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Das jüdische Centralblatt · 1882-09-01 · 17 (1.9.1882) · p. Seite 202

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
17 (1.9.1882)
Date
1882-09-01
Page
Seite 202 (sequence 10)
Language
German
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202 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. klang, beide geben an, dass ein flüssiges Chaos der Schöpfung vorhergieng und den Ursprung und die Grundlage des Weltalls bildete, beide haben sogar für dieses Chaos den gleichen .Namen, welcher zugleich sich zu dem auch in dem Bericht des Damascius findet. Das in der Formel zwar abweichende jedoch gleichbedeutende Thalatha des Berosus könnte als aus Tiamat corrumpirt angesehen werden, indess mit grösserer Wahrscheinlichkeit geht es, wie bereits bemerkt auf Tisallat, eine andere Lesung jenes babylonischen Wortes zurück. Weiter lesen wir in der obigen Inschrift die Erfindung der Götter Lachma oder Lachmu und es sind männliche und weibliche Personificationen der Bewegung und Erzeugung; sie entsprechen dem.Dachos und der Dache des Damascius sowie dem auf dem Wasser schwebenden Buoch d.i. Wind oder Geist der Genesis. Die nächste Stufe ist die Erzeugung von Sar oder Ilsir und Kisar. Diese repräsentiren den oberen Raum und den unteren Raum und entsprechen dem Ässorus und der Kissare des Damascius. Die Aehnlichkeit der beiden ersteren Namen ist wahrscheinlich noch grösser als sie bei jenem assyrischen Wortlaut hervortritt ist, dennSar und Ilsar wird gemeiniglich mit den Namen einer Gottsheit jüngerer Zeit Assur gelesen und die übliche Bezeichung dieses obersten Gottes der Assyrer. (Smith, deuche Ausgabe p. 66). Apason und Tauthe finden sich aber schon in der 2. und 3 Zeile: Apsuva tiamat. Das inuva, womit der keilschriftliche Bericht anhebt ist zusammen gesetzt aus inu Zeit, vgl. talmudisch onah die Zeit, vorzüglich die Zeit der Schwangerschaft, also sehr richtig hier die Zeit der Entstehung der Schöpfung, gemäss IV R. 5, 55 a 24, 9 -[- 106 ein Synonym von yumu und der den Zustandssatz einleitenden Copula va; es entsprich* genau dem hebr. bajjoum zur Zeit da womit der jehovistische Welt oder vielmehr Welt nnd Menschenschopfangsbericht Gen. 2, 46 beginnt. Für das Wort suma,Z. 2 nimmt dieSmith'scheUebersetzung eine unhaltbare Bedeutung an. Allerdings bedeutet suma eine Pflanze aber eine bestimmte Pflanze, nämlich den Knoblauch. Es folgt diess aus der V. 7 veröffent. lichten Inschrift. Hier wird erzählt, dass ein böser Fluch eine feindselige unseilbringende Stimme gleich einem Dämon einen Menschen befallen, ihn mit Irrsinn (assyr. tiu) behaftet und wie ein Lamm hingeschlachtet habe. Aber den Gott Merodach jammert dieser Mensch. Er sagt zu seinem Vater Ea, erzählt ihm alles, was er gesehen und fragt: Was that der Mensch, ich weiss es nicht, und wodurch wird er genesen. Er antwortet seinem Sohn: Mein Sohn, was wüsstest du nicht, und was sollte ich dich noch weiter lehren. Was ich weiss, weisst ja auch du, und fordert ihn auf jenen Menschen zu klarem Wasser zu führen und seinen Bann zu lösen. „Das Böse, das seinen Leib verstöret, der Fluch seiner Mutter, der Fluch seines älteren Bruders, dieser Bann, der ohne sein Wissen sich auf ihn gelagert durch den Zauberspruch Ea's, gleich einer Zwiebel schäle er sich ab (Kima sumi likkalap) gleich einer Dattel werde er zerrissen (Kima suluppi lissahit, ausdrücken) gleich e;nem Knoten werde er gelöst (kima pikurti lippassar). Die Richtigkeit dieser Auffassung des Wortes sumu, genauer sumu II. Rev. 7, 2 46) erhellt schon aus dem dabeistehenden Worte kalap abschälen wie die Knoblauch schale, nämlich so dünn wie diese ist eine stereotype Massbestimmung für Dünnes in der talmudischen Gesetzessprache zB. Oholoth VI 5, 6 Dass nun aber die Bedeutung Knoblauch für das smna unseres Schöpfungsberichtes passt, liegt klar auf der Hand. Soweit Delitzsch. Sehen wir aber näher über den heiligen Gebrauch des Lauches (siehe Victor Hehn Kulturpflanzen p. 169) so wird es nicht so befremlend sein, dass der Knoblauch eine solche Rolle spielt. Die Aegypter, sagt Plinius schwören unter Anrufung des Knoblauches und der ^wiebel (19, 101): Alium cepasque inter deo3 iu jure jurando habet Aegyptos. Iuvenual spottet darüber, dass auf solche Art die Götter der Aegypter im Küchengarten wuchsen, 15, 9. Perrum et caepe nefas violare ac Irangere morsu. 