Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 20 (20.11.1882)
- Date
- 1882-11-20
- Page
- Seite 231 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/9620166-9626018-9625390--242-9625393- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 231 des nicht genossen werden durfte und entweder einem Nichtägypter verkauft oder in den Nil geworfen werden musste (quali aggiungono aneora che la testa del bue rosso immolato era venduta ai mercanti greci dove questi esistevano, o in caso diverso gettata nei Nilo. (nj Man wird nunmehr autm die talmudische Discussion über die Bibelstelle dem Fremden sollst du es geben oder „dem Ausländer verkaufen" begreifen. Dass die Talmudisten mit all diesen Ansichten aufs innigste vertraut waren, erhellt zur Genüge aus Chulin 114 b ff. und man dürfte nach und nach zur Ueberzeugung gelangen, dass es nicht bloss Spitzfindigkeiten, und Sophistereien waren, welche die langen Discussionen im Talmud verursachten, sondern das* vielmehr, ehrliche und aufrichtige Streben die Halacha haöh besinn Wissen und Gewissen den Anforde.rungen. den Zeit und ie'r Wßsßensch oft an zu süss an. (Fortsetzung folgt). Grundprinzipien der Ethik im Judenthume, Die Talmudisten sprechen es unzähligemal aus, dass die Befolgung der ethischen Gesetze den Kernpunkt in der jüdischen Religion bildet. Simon ben Asai (l) rufet einer das göttliche Hecht des Menschen verhöhnenden Zeit zu: Dies ist das Buch von dem Ursprünge des Menschen, ist der grösste Grundsatz in der Bibel, in diesem Satze wird die Abstammung aller Menschen von einem Menscbenpaare ausgesprochen, und dieser Glaube ist die Quelle der allgemeinen Menschenliebe und Gerechtigkeit. Eabbi Akiba sagt: Das Gebot: Du sollst lieben deinen Nebenmenschen wie dich selbst ist die Grundlage aller Verpflichtungen des Gesetzes (2) Rabbi Hilei sagt auch, dass die Menschenliebe der Kern der Gotteslehre ist, er fügt noch die Worte hinzu: Was dir unlieb ist, thue auch deinem Nächsten nicht, dieses ist der Inhalt der ganzen Gotteslehre alles Übrige nur die Auslegung (3j. Also die Nächstenliebe das Grundprinzip der Ethik ist der Geist, der Charakter der jüd. Religion. In allen ihren Sagen und Erzählungen, in allen ihren Lehren und Satzungen, in allen ihren Geboten (l0) So berichtet auch Herodot Cib. II. cap. 39; Plutarch jedoch berichtet, dass der abgehauene Kopf in den Nil geworfen wurde und weiss nichts von der Sitte, dass der Kopf verkauft werden dürfte (De Iside et Osiride cap. 31) Tfj jxcv xe^ocXf, ioxj tspsLcu xaxapsaa^evoi Katdtao xo'jtavxes ck Tcv itotafiov isoirrouv icaaa:, vOv 5e toc; fivöt? aTcoÖi^ovxa: Hier wiederum weiss Plutarch nur zu berichten, doss der Kopf verschenkt wurde. ('; Midrasch Rabba zu Bereschith. (») Daselbst. — (?) Schabbath 30. b. | und Verheissungen ist das der innere Sinn undGedanke^ j die Menschen zu einigen und verbinden. Das Übrige ist i tie Handhabe, an der der Geist zu fassen ist, die Deu- | tung Erklärung. Es verdienen hier die inhaltsreichen Worte des verewigten Dr. L. Lazarus in seiner Arbeit: Zur Charakteristik der talmudischen Ethik reproducirt zu werden (*). Er sagt in Bezug auf den angeführten Satz Hlilels folgendes : In neuerer Zeit ist über die Priorität dieser Lebensregel viel gestritten worden. Graetz (Geschichte II], 209) j sagt: Dieser Grundsatz edler Menschenliebe, der später | als eine neue Offenbarung von den Heiden begrilsst wor- | den ist, stammt sicherlich von Hillel; denn er ist ein Aus- ' fluss seines reichen menschenfreundlichen Gemüthes und wird durch andere Sprüche die sich von ihm erhalten haben, bestätigt. Tobias 4. 15 ist jünger als Hillel Andere behaupten Hilleis Antwort sei ihrem Hauptsatze nach j griechischen Ursprunges. Wie Jost (Geschichte des Judenthums 1. Seite 250) bemerkt, findet Erasmus den Gedanken schon im Homer. Wie es scheint, hat mann aber ganz unbeachtet gelassen, das der Kern des Gedankens schon in der Schrift enthalten ist Exod. 23. 9. Du sollst | den Fremdling nicht bedrücken; ihr wisset ja wie dem I Fremdling zu Muthe ist. da ihr Fremdlinge wäret im : Lande Mizraim was doch keinen andern Sinn haben kann als: Da euch die drückende Behandlung in Egypten mistallen hat, so dürfet ihr sie auch gegen einen andern Fremdling nicht üben; der fragliche Satz erweitert also nur zu einer allgemeinen Lehre, was die Schrift von ei-; nem besondern Fallle sagt. Ganz umbegründet ist Jost's I Behauptung einer Verschiedenheit in der Grundans:cht von I dem Kern der jüd. Religion, indem Schammai denselben I lediglich in der strengen Gesetzübung erkannte, während i Hillel in dem sittlichen Grundsatz: Was dir nicht lieb ist, thue auch anderem nicht suchte, welchem das'Gesetz nur zur Erläuterung und Stiize dienen. Dieser Streit zwischen Gesetzübung und Moral ward nachher umgewandelt in Gesetzübung [Petrus] und Glauben [Paulus]. Allein . weder an der citirten Stelle Schabbath 31. a noch sonst irgend I wo in den talmudischen Quellen ist von einer solchen I Verschiedenheit in der Grundansicht von Wesen der Religion : etwas zu entdecken. Wohl steht es fest, das Schammai und seine Schule in ritualgesetzlicher Hinsicht rigoristischer waren als die Hillelische, aliein sie waren es auch in sittengesetzlicher, wie z. B. in der Forderung der strengsten Wahrhaftigkeit ohne Conveniez für die Formen der Höflichkeit, ohne Accomodation der ethischen Theorie an I das Leben [Ketubot 17. a] in der Einschränkung der Scheidung auf den Ehebruch [Gittin 90 a] und in manchen andern Punkten. Zum klaren Beweise, dass die Rabbinen die Sittengesetze höher achteten als die Ritualgesetze, ist dass sie lehrten: Vergehungen gegen Gott kann der Ver- (4) Charakteristik der Ethik im Talmud von Dr. Lazarus S. 10.