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Das jüdische Centralblatt · 1882-10-16 · 19 (16.10.1882) · p. Seite 221

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
19 (16.10.1882)
Date
1882-10-16
Page
Seite 221 (sequence 5)
Language
German
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 221 ten, nachdem sie Gott auf tibernatürliche Weise gerettet, diesem höchsten Wesen keinen Dank zollen, sie sollten das schändlichste Laster des Menschen, das ihn seiner Menschenwürde beraubt, die Undankbarkeit sich zu Schulden kommen lassen? So tief m. a. Z. ist die menschliche Natur nicht gesunken, ist das israelitische Gemüth nie verkommen gewesen, dass wir ihm solches zumuthen dürften. Allerdings müssen wir eingestehen, dass Israel, wenn es längere Zeit im Wolergehen lebte, seines Gottes vergass und fremden heidnischen Göttern nachhieng, aber nicht etwa, weil es diese nichtigen Götzen nicht als solche ,als ohnmächtig erkannt, sondern um durch die Gemeinsamkeit des Opfers und Götzendienstes vertrauteren Umgang mit den Heiden selbst pflegen zu können. Dass solches aber sich stets tief und bitter rächte, das m. a. Z, kat die Geschieht" stets gelehrt, die Geschichte hat uns gelehrt, dass mit dem religiösen Verfalle Israels auch der sittlich», Hand in Hand gieng, und dass desssen scheinbarer Wolfahrt gar bald ein jäher Sturz folgte weil-folgen musste. Denn m. a. Z. wenn Gott der Herr nicht das Haus erbaut, dann ist jede Mühe und Sorgfalt vergebens, wenn nicht Religion und Sittlichkeit, das göttliche im Menschen die Stützen eines Gemeinwesens sind, dann muss in Trümmer gehen, wenn es auch noch so fest begründet zu sein scheint, Griechen und Römer, wie unerschütterlich schien ihre Macht, Kunst und Wissenschaft, alles was das Leben erheitert und verschönert, war in der höchsten Blüthe bei diesen Völkern vorhanden und entwickelt; aber Religion und Sittlichkeit waren aus ihrer Mitte geschwuaden, und sie mmsten den irdischen Schauplatz verlassen, um anderen Völkern den Platz zu .räumen. Wenn Israel aber heute noch lebenskräftig ist, so hat es diess dem Umstände zu verdanken dass es treu im Herzen bewahrt hat das Wort und dessen eingedenk war, dass Gott in Hätten hat wohnen lassen ihre Vorfahren, dass nicht Prachtbauten zum Leben nothw^endig, dass nicht sie den Wert des Lebens bilden, dass vielmehr alles irdische einer Hütte gleich unstät und nicht von Dauer ist. Denn m. a. Z. einer Hütte gleich, die der geringste Sturm aus ihren Fugen bringen und vernichten kann, ist unsere Kraft und unsere Macht, unser Ruhm und unsere Grösse. Dem Schatten gleich sind unsere Tage auf Erden, unstät und fluchtig und diess soll uns das Hüttenfest zum lebendigen Bewusstsein bringen. Ja, in Hütten Hess Gott unsere Vorfahren wohnen und haben sie etwa trotzdem nicht gottgefällig und menschenwürdig gelebt? Haben sie nicht dem göttlichen Namen und dem Namen Israels Ruhm und Glanz verliehen trotzdem sie kein festes Gemäuer umgib, trotzdem nicht Gold und Silber in ihren Wohnungen vor, und nicht Seide und Prachtgewänder ihren Körper umgaben. Blicket nur in die Jahrbücher der Geschichte und sehet wer die bahnbrechenden Geister auf dem Gebiete des Denkeas und Fühlens waren, wer anders waren es, als jene unsere Glaubensgenossen, die dieses Leben als ein Hüttenleben betrachteten, die gleich König David ausriefen, dass wir nur Fremdlinge sind auf Erden, die dankend den Schutz einer Eintagshütte annehmen, da doch ihres Bleibens ohnehin in dieser Hütte nicht ist, nicht sein kann, ja auch nicht sein soll. Ein leichtes, scheinbar geringfügiges Gebot gibt es, (sagen unsere Weisen) und sein Name ist das Hüttenfest. Und so ist es auch in. a Z. leicht ist es zu erfüllen das Gebot, eine Hütte 7 Tage des Jahres zu beziehen. Glaubet Ihr aber wirklich dass es um der 7 Tage willen geschieht, nein es ist eine bevorzugende Eigenthümlichkeit der jüdischen Sagungen, dass sie ausser dem Buchstabensinn noch eine sinnbildliche und heilige Bedeutung haben, obwol auch der einfache Sinn beobachtet und befolgt werden muss. 7 Tage sie deuten auf die 7 Jahrzehnte des menschlichen Leben hin 70 Jahre es ist die dem Menschen zugemessene Lebenszeit und er soll in keinem Augenblicke des Lebens vergessen, dass er nur ein Fremdling auf Erden ist, dass er nur eine gebrechliche Hütte bewohnt, die von Sturm und Wetter gar sehr abhängig ist. W^enn Ihr aber glaubet, dass dieses Bewusstsein der Schaffensfreudigkeit Abbruch thut, so ist diess ein Irrthum, wenn Ihr meinet, dass diess hiesse auf jedes Recht, das uns gebührt, verzichten, so ist auch dies nicht richtig; denn ist dieses Leben eine Vorbereitung für ein jenseitiges, so hat es darin seinen Wert, dass wir uns für dasselbe vorbereiten. Denn vor mir, spricht Gott der Herr, darf niemand leer erscheinen; du musst Rechenschaft ablegen über die dir zugemessene irdische Lebenszeit, so du ein ewiges Leben haben willst; und verzichten auf die Menschenrechte, die wir alle Kinder Gottes sind, das sollst und darfst du nicht haben wir doch alle einen Vater, hat doch ein Gott uns geschaffen. Wol ist dieser Satz oft mit Absicht übersehen und misachtet werden, dass die Menschheit ihr Antlitz vor Schamröthe verhüllen musste, aber er bleibt ewig wahr und wird doch am Ende der Tage zur freudigen Wahrheit werden, ss zur Wahrheit werden wenn die Menschheit wissen wird, das? dieses irdische Leben nur ein Hüttenleben ist, die Vorbereitung zu eines geistigen ewigdauernden, unvergänglichen Leben. Ist es aber auch bei uns so m. a. Z. haben wir bewahrt und bewährt dieses Wort des heutigen Festes, richten auch wir unser Leben .so ein, wie unsere Vorfahren es thaten? Leider müssen wir diese Frage mit einem entschiedenen und schmerzlichen Kein beantworten. Glaubet ja nicht, dass der Zeitgeist so mächtig ist, Gerechtigkeit jedem Menschen zuTheil werden zu lassen, lasset nicht einschläfern und betäuben Euer religiöses Gewissen. Blicket hin auf die Gesckichte Spaniens und Ihr wrerdet sehen, dass heute noch Israel nirgends solche Rechte, fast könnte man sagen, Vorrechte genossen hat als in Spanien Die höchsten Saatsämter, die Ministerien nicht ausgenommen, wurden von Israeliten bekleidet und

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