Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 19 (16.10.1882)
- Date
- 1882-10-16
- Page
- Seite 218 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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218 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. Unterschied zwischen religiösen, moralischen und sozialen Vergehen, weil eben das soziale Gesetz nichts anders als das religiöse enthält. Der ganze Mensch in allem seinem Thun beruht auf demselben Begriff von Gott und Mensch. Der Mosaismus erkennt als Hauptprinzip das allgemeine Menschenrecht an, und lässt es vom Nationalen weder aufheben Loch beschränken. Während der Mosaismus, sagt Dr. Philipson, das Göttliche mit dem Menschlichen in den engsten Verband zu bringen, und dadurch ein vom Göttlichen durchdrungenes Diesseits zu bewerkstelligen gesucht, löste das Christenthum das Göttliche vom Menschlichen gänzlich los, liess den Menschen sein eigentliches Dasein im Jenseits finden, zu dein er im Erdenleben durch Lösung vom Irdischen, durch Verachtung des Irdischen gelangen sollte. Nicht das gesellschaftliche Leben war dem Christen- , thum das höhere Element des Menschen, sondern das innere über das Irdische hinausstrebende Geistesleben des Individuums. Das Judenthum hat sich in seiner Spezialität nie als die Religion der Menschheit gesetzt: aber immerfort in der religiösen Idee, was Glauben an den Einig-Einzigen und ethische Geserze betrifft, als Religion der Menschheit behauptet. Das Judenthum hat stets gesagt, mein Spezielles, mein Gesetz, meine Forin ist nur für die Söhne Israels, aber mein Inhalt, die religiöse Idee i^t für die gelt. Der Talmudismus sagt, dass mit dem Messias die Beobachtung des bishergen Zeremonialgiesetzes aufhört. Ferner sagt er: Der ist noch als Jude zu betrachten, wenn er auch kein einziges Gesetz mehr hält, als das: Höre Israel der Ewige, unser Gott, der I Ewige ist einig. (Fortsetzung folgt), i Mose dal Castellazzo, ein berühmter jüdischer Maler des 16. Jahrhunderts (:). Wenn man bedenkt, dass das Verbot des Zeichnens zu religiösen Zwecken, bei den Israeliten strenge beobachtet ward, wird es nicht befremden, dass es so wenig jüdische Künstler in früheren Zeiten gegeben; um so freudiger aber wird es uns überraschen, dass in dem gottgesegneten Italien ein Glaubensgenosse sich findet, der von der Re- (') Die Vorlesung über die Religion der Gesellschaft in ihrer Begründung und Entwicklung von Dr. Philipsohn p. 340. (') Siehe in dem Literaturbericht unsere Besprechung des trefflichen Werkes, von Prof. R. Fulin: Documenti per servire alla storia della tipografia veneziaua. Die Red. gierung zu Venedig die Erlaubnis erhielt eine ittmirirte Ausgabe des Pentateuch zu veröffentlichen, u. z. mit den damals üblichen Privilegien. Das Bittgesuch Moses dal Castellazzo's geben wir sowol in der Ursprache als in deutscher Übersetzung später wieder. Mose dal Castellazzo überreichte sein Gesuch dem Rath der Zehn in Venedig am 27 Juli 17:21 und schreibt in demselben, dass er sich schon viele Jahre in der berühmten Stadt [Venedig] aufhalte und sowol Edelleute als auch berühmte Männer gemalt. [Havendo io Moyse hebreo dal Castellazzo, affaticatomi gia molü anni in questa vostra inclyta citta, in ritrazer zentilhomeni et homeni famosi]. Doch lassen wir unserem Maler das Wort. % „Avendo io Moise hebreo dal Castellazzo affaticatomi „giä molti anni in questa vostra inclita cittä in ritrazer gentiluomini ed uomini famosi, acciocche di quelli per „ogni tempo sc. abej memoria, e cosi per molti iuoghv „d'Italia co?h« e manifesto e sicomme non mi sono mai curato „(de far danari) ma fui sempre desideroso di honteniar „ciascwno e mi sono contentato di quello che piaceva a „loro di darmi. Per tale motivo ritrovandomi al presente „caticodi famiglia e rennt o in vetchiezza, ho cercato col;,niin T^Jh^di trovar cosa per la quäle io e la mia fa- „miglia pos^^Bfc^ere senza danno di nes^uno. La qual „Cosa e quesraJP^Ä >'n '..;</.-/. h.-issiar Dornenedio, „Zo ho fattoe imcfrjar le mie fiole de su mäne -r tutti i cinqus libri di Mose in fiyura, cominciando „dal principio del mondo, di capitolo in capitulo, diehi- „arando in piü lingue la significazione ed il tempo di im' „etä all' aitra, e cosi faremo, piacendo a Dio, tutto il nresto del Testamento wcchio ad inteiligenza di tutti, cosa „che sarA Documento ed a tutti molto profittevole. E „perche queste mie fatiche non vadino a male supplico „domando in grazia io Moise soprascrittv, che si compi- „acciano concedere a me ed ai miei rigliuoli di poter far vstampar e stavipar dette figure, per anni dieci, in questa „inclita cittä di Venezia^e terre e luoghi del suo dominio „e quelle vendere e far vendere, e che nessuna persona, „di qualsivoglia condizione non possa nei detti luoghi „ne stampare, ne vendere di tali sue figure, ne semplice, „ne in alcun libro per anni dieci, sotto quella pena che „parerä alle V. S. come fu fatto per altri invehtvri di „cose degne,..,. Sein Gesuch lautet in deutscher Übersetzung: Da ich, Moses von Castellazzo, mich viele Jahre in dieser Euerer berühmten Stadt aufhalte und mich mit dem Malen von i Edelleuten und berühmten Männern, damit dieselben I verewigt bleiben, beschäftigte, und in gleicher Weise j an verschiedenen Orten Italiens thätig war, wie diess bekannt ist; und weil ich nur das Bestreben jeden zu befriedigen, und mich nie um Geldverdienst gekümmert; nun aber eine zahlreiche Familie habe und alt geworden bin, habe ich nachgedacht, auf welche Weise ich mit meiner Familie ohne irgend jemandes Schaden leben könnte. Zu diesem Zwecke zwar liess ich von meinen Töchtern7:»^r zu