0 sanctas gentes, quiuus haec uascuntur in hortis Numina! Am Fest der Theoxenien in Delphi nämlich, das als eine Ber wirthung sämmtlicher Götter durch Apollo gedacht war; erhielt derjenige, der die grösste Lauchzwiebel mitbrachte, einen Antheil von dem Opferschmause; der Örund war, weil Leto, da sie mit ihrem Sohne schwanger gieng, Verlangen nach einer solchen getragen hatte. So erzählt Polemon dem Perieget bei Athen. 9, p. 372! Bei den Thrakern war die Zwiebel altherkömmlich und unentbehrlich, so erhalten bei Versammlung des Iphikrates mit der Tochter des Königs Kotys die Neuvermählten ausser anderen kostbaren Geschenken einer 12 Ellen hohen Topf Zwiebel. Im germanischen Norden scheint der Laukr magische Kraft gehabt zu haben, wie in Kleinasien und Griechenland. Er wird in den Trank geworfen, um diesen vor Verrath zu zu schützen, Lied von Ligurdrifa 8 (nach Simrock's Übersetzung). Die Füllung segne, vor Gefahr Dich zu schützen, und lege Lauch in den Trank. So weiss ich wol, wird dir nimmer der Meth mit Wein gemischt. Als Helgi geboren war und Sigmund sein Vater aus der Schlacht heimkehrte, da trug er edlen Lauch (irtlauk): Der König selbst gieng aus dem Schlachtlärm, dem jungen Helden edlen Lauch zu bringen Grimm DM 1165 führt dazu die Völsungsaga Cap. 6 und fügt hiezu; es erhellt nicht, ob der König als heimkehrender Sieger Lauch trug, oder weil es Sitte war, beim Namengeben ihn zu tragen. So sehen wir also, meine Herren, wie die beiden Auffassungen sich vereinen. Auf die richtige Fährte lenkt das Synonym nahu und zaharu nennen, im Zusammenhang mit der häufigen assyrischen Redensart mala suma nahu so viele einen Namen tragen, so viele genannt werden so viele existiren, siknat napisti mala suma naba, die lebendigen Wesen, so viele ihrer sind. Hiernach ist zu übersetzen: Als droben nicht kundthat der Himmel, Drunten die Erde einen Namen nicht nannte. D. h. als weder Himmel noch Erde da waren. Die Redensart in diesem Zusammenhange erinnert an das 3malige: und Gott nannte des elohistischen Schöphingsberichtes, die Nennung ist die Besiegelung der Existenz, Name ist im biblischen Sprachgebrauch häufig das Wesen in seiner Erscheinungsweise. Die den Zeilen 1—3 des keilschriftlichen Berichtes zu Grunde liegende 3 Theilung der Welt kommt auch im alten Testament zuweilen vor zB. Exod. 20, 4 in demDecaloge. Sie sehen also auch hiermeine Herren, einerseits die öongruem zwischen Bibel und Keilschriften und wie das Studium des einen das andere ergänzt. Der Doppelname des der Schöpfung vorausgehenden flüssigen Chaos mu-um-mu ti-amat Z. 4 ist in seiner ersten Hälfte schwer zu etymologisiren, in seiner 2ten schwer zu lesen. Das Wort tiamat,. um mit diesem zu beginnen ist durch alle diese Urgeschichten hindurch mit 2 Schriftzeichen geschrieben, deren ersteres ti das andere, wenn man es in seine beiden Theile auflöst, sallat zu lösen ist. Dass man aber nicht Ivsallat lesen darf, gebt daraus hervor, dass sal-lat in diesem Worte überall zu einem Zeichen zusammengezogen ist und also einen eigenthümlichen Sylbenwert hat. Dieser bisher nicht gekannte und auch von Smith nicht ganz verstandene Sylbenwerth ist aber amat Wenigstens glaube ich diesen daraus ableiten zu können, dass akkad. sal-lat das weibliche Besitzthum die Sklavin, die Magd bedeutet und das ihm entsprechende assyrische Wort gemäss IL 39, 71 a b mit anfängt, was kaum etwas anderes als amat anfängt hebr. Magd bedeutet. Aus diesem idegraphischen Wert der Zeichengruppe sal-lat wurde nun der phonetische Sylbenwort amat hergeleitet, ein höchst seltener Fall der Ableitung eines Dappeüglbenweries aus einem Sinnwerte. Das Wort j ist hienach tiamat d. Meer hebr. zu lesen und darf nur so gelesen I werden, nicht tiamat (tisallat wie Smith als gleich statthaft zur , Wahl gibt, indem er dasxHXapaa des Berosus auf die letztere Lösung zurückführt. In der Deutung des schwierigen mnmmu wird Smith, j indem er es Verwirrung übersetzt, wol das Richtige getroffen haben, ob I das Wort mit hebr. oder etwa mit aethiop. mamea urspr. zerfliessen.

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