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Das jüdische Centralblatt · 1882-11-20 · 20 (20.11.1882) · p. Seite 232

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
20 (20.11.1882)
Date
1882-11-20
Page
Seite 232 (sequence 4)
Language
German
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232 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. söhnungstag sühnen, Vergehungen gegen den Nebenmensehen sühnt der Versöhnungstag nicht, bis man demselben volle Genugthung gewährt hat. (5) Auf halachischem Gebiete finden wir die gesetzliche Entscheidung Raba's, des berühmten babylonisehen Amora, dass derjenige, welcher ein religiöses Speiseverbot übertreten, doch ein glaubwürdiger Zeuge ist, weil er durch ein Vergehen gegen Gott noch nicht der Schädigung der Nächsten; durch falsches Zeugniss verdächtig ist, weil das falsche Zeugniss eine schwerere Sünde ist als das religiöse Speiseverbot. Aus manchen Aussprüchen der MischnahLehrer geht hervor, dass sie dem Ethischen nicht blos eine bedingte, vom Religiosität abhängige Bedeutung beilegen ihm viel mehr absolute Geltung zuschreiben, daher auch an den Heiden und Götzerdiener anerkennen im Gegensatze zu dem Kirchenvater Augustin, der die Tugenden der Heiden als splendida vitia glänzende Laster bezeichnet. So bemerkt R. Gamliel zur Spr. Salom. 14. 34. Gerechtigkeit erhöht ein Volk, das deutet auf Israel, Wohlthätigkeit ist die Sühne der Nationen, auf die anderen Völker. (7) Ebenso bemerkt öifra zu dem Psalmvers (118, 20). Dies ist die Pforte des Ewigen, Gerechte treten da ein, es heisst nicht Priester. Lewiten und Israeliten, sondern nur Gerechte. Welchen superioren Werth unsere Rabbiner auf die Ethik legen, erhellt aus folgender Stelle? Das mosaische Gesetz enthält 613 Gebote, führte David (Psalm 15) auf elf zuriik Wer redlich wandelt, Recht ausübt, vom Herzen Wahrheit redet. Mit seiner Zunge nie verläudmet nie seinem Nebenmenschen Böses thut, nie seinen Nächsten schmähet. Verächtliche nicht achtet, die Gottesfurchtigen ehrt, zu seinem Schaden schwört, und hält. Wer ohne Wucher Geld verleiht, und Unschuld unbestechlich schützt wer dieses tbut, wird ewig bleiben. Jesajas fasst sie in sechs zusammen, er sagt Cap.. 33. 15: In Gerechtigkeit wandeln, Redlichkeit sprechen, den Gewinn von Erpressungen verschmähen. Eine Bestechung annehmen, das Ohr verstopfen, um nicht Bluttath zu hören, die Augen veschliessen, um nicht Schlechtigkeit zu sehen. Micha in drei: Er hat dirkund gethan, Mensch was gut ist, und was fordert der Ewige von dir, als Recht tbun, Liebe zur Milde und demttthigen Wandel mit Gott deinem Herrn. Der zweite Jesajas führte sie auf zwei zurück, er sagt K. 56. 1: Beobachte das Recht und über die Tugend. Endlich fasste ein Habakuk sogar in den einen Auspruch zusammen: Der Gerechte lebt durch seine Treue (2. 4) daraus ist zu ersehen, dass unsere Rabbinen die ethischen Gesetze als Prinzipien der Religion auffassen. (») Jörn* K. 8. Mitchiuh 9. (6) Syohed. 27. a. O Pmtkift 11. b. (*) Sifre u L«t. 18b. (•) End« Makota. Dass Israel auserwählt wurde, die Lehre zu erhalten, | geschah, nach den Worten der Rabbinen, nur deshalb i weil es sittlich war. Gott offenbart sich auch dem klüg- ■ sten Volke nicht wenn es in Sinnlichkeit versunken ist, | so erzählen sie: Bevor Gott seinem Volke die Lehre \ offenbarte, wandte er sich an die Nachkommen Esaus mit der Frage: Wollt ihr die Lehre empfangen? Was I steht in ihr geschrieben? versetzten sie. „Du sollst j nicht morden. Nun, antworteten sie, dieses Gebot können j wir unmöglich befolgen, das Schwert ist das Erbtheil, | das unser Erzvater uns vermachte. Dann wandte der Ewige; sich an Amon und Moab; doch kaum hatten diese das Wort vernommen. Du sollst nicht ehebrechen, als sie erj wiederten: Schon unsere Abstammung spricht dagegen (Genes 19. 30. 38). Sodann wollte Gott den Nachkommen Jismaels die Thora gegen, als sie aber das Verbot hörten: Du sollst nicht stehlen, riefen sie, in Raub und Diebstahl besteht seit unseren Urahn der Verker unsers Lebens. Endlich offenbarte er sich Israel und es rief einmüthig. Alles was der Ewige verkündet, wollen wir thun und befolgen. (l0) Der ethische Charakter des jüdischen Volkes war die Vorbedingung zum Empfange der Offenbarung wie anderseits der Talmud von den zum Heidenthume abgefallenen Israeliten richtig sagt: .Ihre Unsittlichkeit war die Ursache, dass sie dem Götzendienst sich zuwandten. Die Religionen, wie sie bestanden und wie sie noch bestehen, haben stets Kardinaltugenden aufgestellt, nur die Budhaisten gehen, im Folge ihrer tiefern, ethischen und methaphysischen Einsichten, nicht von Kardinaltugene den, sondern von Kardinallastern aus als deren Gegensatz aller, erst die Kaidiualtugenden auftreten. Die Budhaistischen Kardinallaster sind: Wollust, Trägheit Zorn und Geiz. Die Kardinaltugenden oder die Kerninhalt der Lehre wurden in einem Wahrspruch in einem Losungsworte ausgesprochen. Der Jnder in dem Worte: „Auom." Nichts das stille leere heilige nichts der göttlichen Ruhe; dahin soll man den Geist versenken. Der Perser stellt das Hauptgebot des Ormuzd in den Worten: Das Licht, es wird damit ausgedrückt im ewigen Kampfe des Lichtes mit der Finsterniss hat man für die Stärkung des Lichtes zu sorgen, denn das Licht ist das Leben. Der Chinese drückt seine Kardinaltugenden, die ihm sein Foti befiehlt in Ordnung Mass weil nur durch Ordnung besteht die Welt, daher hat man Mass und Ordnung in allem zu halten. Der Islam hat sein Losungswort „Allah ü lllahu Allah allein ist Gott und Muhamed sein Prüfet, hieran soll man glauben und sich seinem Geschick ruhig unterwerfen. Der Wahrspruch des Chrisenthums ist: Glaube, Liebe, Hoffnung, nur sind diese nicht Kardinal sondern Theologal-Tugenden. Das Judenthum drückt die innerste Wesenheit den Charakter die Lehre und das Gebot der Religion in dem (,0) IIechilta ro Tithro.

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