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Das jüdische Centralblatt · 1882-10-16 · 19 (16.10.1882) · p. Seite 224

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
19 (16.10.1882)
Date
1882-10-16
Page
Seite 224 (sequence 8)
Language
German
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224 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. ehrten, klingt Euch nicht diese Erzählung wie ein alces Märchen aus längst verschollenen Zeiten? Und doch hat die Gegenwart, das so vielgerühmte 19. Jahrhundert eine Erscheinung aufzuweisen, die mit jenem altegyptischen Cultus eine gar erstaunliche Ähnlichkeit hat. Da hat die Civilisation und die edle Gesinnung unseres fortgeschrittenen Zeitalters Thierschutzvereine ins Leben gerufen; die Thierquälerei wird gesetzlich bestraft und für die Speisung der Vögel an den rauhen kalten Wintertagen wird aut eine gar zartfühlende Weise Sorge getragen, während man mit kaltem Blute und mit abgestumpften Gefüllte einen Greis unter der schweren Bürde seiner Last dahinkeuchen sieht und einen von harten Schickssalschlägen heimgesuchte Familie, zumal eine semitische, zu Grunde gehen lässt. Vier Briefe des Rabbiners Marco Luzzatto aus S. Daniel für die aus S. Daniel vertriebenen Juden geschrieben, (l) Zu Euch Ihr Männer, Ihr Häupter, thatenreich und vielvermögeud erhebt sich die Klagestimme der leise flehenden, der Armen dürftigen um Hilfe und Mitleid, denn ohne ein Unrecht zu begehen hat man ihnen Fallstricke bereitet und böswillige Leute kamen und vertrieben sie, trennten sie von ihrem erworbenen Eigenthum und von dem wenigen, das sie zerstreut und vereinzelt innehatten, dass sie Verstössen und schon bei Lebzeiten die Qualen der Hölle erleiden müssen, indem sie des Tags der Gluthitze und des Nachts dem Frost ausgesetzt sind, ohne Speise und ohne Trank, und ihr Leben ist furcht, und angsterfüllt, denn gegen die Kälte sind sie schutzlos, ohne Obdach, und wo ist ein Bethaiis sich zu vereinigen wie früher des Abends Morgens und Mittags um darin zu beten und an den Sabbaten und Festtagen, die in kurzem sein werden; Schande bedeckt ihr Antlitz, Weinen und Seufzer, Ach und Weh, Druck und Drangsal, ein Wehklagen vernimmt man bei den Söhnen Zijon's, ach wie sind wir geplündert worden, sind beschämt, denn verlassen mussten wir den heimatlichen Boden, umgestürzt hat man unsere Wohnungen. Gelobt sei der gerechte Richter der uns mit der linken Hand des bösen Semael (S^ED)- des Schutzgeistes Esau's übergeben und und uns genähert hat der rechten Hand desJenuni, dessen Rechte ausgebreitet ist für alle Dürftigen, Bedräng- (') Der unermüdliche Dr. Isaja Luzzatto war so gütig, mi r mehrere Mauuscripte in hehräischer und italienischer Sprache von seineu gelehrten Ahnen, der Familie Luzzatto angehörig, einzusenden und zur Veröffentlichung zu überlassen, und wollen wer nach und nach dieses Material bearbeiten und veröffentlichen die hier mitgetheilteBriefe sind hebräisch und von der Redaction ins Deutsche übergetragen. ten, dessen Name weit bekannt ist Mordechäi Halevi, angesehen am Hofe, am Hofe, des Königs der Welt, der seiner Sache sicher, sich vor Königen stellen kann, dem mächtig ist sein Verstand; heil dem Geschlechte^ das einen solchen Mann besitzt und er hat seine Gnade und Güte uns nicht entzogen, er gönnt seinen Augen keinen Schlaf und seinen Wimpern keinen Schlummer, bis er für uns einen Freibrief und die Erlaubniss erhalten, sich in den Freistädten des Kaisers aufzuhalten und nun haben Euere Knechte Gunst in Eueren Augen gefuuden, die Ihr wie er ein Herz habet, wahrhaft gutes zu thun und Eaere Gnade gieng so weit, uns Schutz zu gewähren vor Sturm und Wetter; wir aber sind nicht im Stande Wohnungen für uns und für unsere unzähligen armen Nachbaren zu miethen, den Gott hat uns vernichtet und Wermut gereicht und irrend, und elend alles Geldes beraubt in die Fremde getrieben und wir wissen nicht ob die Ausgabe für uns nicht zu gross wird, und die Wahrscheinlichkeit ist leider zu gross, dass wir unseren guten Willen nicht ausführen werden, unsere armen Brüder zu unterstützen; denn Jammergeschrei ertönntim ganzen Umkreise, so ist es an Euch, Ihr Priester das Werk das ihr begonnen zu vollenden, lasset nicht ab davon und wegen des Heiligen Israels des Barmherzigen und Gnädigen, der die Fremden liebt, ein Vater der Waisen und deren Richter ist, thuet es. NOTIZ. Am Simchath-Thorafeste feierte Dr. Adolf Jellinek seine 25 jährige Wirksamkeit als erster Prediger der Wiener Cultusgemeinde. Und in der That ist es für die Thora selbst die grösste Freude, dass der im 62. Lebensjahre stehende Gelehrte noch heute mit jugendlicher Rüstigkeit erfolgreich thätig ist. Dr. Jellinek's Verdienste um die jüdische Kanzelberedsamkeit sowohl, als um die jüdische Literatur wird die jüdische Literaturgeschichte verzeichnen. Dem Redacteur dieses Zeitschrift sei es gestattet, seinem hochverehrten Gönner ein herzliches "pKSI *ptt^Dl zuzurufen!

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