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Das jüdische Centralblatt · 1882-09-13 · 18 (13.9.1882) · p. Seite 211

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
18 (13.9.1882)
Date
1882-09-13
Page
Seite 211 (sequence 7)
Language
German
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 211 Mein Plan ist, so sagt er, auf dem Wege vernünftiger Analyse die Grenzlinie zwischen den Dingen zu ziehen, die keines Fortschrittes fähig sind, und zwischen denen, die im Fortschreiten begriffen sind und in der Zukunft noch mehr fortschreiten werden. (Bd. I. p. 141). Ich dürfte nicht mehr lange leben (er war damals 74 Jahre alt) mein 3 Kräfte sind erschöpft. Gebe Gott, dass meine ärmliche Arbeit einem anderen als Sporn diene, sie zu vervollkommnen (ibid. p. 177). Es würde viel zu weit führen, ein treues Bild dieses so schönen Werkes zu liefern. Ich werde mich begnügen, einige Sätze daraus anzuführen. Indem ich für meinen Theil jeder Verantwortimg mich enthebe, theile ich mit was er über die Mosaische Gesetzgebung schreibt (I p. 24—25): Betrachtet man die Vorschriften des Decalog's, so sind sie nichts weiter als die natürlichen Gesetze in grösserer Klarheit und in deutlicheren Ausdrücken; und alles übrige der mosaischen Religion betrifft bloss Riten, Caerimonien, Reinigungen um vor allem das israelitische Volk von Götzendienst und I von den Götzendienern fern zu halten, eine wahre Mauer j zwischen ihnen und den Nachbarvölkern zu errichten, so I dass sie sich nie mit ihnen vermischen, sondern sie als j Feinde zu betrachtenhaben, die zu bekriegen und zu verj niehten sind, was wol überlegt, keine Civilisation ist, nicht Menschlichkeit und auch nicht gerechtfertigt werden könnte, es müsste denn sein, dass das israelitische Volk ausdrücklichen Befehl von Gott hiezu erhalten . . . Der Fortschritt muss dem die Palme reichen, der die ganze Welt civiüsiren wollte, und dem irdischen und ge- | meinen zum himmlischen und unsterblichen erheben j wollte (8). Wie er sich die Thätigkeit Gottes in Universum dachte, | kann man aus demselben Werke (Bd. I p. p. 33) erl sehen. Zu denken, dass Gott nie den weltlichen Dingen freien I Lauf lässt. und dass sich die Beschränkung selbst auf j den menschlichen Willen erstreckt, hiesse die göttliche i und menschliche Natur in gleicher Weise erniedrigen. Wir geben ja doch zu, dass der Ursprung der Kaiser- | und Königreiche, der Republik und der verschiedenen Regierungsformen grösstentheils als von den Menschen | freiwillig bestimmt, hervorgegangen angesehen werden j muss. Nur eine grobe Unkenntniss der Weltgeschichte vermöchte diese Thatsache zu leugnen. Ueber den Fortschritt im Allgemeinen äussert er sich wie folgt (I 40). Überzeugt, dass in jedem Stand) \ gute und schlechte Menschen sind, wollen wir weder als (") Ohne auf eine Widerlegung dieser unsinnigen, auf vollständige Verkennung und Unkenntniss der Bibel beruhendenAeusi serung einzugehen, will ich nur bemerken, dass man aus dieser J Stelle ersehen kann, wie wahr das Wort des Profeten ist '^^rp'i ^SHm "^nX Iw^**: siehe übrigens wisere Recensibn von Dr. A. Helmersen's Buch: Die Religionen, ihr Wesen, ihr Vergehen in Nr. 14 des Ceutralblattes p. 167 a und b. Dr. M. G. Menschenfeinde, die wir sicherlich nicht sind, erscheinen, noch viel weniger als Akatholiken verfaulen, wovor Gott uns hüte, Deshalb achten wir um so mehr die Civilisation der Guten, damit die Barbarei in keiner Weise - eindringe. Er fügt dann hiezu: Ich möchte trotzdem nicht entscheiden, ob die Philanthrophie oder die Selbstliebe in unsererer Zeit grössere Triumphe errungen. Denke wo? dttrüber und schreibe statt meiner, geneigter Leser. Über die Vernunft (I 44—5): Schliesslich ist die Vernunft das hauptsächlichste, das nützlichste und auch das nothwendigste Erbe des Menschen; gegeben, ihn zur Wahrheit zur Wirklickeit einer Sache zu führen. Ueber die Poesie (I 49). Wenn die moderne Poesie sich im Rückschritte in Bezug auf poetischen Enthusiasmus befindet, ist sie in wahrem Fortschritte in Bezug auf den dichterischen Geschmack und je weniger Genie und dichterische Begeisterung vorhanden ist, desto mehr herrscht die Vernunft, der rein geläuterter Geschmack vor. {ß-ehe das geistreiche Feuilleton in der Wiener Allgemeinen Zeitung von Schmidt-Weissenfeis vom 1. Sept. 18S2: Ein Mysterium, das zu einem ähnlichen Resultate gelangt. Dr. M. G.) Über die Saint-Simonisten äussert er sich (I 77): Ihr Hauptsatz i^t der Fortschritt der Menschheit und die unendliche Vervollkominung derselben. Das ist jedoch absurd. Der Mensch ist vervollkommbar, aber nicht ins unendliche. Über die Regierungsform (1184): Nicht die Regierungsform ist es, die glücklich macht. Es ist der grosse Geist, das starke Vermögen, die edelste Absicht dessen, der an der Spitze des Volkes steht, die sie beglücken und ruhig und zufrieden mit ihrer politischen Lage machen kann. Möge einer oder viele an der Spitze sein, sie werden die Unterthanen immer zum Glück und zum -Wolstande führen, wenn zur die 3 Eigenschaften besitzen: Weisheit, das ist wahre Macht, ein gutes Herz und/einen reinen Willen. (I, 199). Je grösser die Zahl der Individuen ist, die der Macht theilbaftig sind, desto grösser ist die Zahl der herrschenden Leidenschaften, und um so leichter die Corruption und die Unordnung, welche das wahre Glück nicht entstehen lässt. Der 2. Band enthält eine genaue Analyse der Fortschritte der Wissenschaften von ihrem Anbeginne bis heute Von den Naturwissenschaften behauptet er, dass sie fortschreiten und stets fortschreiten werden, denn (p. 241): Das Zeugniss der eigenen Augen ist der sicherste Führer sich von der Existenz und Wahrhaftigkeit aller Dinge zu überzeugen. Über Galilei äussert er sich (p. 67 wie folgt): Seine Veurtheilung erhöhte nur seinen Ruhm, weil die Zeit und die Nachwelt immer die Hypothese von der Bewegung der Erde bestätigte und die Veurtheilung als eine schändliche hinstellte: und den Zwang den man unserem ausgezeichneten Physiker und Astronomen anthat, als schimpflich erklärte. Den Schluss bildet ein begei-

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