Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 19 (16.10.1882)
- Date
- 1882-10-16
- Page
- Seite 220 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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220 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. Des grossen sachlichen Interesses wegen lassen wir weiter Mudji'r-ed-din über die innere Einrichtung der Höhle Machpelah das Wort : Abubekr erhielt von den damaligen Besitzern (um 1500 n. Ch.) der Höhle Machdie pelah die Erlaubniss die innersten Räume derselben zu betreten. Zwischen dem Grabmal Abraham's und dem von Isak, erzählt Abu Bekr, stieg ich, nachdem eine diesen Zugang verschliessende Platte von meinen Begleitern aufgehoben worden war, mit dem sehr frommen Saluk 71 Stufen nach abwärts. Plötzlich bemerkte ich zu meiner Rechten eine ungewöhnlich grosse Estrade aus schwarzem Stein und auf der selben liegend einen Greis mit langem Barte, eingehüllt in ein grünes Tuch. Das ist Isaak (Friede sei mit ihm), flüsterte mir Sa'luk zu, und wir sahen alsbald eine andere Estrade, auf der wieder ein Greis lag, dessen langes weisses Haar seine Schultern bedeckte; Bart und Airgenbrauen waren silberweiss, der Körper ehenfalls mit einem grünen Stoff bedeckt, der Wind spielte zu den beiden Seiten mit den Silberlocken. Das ist Abraham El khalil (Friede über ihn), sagte Saluk und ich verneigte mich und dankte Gott für diese Gnade. Zuletzt sahen wir einen Greis von dunkeirother Farbe mit dichtem Bart, es war der Prophet Jacob. Wir wandten uns zur Linken zu den Frauen, hörten aber sofort e'ne Stimme, die uns zurief: Entfernt Euch von hier! Gott sei Euch gnädig! Wir stürzten ohnmächtig zu Boden. Nach kurzer Zeit kamen wir zur Besinnung, standen auf und kehrten zu unseren Freunden, die vor dei* Höhle uns ei warteten und uns schon für todt hielten, zurück. Einige Tage darauf sterben Abubekr und Saluk. Rede gehalten am 1 Tage des Sukkothfestes 5642. in der Belovarer Synagoge Die Tage ernster Andacht und strenger Busse sind vorüber und ihnen folgt als wolverdienter Lohn eine Reihe fröhlicher herzerfreuender und geisterhebender Feste. Denn das Hüttenfest, m. a. Z. es war im alten Isiael das freudenreichste und das beglückendste. Denket Euch nur die Mühe und die Anstrengungen eines langen bangen Jahres, das schweissbedeckte Antlitz des Ackermannes, wie er hoffend den Samen der Erde übergibt, den Boden bearbeitet, uüd seine Freude, wenn die Ernte eine gesegnete, seine Mühe von Gott reichlich belohnt worden, wenn seine Anstrengung keine leere und vergebene war. Nehmet aber noch hinzu, dass ein ganzes Volk ausschliesslich von dem Ertrage des Feldes lebt, dass, und so war es im alten Israel der Fall, der Acker wie der Boden überhaupt aligemeines Eigenthum oder sagen wir richtiger göttliches Eigenthum gewesen, werden wir begreifen dass beim Einheimsen der gesegneten Feldfrüchte allgemeiner Jubel | und durchlagender Frohssinn herrschte. Die Zeit, in welcher ■ diess stattfand, es war die des Laubhüttenfestes. Schwerbeladen wurden die gefüllten Wagen in das Hausthor gebracht, wonniglich gestimmt übergab man das gesammelte der Vorrathskammer. Und in der That berichten j unsere alten Weisen, dass kein Fest so sehr den Froh- | sinn und die Heiterkeit weckte, als da Sukkothfest. Dennoch aber artete der Fohsinn nicht in Leichtsinn undÜbermuth aus, weil jeden einzelnen das Bewusstsein erfüllte, dass der göttliche Segen und nicht ausschliesslich persöhnlichster Eintiuss Stoff und Grund zur gesegneten Ernte verliehen. Und gerade in dieser segensreichsten Zeit des Jahres ergieng die Mahnung an Israel, nicht gemächlich in festen Häusern zu wohnen, sondern das feste Gemäuer zu verlassen und in einfache Hütten sich zu begeben nickt übermüthig zu werden, sondern echt bescheiden zu leben und sich des erworbenen freuen, denn nicht nur zur Zeit Mosis sollte dieses Gesetz der Hütten gelten, es sollte für alle Zeiten gleich bindende Kraft haben, denn ein Gesetz vom Ewigen gegeben, ist auch für die Ewigkeit gegeben, und so haben denn auch die Worte volle Bedeutung und iltigkeit iür uns und unsere Nachkommen. Welche Lehre wir daraus entnehmen können, wollen wir nun zu zeigen versuchen AMEN. I. „Damit Euere Nachkommen wissen, dass ich in Hütten hake wrohnen lassen mein Volk" so m. a. Z. lautet der Grund des Festes, dessen Feier heute für uns be-! ginnt. Und unsere Weisen haben daranschliessend die richtige Bemerkung gemacht, dass alle Feste im Grunde genommen nur der Erinnerung halber eingeführt sind, zum Andenken an die von Gott uns erwiesenen Wohlthaten, allerdings ein Erinnern, das nicht einfach im blossen Gedächtnis, sondern auch in der lebensvollen That sich geltend machen soll. Das sich Erinnern und Beobachten eines Gebetes aber muss Hand in Hand gehen, Lehre und That sie müssen in eines zusammenfallen wenn wir unsere Pflicht getreulich erfüllen wollen. Denn sicherlich meine Freunde bedurfte es bei den Zeitgenossen Mosis, die so klar und deutlich die wundervolle Fürsorge Gottes an sich erkannten nicht erst einer Aufforderung, diesem liebreichen Gotte zu dienen und ihm anzuhängen mit ganzem Herzen und mit gaizer Seele. Sie, die in der Knechtschaft Fesseln waren geschlagen, denen jeder freie Athemzug misgönnt war, die den Tod als ein erwünschtes Glück ansahen, denen das Leben zum Abscheu j wurde vor der ungeheuren Wucht der Leiden, sie soll-