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Das jüdische Centralblatt · 1882-11-20 · 20 (20.11.1882) · p. Seite 237

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
20 (20.11.1882)
Date
1882-11-20
Page
Seite 237 (sequence 9)
Language
German
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DAS JÜDISCHE nDie Adriau von A. v. Schweiger-Lerchenfeld. Mit 20o Illustrationen, vielen technischen Figuren, mehreren Plänen und einer grossen Karte des Adriatischen Meeres. (A. Hartleben's Verlag in Wien.) Dieses von uns mehrfach als besondere gelungen hervorgehobene interessante Werk geht nun seinem Ende ontgegen. Die vorliegenden reich illustrirten Lieferungen schliesen mit dem Capitel Ravenna ab, so dass nur noch Venedig erübrigt. Fast reichhaltiger noch, als die Capitel über Istrien und Dalmatien, gestaltet »ich dieser Theil der eigenartigen Fublication. Wen wir aus dem reichhaltigen Materiale aufs Gerathewohl irgend etwas als besonders gelungen hervorheben wollten, so wären es in erster Linie die prächtigen Schilderungen der alten omantischen Stadt Ragusa, die Bocche mit ihrem Seezauber und der wilden Natur der Gebirgswelt, in welche jene herrlichen Buchen eingerissen sind; ferner Korfu, die Phäakeninsel, von der der Verfasser sagt: „ein solches Bild mit seiner Mischung von Grazie und ernster Pracht will bewundert — nicht beschrieben sein". . . : Mit dem Hinübergreifen der Schilderungen auf den italienischen Küstenrand der Adria tritt der grosse Scenenwechsel ein. Es ist eine andere Welt, und zwar eine weitaus besser gekannte, als jene im Osten des „blauen Meeres". Da der Verfasser — der Tendenz des Werkes gemäss — sich streng an die Küstenroute gehalten hat, vermied er mit vielem Geschick die gefährliche Klippe, die sich jedem Schilderer Italiens naturgemäss gegenüber stellt. Auch hier, von Brindisi in Apulien, bis hinauf nach dem grabesstillen Ravenna, ist das Meer die Hauptsache, das Land gemeinhin nur der herrliche Rahmen zu demselben. Vergangenheit und Gegenwart bewegen sich über die sonnige Wasserfläche. Die Geschichte hat ihre Marksteine an die Gestade gesetzt und gemahnt den Leser an die Etapen, welche das Völkerleben aller Zeiten an der Westküste der Adria genommen. Mit den nächsten drei Heften schliesst die malerische Schilderung des Werkes ab und folgt ein umfangreicher, illustrirter Anhang mit rein maritimem Inhalt, der dem Werke somit auch dauernden sachlichen Werth verleihen wird. Prof. J. N, Sepp und Dr. Bernhard Sepp. Die Felsenkuppel, eine justinianische" Sophienkirche und die übrigen Tempel Jerusalem'*. Verurtheilung des altarabischen Ursprungs der sogenannten Omarmoschee durch das Architecten-Schiedsgericht in München mit einem Preisoffert von 3000 Piastern für den gegentheiligen Beweis München 1882. M. Kellerer's Verlag (F. de Crignis) Preis 3 Mark. XXIV und 176 Seiten. Was der Verfasser bewiesen haben will, dass nämlich die sogenannte Omarmoschee nicht altarabischen Ursprungs sei, ist ihm gelungen; und es dürften in der That nur hartnäckiger ode in ihre Systeme verraunte Männer sein die nach den vorliegenden Bew eisen eine gegentheilige Ansicht äussern, obzwar Prof. S. 970 selbst (p. 136) den kühnen Ausspruch that: Der Lehrbursche (Mohamedanerl hat hier immerhin den Meister (Christen) überflügelt oder der Zufall wieder des Staunenswerteste geleistet. Prof. Sepp hat, und das mass betont werden, mit der grossten Aufrichtigkeit alle gegen ihn erhobenen Einwürfe sowie auch seine Antwort darauf mitgetheilt und dadurch jeden Leser zum Schiedsrichter aufgestelt; und wahrlich er hat all diess nicht zu seinem Nachtheile gethan. Dass aber mit dieser Arbeit auch einiger Judenhass, wenn auch nicht gegen das so moderne doch gegen das alte Judenthum mitgeht, hat uns um so unangenehmer berührt, als die endgiltige Abfassung dieser Achrift geschrieben wurde, um den Kummer zu zerstreuen nachdem eben meine Lebensgefährtin seit 30 Jahren, die Mutter meiner Kinder aus der Wnlt geschieden sei (p. 152 Anmerkung ') Man sollte meinen, dass der Tod eines so theueren