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Das jüdische Centralblatt · 1882-09-13 · 18 (13.9.1882) · p. Seite 212

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
18 (13.9.1882)
Date
1882-09-13
Page
Seite 212 (sequence 8)
Language
German
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212 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. Stertes Lob auf das Gas (p. 268): Sieh, mein lieber Leser, dass die moderne Chemie nicht nur für die Bedürfnisse des Lebens und der Gesundheit sorgt, sondern auch für die Vergnügungen des Geistes, um ihn nicht nur sich am Lichte während des Tages erfreuen zu lassen, sondern auch in der dichtesten Finsterniss. Zu 77 Jahren (1847) las er eine gelehrte Denkschrift in der Academie der Wissenschaften und schönen Künste zu Padua, deren correspondirendes Mitglied er war, unter dem Titel: Die 4 Gewissheiten vor! Diese sind: Die Metaphysik, die Physik, die Moral und die Mathematik. Auf dem Wege des streng philosophischen Schlusses beweist er folgendes: Dass die Gew;ssheit einheitlich, untheilbar, nie verschiedenartig in ihrem Wesen und ihrer Natur ist, jedoch gesondert in der Ordnung der Gegenstände, ihrer Ursprünge und Grade, dass sie verschiedenen Stufen der Energie unterworfen sein könne, ohne jedoch einer Veränderung der Natur nach oder den wesentlichen Attributen nach unterworfen zu sein. Dass die erste Gewissheit zum Gegenstande und zum Ursprünge die Vernunft hat, die zweite von den Sinnen stammt, die 3. von der Autoritaet und der Zeugenassage der Menschen. Es gibt Leute, welche die Physik, die Moral leugnen, welche behaupten, dass die Sinne täuschen und dass die Vernunft allein untrüglich ist. Man muss allen Glauben schenken, wenn sie in guter Verfassung sind; auf Abwege können alle führen; gewöhnlich aber unterliegt die Methaphysik viel mehr Irrthümern als die Physik und die Moral. Die Verkehrtheit, fehlerhafte und schwächliche Beschaffenheit der Vernunft ist viel häufiger als die Verkehrtheit der Sinne und der menschlichen Autoritaet, Übrigens beeinflusst den Intellect und die Vernunft der Wille, eine freie Macht aus allen Arten vcn Leidenschaften verrückt und umgeben; und wenn die Illusion die methaphysische Gewissheit häufiger umstösst, als die Physik und Moral, so sind zum mindesten alle 3 deren verhängnissvollen Geschick verfallen; und dabei beschreibt er die Eitelkeiten und Hirngespinste des menschlichen Geistes. Er bekämpft den Irrthum derer, welche sagen: Ich glaube an die Philosophie, weil mich die Vernunft dazu treibt; ich glaube weder an eine Offenbarung noch an eine Religion, weil mich die Erzählung eines anderen, das Zeugniss eines anderen, was niemals ganz rein mitgetheilt wird, dazu treibt, während die Sinne und die Autoritaet, wenn sie auch nicht treuere und sichere Führer als die Vernunft sind, wenigstens alle 3 gleichen Sehritt halten die Wahrheit, die wir lieben und suchen, zu bestätigen. Und bis auf des SchwertesSchärfe kämpft er gegen dieUnfehlbarkeit und Sicherheit der Vernunft allein. Er lobt die beständige und unveränderliche Gewissheit der Physik, die weit erhaben ist über die so gerühmte Sicherheit der Vernunft und der Methaphysik; und spendet ein wolverdientes Lob unserem Jahrhundert, einem Jahrhunderte wahren Fortschrittes, in welchem, ohne die geistigen Wissenschaften zu vernachlässigen, vorzugsweise die Naturwissenschaften getrieben werden. Was die Mathematik, die exacte Wissenschaft, betrifft, so leugnet er das Axioma. Die Gewissheiten lassen verschiedene Stufen zu, es gibt hier wie überall, einen Positiv, Comparativ und Superlativ, oder sicheres, sichereres und am sichersten. Die mathematische Gewissheit gehört zur letzten Stufe. Die grössere Anzahl und die grössere Kraft der Motive, die sie geltend machen, stellen sie eben höher als die anderen und da bewährt sich der Satz: Vis unita fortior. Er leugnet jedoch, dass die Vernunft die Stärke der mathematischen Gewissheit ausmacht. Die Vernunft, die Sinne, die menschliche Autoritaet, der gesunde Menschenverstand, sie alle tragen dazu bei, das für gewiss zu erklären, was den Inhalt der Mathematik bildet, Belovar den 3. September 1882. Dr. M. Grünwaid. Einzugsrede gehalten in Belovar am 23. August 1881. Herr und Vater, der du kennst die innersten Tiefen des Menschenherzens, dem offen liegen die geheimsten Regungen des Geistes, Dir danke ich in Gegenwart dieser ehrwürdigen Gemeinde, dass Du mich diesen Tag erleben lässest, den Tag, an dem ich das Amt eines Priesters und Seelsorgers in Israel übernehme. Noch ist das Wort nicht auf meinerZunge, und Du, o Herr, Du weisst es schon, Du weisst es, was mein Herz bewegt, was mein Gemüt in banger Freude erbeben macht. Denn Du kennest ja, o allwissender Gott, den glühenden und heissesten WTunsch meiner Seele, den ich von meiner frühesten Jugend bis zu dem Augenblicke, wo ich vor dieser Gemeinde spreche, gehegt habe, Du kennst den einzigen Wunsch und das einzige Streben, das mich beseelte, den Wunsch Dein Diener, ein Verkünder des göttlichen Wortes, zu sein. Und wenn ich sie an meinem geistigen Auge vorüberziehen sehe, die Männer die Du zu Trägern Deines Wortes, zu Vollstrekkern Deines Willens hast ausersehen und erwählt, fürwahr dann ist das geheime Zaudern, die freudige Bangigkeit meines Innern nur allzuberechtigt, dann fühle ich das Wort das königlichen Sängers: Herr, wer darf in deinen Hallen weilen? in seiner ganzen und vollen Bedeutung. Wenn ich sie sehe, die strengen Pflichten, die sie mit ihrem Amte haben übernommen, die ungeheuere Verantwortung, die sie dadurch auf sich haben

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