Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 17 (1.9.1882)
- Date
- 1882-09-01
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 197 Dichters (Efraim) und des Arztes Isac Erwähnung. Was den 2. Arzt betrifft, den mein Vater übergieng, besitzt Soave in einer Karte Nr. 1786, die sich in seiner Sammlung zu ff. 36 Band 37 A befindet, mehrere Andenken. Rabbiner Leon Luzzatto theilt mir aus Venedig folgendes mit: In den alten Verzeichnissen unserer Gemeinde fand ich andere Individuen der Familie L., die mit dem Rabbiner Simon verwandt sind: «den 14. Jänner 1576 starb ein Sohn Isac Luzzatto's, des Bruders vom Rabb. Simon. den 17. October 1579 idem den 4. Sept. 1584 starb Diamante, Tochter Isac Luzzatto's den 19. März starb Allegra, dessen Gemalin, im Alter von 90 Jahren; sie war 28 Jahre alt, als sie dem Sohne Simeon der 1563 'geboren wurde, das Leben gab. (Fortsetzung folgt). Rede gehalten am 18. August in der Synagoge zu Beiovar zum Geburtstage Sr Majestaet des Kaisers und Königs Franz Joseph I. Hochgeehrte Versammlung! Was ist es, das uns zu ungewöhnlicher Zeit hier im Gotteshause versammelt, was ist es, dass eines jeden einzelnen Herz von uns höher und lauter schlagen lässt? Was ist es, das die Gefühle des Dankes in unserem Inneren so mächtig ertönen lässt, dass wir fast uuwillkürlich sie zu äussern uns bewogen fühlen, dass die Brust uns zu eng wird, und wir diese Gefühle in Worten laut werden lassen. Was ist es, das uns Israeliten ganz besonders verpflichtet, den heutigen Tag als einen der schönsten Tage im Jahre zu betrachten und demgenüiss zu feiern? Nun, geehrte Festversammlung, es ist die Wiederkehr des Geburtstages unseres allverehrten Landesvaters Sr. apostcl. Majestaet, des Kaisers und Königs Franz Joseph /., den Gott uns noch lange zum Heile Oesterreichs erhalten möge; es ist das Wiegenfest jenes erlauchten Fürsten, der gelöst hat die Fesseln, die die Menschen drückten, der der engen Kerkerluft, in der sie kaum athmen durften, sie hat entrissen, um sie der Freiheit, dem Frieden, dem Glücke zuzuführen. Es ist der Geburtstag jenes gekrönten Hauptes, der vollführt hat was der gottbegeisterte Profet bereits als das schönste Ziel eines Herrschers hinstellt: Auf, erwache, erhebe dich vom Staube du Gefangene Jerusalem's löse die Fesseln, die dich drückten, du tiefgebeugte Tochter Zion's. Solches sind die Ziele, die unser erlauchter Monarch, schon in seinen Jünglingsjahren zum Throne berufen, anstrebte und verwirklichte. Und wenn wir den Gründen nachforschen, welches ihm sein Ziel erreichen Hessen, wenn wir den wirkenden Kräften nachsinnen, welche diess vollbrachten, so finden wir das in bündiger Kürze in dem Wahlspruche unseres erlauchten Monarchen Viribus Unitis mit vereinten Kräften ausgedrückt. Einheit und Einigkeit, hochgeehrte Versammlung, das ist das Schlagwort eiues jeden wahren Menschenfreundes, das das höchste göttliche Gebot, das an die Menschheit ergieng. Wo Einheit und Einigkeit herrschen, da ist Friede, da istFreude, da ist Glück. Und unsere Wreisen, die Weisen Israels, sie haben die wunderthätige Kraft der Einheit so hoch angeschlagen, so laut gepriesen, so unablässig verkündet, verherrlicht und besungen, und was mehr als all diess ist, auch betkätigi, dass dieses Streben nach Einheit und Einigkeit Israel in Fleisch und Blut übergegangen ist. Unsere Weisen haben den Wert der Einigkeit so hoch gestellt, dass sie die Vernachlässigung aller religiösen Vorschriften, ja dass sie selbst den Götzendienst milder beurtheilten und ihn für verzeihlicher hielten, als zu stören die Einheit und Eintracht unter den Menschen. Der Wortlaut dieser Stelle ist: So gross und so beseligend ist die Kraft wahren Friedens, dass wenn Israel einträchtig und friedfertig lebt, die strafende Hand sie nie erreichen kann; auch dann nicht erreichen kann, selbst wenn Götzendienst unter ihnen wäre. Und mit Recht können wir, auf der Höhe der Bildung unserer Zeit stehend, diesen Satz als den schönsten im Judenthume hinstellen. Wrenn schon der Profet Samuel dem Könige Saul vorgeworfen, dsss Gehorsam weit besser ist als Opfer bringen, so können wir es frei und offen aussprechen, dass das Streben nach Einheit und Einigkeit bei den Menschen weit höher angeschlagen werden muss, I als das Beobachten einzelner religiöser Vorschriften. Immer wieder und immer von neuem muss es der Menschheit verkündet werden, dass das eigentliche Ziel der Menschen Vereinigung und Verbrüderung ist, Viribus unitis, mit vereinten Kräften, in der Einheit und der Vereinigung allein liegt Kraft und Macht, liegt Stärke und Vermögen. Viribus unitis, verehrte Versammlung, es muss 4§r Wafctl- I spruch der gesammten österreichischen Bevölkerung ohne Unterschied des Stammes und der Religion werden, so wir unsere Pflichten als Oesterreicher, als wahre Anhän- : ger des Vaterlandes erfüllen und ihnen nachkommen wol- | len. Wo aber ein jeder nur den kleinlichen Intej ressen des lieben persönlichen Ich lebt, wo jeder einzelne j denkt, dass die Gesamtheit nur seinetwegen, nur zu seiner Bequemlichkeit da ist, ist das Gedeihen des Staates unmöglich. Viribus unitis, mit vereiner Kraft zu einem holten erhabnen Ziele die Kräfte sammeln, Nachsicht und Versöhnlichkeit einander gegenseitig angedeihen lassen, das heisst im Sinne unseres allverehrten Monarchen leben, dh. ein treuer und würdiger Sohn des Vaterlandes sein. Und die jüdische Religion ganz besonders, sie stellt das Einheitsbekenntniss als ihre höchste Errungenschaft hin: