Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 19 (16.10.1882)
- Date
- 1882-10-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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/ HXo. 19 ISefotmr (Kroatien) 16. ^ßtoßer 1882. DAS JÜDISCHE CENTRÄLBLATT. \ A t <M (ZUGLEICH ARCHI7 FÜR DIE GESCHICHTE DER JÜDEN IM EHR. KROATIEN). Herausgegeben von Rabbiner Dr. M. Grünwald. I. JAHRGANG Das Jüdische Centraiblatt erscheint alle 14 Tage in l1/* bis 2 Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Belovar bei J. Fleischmann) pro Jahrgang 4 fl. Inserate werden mit 10 Kreuzern die 8 gespaltene Petitzeile berechnet und auschliesslich entgegengenommen durch die Annoncen-Expedition tob J. Fleischmann in Belovar. (M*nuscripte werden nicht retournirt). SCHALT. I. Grundprinzipien der Ethik von Bez. Rabb. Roth in Siklos. II. Mose dal Castellazzo. ein berühmter Maler des 16. Jhrdts. III. Dj/ Höhle Machpelah von Ephendi Krüger. IV. Rede gp1^' Sukkothtage zu Belovar. IV. Notiz. V. Miscellen. Vortrag gehalten im V i-ham 'drasch. Recensionen. Beck M. Dr. Vocabular analitic Ebraico-Romaneso-. Perreau, Pietro. Correzioni ed Aggiunte al Catalogo De-rossianno-. Adrian Balbi's Allgemeine Erdbeschreibung. — Alt und Neu. Vergangenheit und Gegenwart von Moriz Bermann. Fulin R. Prof. Documentiper servircalla storia della tipograpliia veueziani. Nachdruck nur mit VOLLER Quellenangabe gestattet. Die Grundprinzipien der Ethik im Judenthume. Vom Bezirksrabbiner A. Rj>th in Siklos. Der diitte Vorwurf, den die Feinde des Juüentiiums erheben, ist. dass die jüd. Lehre in ritualgesetzlicher Hinsicht rigoristischer s:-i, als in sittengesetzlicher; sie sagen, dass der Kern der jüd. Religion nur in der strengen Gesetzübung, aber nicht in der Befolgung der ethischen Lehren Ijoop lebe- - < -* - •< mm* Wer nur ein wenig mit den Lehren der jüd. Religion bewandert ist, weiss wie grundfalsch diese Verdächtigung ist; nicht nur dass sie von keinem Unterschiede der specifisch religiösen Glaubenslehre Lebensregeln und des Ethischen, weiss, sondern sie sehätzt das Gewicht des Ethischen weit höher als alle Dogmen und religiösen Gebote und Verbote. Die jüd. Religion hat es nicht allein mit dem idealen Bestände des Menschen zu thun, sie befasst sich nicht allein mit dem Verhältniss des Menschen zu dem höhern Wesen und beschränkt sich nicht auf religiöse Vorschriften, sondern sie will durch die vielen Sittenlehren mehr eine i Religion der Gesellschaft sein. Die jüd. religiöse Idee | lässt alle Menschen aus einem Paare entstehen. Alle i sind also aus einer Abstammung hervorgegangen, j während das Heidentimm nur einzelne Völker und Stämme \ aus bestimmten Ahnen entsprungen kennt. Ja, als die grosse Fluth das Menschengeschlecht getilgt hat, entsteht dieses nur wieder aus einem Paare, während bei den Griechen Deukalion undPyrrha nach der Fluth nicht aus sich, sondern aus hinter sich geworfenen Steinen die Menschen wieder entstehen lassen. Die h. Schrift beschreibt in den ersten 11 Kapiteln die Entwicklung der ganzen Menschheit, verfolgt aus dem einen Paare das Erwachsen aller Geschlechter und Völker, führt also | alle in der berühmten Völkertafel im 10. Kapitel auf die Einheit des Ursprunges zurück. Eines der wichtigsten Lehre des Mosaismus ist, dass alle Menschen als Brüder Liebe und Treue gegeneinander zu üben haben. Der Islam trennt Gläubige von Ungläubigen gei gen einander und befiehlt den Gläubigen, die Ungiäu-! bigen bis auf den letzten Mann auszurotten. In einzelnen Kirchen wurde der Satz: Nulla fides haereticis. Den Ketzern ist keine Treue zu halten ausgesprochen und der Kampf gegen die Ungläubigen „durch Gott will es" geheiligt. Der Mosaismus gestattete keine Verheirathung mit Götzendienern und verlangte die Ausrottung der Götzendiener, jedoch nur in den GiaiUfii des israelitischen Landes, darüber hinaus nicht, wie er auch niemals einen Kampf gegen Heiden aufstellte. Der religiöse und soziale Mensch ist nach der mosaischen Lehre nicht getrennt. Die Gesellschaft ist nicht, nach der jüd. Auffassung, ein auf sich selbst beruhendes, völlig unabhängiges, und nur menschlich individuelles Institut, sondern, indem alles auf Gott zurückgeführt werden muss, Gott aber als der Repräsentant der Gesammtheit hingestellt wird, so betrachtet die jüd. Religion den Staat als das unmittelbare Institut Gottes und die Gesellschaft als die Verwirklichung der Religion. Es besteht also kein