Wesens, wie eine 30 jährige Lebensgefährtin ist, eine reinigende und versöhnende Kraft besitzt; aber so mächtig ist das Vorurtheil, dass es selbst dadurch nicht besiegt wurde. So erwähnt der Autor schon in der Einleitung p. IX die jüdische Eitelkeit des Josephut Flavias. Seite 88 worden wir mit dem CENTRALBLATT._ 237 Ausdrücke rabbinischer Foselei abgefertigt, obwol der Herr Ver fasser nochrecht viel von dieser rabbinisehen Faselei ('p^'-J HFTtT) lernen könnte. l) Er würde z. B. erfahren haben, das sdie Erzählung des Schees oder Mutesellim p. 96. eine altjüdische sei und sich schon in Ben - schit Rabba vorfinde. Doch Bind auch sonstige Ungenauigkeiten nicht selten. Seite XIX lesen wir. wie sehr Prof Sepp es bedauert, dass der in der Wissenschaft wie, im Staatsleben hochstehende Graf Melchior Vogue noch am 20. Dec. 1874 in seinem Aufsatze Journees äv voyage en Syrie schreibt: La mosquee d'Omar est le chef d'oeuvre le plus accompli de Jart arabe (Revne de dein mondes 1875 p. 83.) Nun wir wollen und können Herrn Prof. Sepp trösten, dass diess nicht der berühmte Archaeolog Graf Melchior de VoguÖ, sonder., dessen Neffe ist den ich in Paris im Deutschen zu unterrichten die Ehre hatte, und von dem ich selber die betreffende Numer der Revue des deux mondes erhielt. p. 88 lesen wir die Äusserung, die dem grossen Abrabanel zugeschr'eben wird, was gleichfals nicht wahr schon 3 Jahrhund früher schrieb diess Rabbi David Kimhi und Rabbi Levi ben Gerson gewöhnlich Jialbag genannt; gelegentlich wollen wir den störenden Druckfehler X. Kor. (was man für Korinthier halten köni.tc) statt I Körige erwähnen. Ueber den HTTC? |DK vergle*che man me*fl Jüdisches Centraj. blatt Nr. 7. p. 82 unter dem Titel: Der Stein Alatyr in den Lokal sagen Palaestinas uud Prof Jagiö Archit für slav. Philologie 188^. p. 33-73; auch ist die Aussprache Eben Schatja; wie Prof. Sepp, schreibt, falsch, es muss heissen Eben Schetijah, fern er ist das literarische Stück, das am 4. Tage des Halbfestes p*^ n^nDfi -i«P»m des Laubhüttenfestes gesagt wird zu vergleichen. In p. 89 zur Stelle ^pftl HJOr^n ^DD ißt m€'n Jüdi8ch<>s Centralblatt Nr. 18 p. 122 a zu vergleichen. Zur Schicksalsschwester Luzza die bei Betlehem gewese n s ein sol ist die bibliBche Stelle Genesis XXVHI Yers 19 H^I^KlS TJ?H Dtt? D^*iO von hoheni Interesse. Es zeigt nämlich dass Jakob die reine Gotteserkenntniss erreicht und die Macht der Schicksalsschwestern als null und nichtig erkannt, p. 106 finden wir eine willentliche Verdrehung der Wahrheit; denn nicht Christus, sondern König Salomo ist es, der im I. Buche der Könige Vin sagt dass das Gotteshaus ein Bethaus für alle Völker sei. Ja noch mehr, König Salomo erfleht, dass das Gebet des Niehtisrat liten früher, und auf jeden Fall erhört werden möge, damit der Nichtisraelite der Macht Gottes inne werde. Das Wort ruinös ist zum mindesten sehr gewagt. Seite 162 bietet eine interessante Parallele zu Exodus Cap. 13, Vers 21 und 22., wonach eine Wolkensäule des Tags und eine Feuersäule des Nachts den Israeliten leuchtete, der Umstand nämlich, dass nach Mokadassö an der Meeresküste von Palaestina eine Kette von Wachposten errichtet gewesen sei, um die Annäherung byzantinischer Schiffe zu signalisiren. Bei jedem besteht eine Menärah. auf welcher im Notfalle bei Nacht Feuer, bei Tag Rauch angefacht wurde, um die Nachricht weiter zu telegraphiren. Möglich immerhin, dass ^72! pj?n ^urcÄ Hauchwolke zu übersetzen ist. Diess mniere Bemerkungen zu dem vorzüglichen Buche, da* wir hiemit jedem Bibelforscher aufs wärmste empfehlen. ') Den Gipfelpunkt aber erreicht der Satz: Vergegenwärtigen wir uns den weisen Richterspruch de» Sohnes David's, wo ureh er die wahre Matter des streitigen Sohnes inne wird, gegenüber der Rabenmutter, die ihren Sprössling erdrückt hatte, so liegt darin ein prophetischer Zug. War es nieht die Tochter Ziou, die ihren Sohn mit den Stricken und Schlingen des Mosaismus immer enger fesseln und wie vor Affenlieb« «um Gwetae erwürgt« <p. 59)

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