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Das jüdische Centralblatt · 1883-01-15 · 21 (15.1.1883) · p. Seite 246

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
21 (15.1.1883)
Date
1883-01-15
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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246 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. \ »u Ende rege su erhalten. Wodurch siich aber daa Werk auffallend Von anderen Reiaebeschreibung unterscheidet, ist der philosophisch \peculative Ton des Vortrages in allen Angelegenheiten, in denen \sich um die Wechselwirkungen zwischen Schauplatz und Qc -cinchte, zwischen der Scholle und ihren Bewohnern handelt. Man mimmt allerorts wahr, dass der Autor gründliche Vorstudien gemacht kat, jeden Raum der geschilderten Gebiete aus eigener Anschauung kennt, une leine Bausteine'zu einem soliden Bau zusammengefügt sind. Kaulen Fr. Dr. Prof. Assyrien und Babilonien nach den neuesten Entdeckungen. 2. erweiterte Auflage mit 49 Illustrationen, einer Inschrifttafel und 2 Karten. Freiburg i/ Br. Herdersche Verlagsbuchhandlung Preis 4 Mark. 1882. Der Verfasser, rühmlichst bekannt als einer der gründlichsten Forscher der katholischen Theologen, bekundet auch in diesem Buche seine Gründlichkeit, und seinen unermüdlichen Forscherfleiss. Wir haben von Nr. 10 unsere* jädisshen Gmtralblaites angefangen Unsere im Wintersemester 1876 im Wiener Bet hammidrasch gehaltenen Vorlesungen:,, Üt>er den Zusammenhang der neuesten Forichungen auf den Gebiete der Assyriologie mit der Bibelexegese zu - feröffen^liehen begonnen und können um so kürzer über den wesentlichen Inhalt des Buches hinweggehen. So manche Stellen besonders aus der assyrisch babilom3cten Literatur p. 160 würde eine Verbesseraug erhalten haben (siehe mein Centraiblatt p. 200)# linsen Vorlesungen, die im Centraiblatte veröffentlicht sind, beschäftigen sich vorzugsweise mit der heiligen achrift selbst, und suchen zu zeigen, wie das Verständniss der Inschriften ohne dieselbe unmöglich ist. Trotzdem ist Kauien's Buch aufs wärmste jedem zu empfehlen, dem «s nicht vergönnt ist, das assyrische zum Studium machen zu können, denn alle. Schriften Kaulens sind bona fide geschrieben und da« ist fiel. Rabhinawitsch Dr. med. Einleitung in die Gesetzgebung des Talmud Fortsetzung. Aber dasselbe Wort ^£ wieder auf die Heiden bezüglich der Opfer (Tr. Monah 73. Erach. 5). Nach dieser Erklärung fallen die auf Grund dieser Stelle dem Talmud imputirten intoleranten Lehren gegen Andersgläubige, als betrachte er diese nicht wie Menschen ganz weg. Denn, wie oben erwähnt, weist er an vielen Stellen nach, dass der Talmud in Humauitätslehren keinen confessionellen Unterschied macht. Die talmudischen Satzungen zeichnen sich nicht nur vor denen aller alten Völker aus, sondern sie haben auch den Vergleich mit der neuen Gesetzgebung nicht zu scheuen. Manche in unseren hocheivv lisirten Jahrhundert gegebenen Gesetze finden Sieh längst im Talmud. Dahin zählt der Herr Verfasser Einlert. 8 jenes, dass der Übertritt eines Juden' zu einer andern Confession. das Ehebündniss noch nicht löst, sondern nur der Scheidebrief. Die letzten 2. Abschnitte, 237— 265, sind Übersetzungen der Einleitung in die Medicin des Talmuds. In diesen weist der gelehrte Herr Veri fasser nach, dass die Talmudlehrer ausgedehnte und gründliche medicinische Kenntnisse bekunden, als Schüler, des Hip^okrates und Knidiers. Diese kannten garkeine Krankheiten, nur Symptome, aber die Talmud- . lehrer kannten und studirten die Krankheiten auch der der Eingeweide, sowie die heutigen Aerzte thun. Im Talmud ist die Osteologie (Knochenlehre) schon detaillirt ien ganzes pathologisches System, und man findet da verschiedene Theorien in den verschiedenen Zweigen der' medicinischen Wissenschaft, welche man in keinem der hippokratischen Werke antrifft. Unsere jüngern Aerzte, welche mit geringer Ausnahme wenig religiösen Sinn bekunden, mögen folgende Schlussworte des Herrn Verfassers wohl beherzigen: So haben sich die heidnischen Aerzte, welche keinen religiösen Zweck in ihren medicinischen Studien verfolgten alle in ihren Forschungen geirrt, und wussten nie, worin eine Krankheit bestehe; und eben der religiöse Zweck, welchen die Gelehrten des Talmuds verfolgten, hat sie auf den richtigen Weg der Wissenschaft geleitet. Eben so'beherzigenswert sind für die Betreffenden sind folgende Worte des Herrn Verfassers an unsere reichen stolzen Juden, welche die jüdische Literatur nicht unterstützen und Letztere sich so verhalten, nls wenn sie mit dem armen Volke nichts gemein hätten. Wer also sich der jüd. Literatur widmet, der muss von vorne herein gefasst sein, sich der Wissenschaft zu opfern und alle möglichen Entbehrungen zu ertragen, da er weder auf Unterstützung, noch auf einen genügenden Absatz seiner Werke rechnen kann. Und doch sollten sie einiges In teresse zeigen für Werke, welche den so sehr verkannten Talmud zum ersten Male in ein glänzendes Licht stellen. Bisher der Verfasser. Wir fügen zu dieser allgemeinon Lage noch hinzu, dass es besonders jetzt, nämlich seit Erscheinung Dr. Aug. Rohlings Lügenwerkes „Talmudjude" genannt, in welchem der Talmud als ein Werk voll Albernheit, unsittlicher und intoleranter Lehren dargestellt wird, und in er die Juden die Anhänger des Talmud als dem Staate Gefährliche verschrieen (was die Giftpflanze deb so unheilvollen „ AntisemitismusK ist) eä gewiss unsere heilige Pflicht Ist, die Veröffentlichung und Verbreitung solcher Werke möglichst zu unterstützen, die wahrhaftsgetreu ganz das Gegentheil beweisen. Als ein solches Werk können wir dieses auch anderweitig für Fachmänner, wie für I^aien lehrreiche und interessante Buch bezeichnen. Es verdient daher in jeder Beziehung die weiteste Verbreitung, die wir ihm herzlich wünschen. Möge dem Herrn Verfasser und Uebersetzer für ihre vielfältigen Mühen und Opfcr reicher Lohn zu Theil werden! Wer den Baum pflegt, der möge seine Früchte gemessen! fsrael Singer, mutor. EoMiner wnd Religionsprofessor äük Qbfirgymnatiutm >nS, A. Ujheli/.

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