Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 20 (20.11.1882)
- Date
- 1882-11-20
- Page
- Seite 233 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 233 Spruche: „Durch drei Dinge hat die sittliche Welt Bestand; Durch Wahrheit, Rechtspflege und Frieden, also Wahrheit Rechtspflege, und Frieden sind die Grnndprizipien der Ethik im Jüdenthume. Sie sind die grossen Pulsadern des israelitischen Lebens, „Wahrheit. Die Wahrheit und die darausfliessende Wahrhaftigkeit ist die erste Säule, worauf die moralische Welt besteht. In den biblischen und talmudischen Schriften wird die Wahrheit in ihrer grossen Bedeutung und Wichtigkeit als Grundbedigung der Ethik aufgestellt. Die Lüge ist nach dem Geiste der jüdischen Religion nicht nur eiue Entwürdigung seiner selbst, sondern eine Entheiligung vor Gott, weil Gott selbst die Wahrheit ist, wir müssen Gott nachahmen, ist das höchste Gebot der jüd. Religion: Ihr sollt dem Ewigen euren Gotte nachwandelndaher ist es eine grosse Sünde, wenn wir durch l'nWahrheit uns herabwürdigen, so wie dem Ewigen falsche läppen ein Gräuel ist, so muss der Mensch Falschheit und Lüge verabscheuen. In der feierlichten Weise befiehlt die mosaische Religion: Von jeder Lüge halte dich fern (2 L M. 23, 7).) „Ihr sollt nicht belügen Einer den Andern (3. L. M. 19.11. Was deine Lippen ausgesprochen, das musst du halten, (5 L. M. 23. 24). Die Profeten werden nicht müde zu lehren, dass mann die Wahrheit liebe und die Lüge hasse dies sind die Dinge, die ihr thun sollt, redet Wahrheit Einer mit dem Andern, nach Wahrheit und Gericht des Friedens richtet in eueren Thoren und sinnet Keiner das Unheil des Andern im Herzen, und falschen Schwur liebet nicht; denn alles dies hasse ich. spricht der Ewige (Saharja. 876. 179) Als das Volk fragte, ob es noch im fünften -Monate wegen der Zerstörung Jerusalems fasten soll, da es doch alle Cermonialgesetze genau und streng beobachtet, da antwortete der Profet Zacharias: Nur wenn ihr die Wahrheit und den Frieden heben werdet, werden die Fasttage zu Freuden- und Festtagen werden, ohne die Ausübung der Wahrheit und des Friedens nützen alle Befolgungen der Gebote nichts (Secharj. 8 19). Alle Profeten verkünden das die messiani&che Zeit nur dann sein wird, wenn das Reich der Wahrheit gegründet sein wird, freie Wahrheit bedingt wahre Freiheit, es kann die vollkommene Freiheit, nach dein Geiste der Profeten nicht eher und bestehen, wenn nicht die Wahrheit sich allgemein verbreitet hat. (ll) Die Profeten waren nicht nur Lehrer, sondern auch Märtyrer der Wahrheit; der Spruch Mendelssohns in seinem Briefen Abbt: Wahrheit, Wahrheit, die sich in dich verlieben, sind die geplagtesten Geschöpfe. Mit Steinen muss mann dir nach werfen7 wenn man vergnügt sein will hat sich oft bei den Profeten, welche im Dienste der Wahrheit standen, bewährt, Synh. 63. b. (12) Die Wahrheit wird euch freimachen; mit diesen Worten beantwortete der griechische Philosoph Anaxiniander von Milet die Frage einiger athenischer Jünglinge nach den besten Wege zur geistigen und politischen Freiheit. Auch der Psalmist sagt: Wer Wahrheit spricht in seinem Herzen, darf auf dem heiligen Berge ruhen (Psalm. 15. 2). Salomon sagt: Wer Wahrheit spricht verkündet. Recht (Sp. 12. 17) und so findet man auf vielen Seiten die Wahrheit als eine Kardinaltugend und als ein Grundprinzip der Ethik im Jüdenthume ausgesprochen. (Fortsetzung folgt)'- Moderne Bibelkritik 0) j Die eigentliche Bibelkritik ist so alt wie das Bibelstudium selbst. Dem 17. Jahrhundert erst war es vor- | behalten destruetive Bibelkritik zu treiben, und als ihr I Vertreter darf der OratoriaUer Richard Simön (1638-1712) bezeichnet werden. Seine Histoire critrque du Texte, des Versions et des Commentateurs du Vieua Testament Paris 1678 ist für neuerungssüchtige Bibelkritiker fast ein Heiligthum geworden. Als ob nicht viel wichtigere Aufgaben der Bibelforschung harrten, als jedes Cap tel in unzählige Theile zu zerlegen und zu zerfleischen: man macht es sich allerdings auf diese Weise leicht mit der Erklärung indem man den Knoten durchhaut. Aber auf diese W3;se geht der Geist in die Brüche, wo dem todten Buchstaben so viele unverdiente Aufmerksamkeit zu Theil wird. Es erinnert mich * diess stets an die lehrreiche Sage, dass die Töchter des Pelias ihren alten Vater zu ver. j jüngen trachteten dadurch, dass sie ihn in unzählige Stücke; zertheilten. Auch die Talmudisten haben Bibelkritik ge- | trieben und ein grosser Theil des Talmud ist erste und I rechte Bibelkritik. Wie vieles könnten die neueren For- I scher daraus lernen. Eine Menge Fragen, die die heuj tige Bibelkritik als tieü aufstellt, sind von dem Talmud i gestellt und gelöst worden. Wie so das Pässah und Laub: | hüttenfest bald als 7 bald wiederum als 8 tätig hinge-! stellt wird, wie manche scheinbar sich widersprehende i Ansicht im Grunde denn doch in einer höheren Einheit! sich versöhne, all diess hat den Talmud ernst beschäfi tigt. Es wäre wahrlich eine weit lohnendere Arbeit als j Hypothese-auf Hypothese zu häufen, wenn man die Bibelkritik des Talmud einmal systematisch zn bearbeiten versuchte. Die nächste Veranlassung hiezu bot uns das von L. Hor.it erwähnte Buch über das Verhältniss von Leviticus XVII—XXVI zu Hezekiel. | Zwei schwerwiegende Punkte sind es ganz besonders, die wir an dieser Arbeit zu rügen haben. Zuerst ist es das hohe Gewicht, das der Septuagintübersetzung beigelegt wird. Es gibt sicherlich nichts Verkehrteres als den Wortlaut des Pentateuch's mit Hilfe i; : (l) Leviticus XYII-rXXVI und Hezekiel. Ein Beitrag zur Pentateuchkritik von L. Horst Lic. theol. Colmar. Verlag ton Eugen Barth 1881. 96 Seiten 8 .