — 60 Pf. oder in 2 Halbbänden ä 3fl. 75 kr. — 6 M. 75 Pf. Complet geh. 7 fl. 50 kr. — 13 M. 50 Pf oder in Original-Prachtband 9 fl. — 16 M. 2u Pf. — Dieses von uns mehrfach hervorgehobene, prächtig ausgestattete Werk liegt nun vollendst vor. Die letzten Lieferungen umfassen den Abschnitt ~,— in welchem mit vielem Geschicke solche Themen behandelt werden, die sonst weniger Ueachtung finden -— und ' inen umfangreichen, sehr interessanten Anhang vorwiegend maritimen Inhalts. Es war sicherlich ein glücklicher Gedanke des Verfassers, dem grossen Publicum die ihm wenig oder gar nicht geläufigen Themen, weiche mit der See und dem Seewesen innig zusammenhängen, in ansprechenden Gewände vorzuführen. Wir erhalten in diesem Auhauge umfassenden Aussschluts über den Triester Hafenbau, eine der be deutsamsten hydrotechnischen Leistungen unserer Zeit, über die Arbeiten und das Arbeitsgebiet der Centraiseebehörden, über Schiffbau und Seefischerei und viele andere maritime Angelegenheiten. Unterstützt werden diese Auseinandersetzungen durch u-etFliche Zeichnungen und Pläne. — Wenn wir ein resümirendes Schlussurlheil über das mit Illustrationen überreich ausgestattete Werk gehen sollen,, so mächten wir in erster Linie in glückliche Verschmelzung des historischen und cuiturgeschichtlichen Elements mit dem geographischen, und das feine Gefühl für landschaftliche Detailmalerehervorheben. Nur auf diese Art, durch diese Durchgeisüguug des Stoffes war es möglich, das Interesse des Lesers von Anfang bis