Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 17 (1.9.1882)
- Date
- 1882-09-01
- Page
- Seite 196 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS JUDISCHE CENTRALBLATT. aus einem zu grossen Streben nach Wissen, welchem seine physischen Kräfte nicht gewachsen wären. Nicht zufrieden damit, in der Mathematik und Physik Entdeckungen zu machen, wollte er auch Astronomie studiren und wollte beständig die Sonne mit einem Fernrohre betrachten, seine Pupille wurde dadurch beschädigt, er blieb einäugig und sein Auge wahr sehr geschwächt. Seine strenge Orthodoxie war eine Folge seiner anhaltenden theosophischen Studien, oder um deutlicher zu sprechen, der Kabbalah. Diess erhellt aus den vielen Bruchstücken seines Bibelcommentars, die handschriftlich gesammelt und unter dem Namen *1Hw bekannt ist; daraus ersieht man seine unendliche Liebe zum Zohar. einer Hauptquelle der Kabbalab! Ezechia Luzzatto war ein tiefer Denker, ein Religionsphilosoph, immer mit mechanischen Arbeiten sei es als Drechsler oder Mechaniker beschäftigt, nebenbei hatte er eine gemischte Waavenhandlung und ein kleines Manufacturgeschäft. Immerwährend studirte er die Bibel mit den Commentaren zu ihr, und den Talmud trotz seiner so sehr geschwächten Sehkraft; und er liebte so sehr die Arbeit, dass er seinen Sohn Samuel David lieber zum Arbeiter als zun Gelehrten erziehen wollte. Diess beweist ein an diesen berühmten Sohn geschriebener Brief von 17. Tammus 55 18 (21. Julil818), worin er ihn ermahnt, ein Handwerk zu erwählen. Dieser Brief enthält eine feierliche Anforderung, dass er die Studien lassen möge, und sich einer mechanischen Arbeit hingebe. Ezechia Luzzatto war von ziemlich hoher Statur, das Gesicht schön proportionirt, sein Antlitz regelmässig, Haar und Augenbrauen waren grau, die Augen himmelblau, der Bart grau, seine Beleibtheit eine gewöhnliche. Den Augen waren an den Rändern die Augenlieder übergeschlagen, etwas vorstehend, was ihn das Aussehen eines dummen Menschen gab, eines incanta' wie man im venezianischen Dialekt sagt, während er alles eher als dumm war. Allerdings war er von Natur schweigsam und sprach weniger war immer nachdenkend, und fest und beharrlich in seinen Vorsätzen. Über seine letzten Lebenstage gibt es keine sicheren Nachrichten, auch sein Begräbnisort in Triest ist nicht sicher, da man auch nicht den bescheidensten Stein, der ihn bezeichnen würde, gefunden. Wie Augenzeugen versichern, war auf dem Steine nur der Name und der Todestag, der in Triest am 21. April 1824 (im Nissan 5584) erfolgte. Er wurde 62 Jahre alt. Dieser Stein wurde vom Winde niedergeschlagen, es ist aber nicht gelungen, ihn zu finden. Ezechia verzeichnete schriftlich die geringsten Ereignisse seines Lebens, schrieb die Wechselfälle der Familie in patriarchalischer Einfachheit nieder, wie ein Mann, der einem Freunde oder Anverwandten eine Geschichte erzählt. Eine solche Erzählung liest man in dem Berichte über die Krankheit und den Tod seines erstgeborenen Sohnes, der mit einer Elegie, die den hartherzigsten Mann rühren würde, schliesst. Es ist der Ausdruck eines untröstichen Schmerzes. Er schildert da seinen Benetto in allen Reizen seiner Schönheit, die Züge seiner Frühreife, fuhrt seine Worte an, seine Fortschritte im Lernen; und sein einziger Trost ist Gott. Diese Elegie verdient in ihrer Einfachheit mit all ihren sprachlichen und grammatikalischen Fehlern mitgetheilt zu werden. Es ist eine köstliche Frucht, umgeben von einer rauhen Schale. Wenn dieses Talent erkannt und schuimässig gebildet worden wäre würde man einen vorzüglichen Dichter, einen geistreichen Commentator der heiligen Schrift, einen zweiten Watt und Mongolfier in dem Drechsler Ezechia besessen haben ähnlich dem talmudischen l^l'CH pHV ,m\ Seine Manuscripte enthalten: Einen Commentar zu einem grossen Theile der Psalmen und des Ecclesiastes; eine, Synonymik und einen Commentar zu vielen Abschnitten des Pentateuch unter dem Titel fH THp "[Dtf'^1?; end" ucn rOTTK der vollständig sein sollte, ist ein Commentar zur Bibel, aber kabbalistisch. Ezechia Luzzatto war ein vielseitiger Mann, aber in keinem Gegenstande vollkommen, weil es ihm an Methode zunächst mangelte, und dann, weil er von Nahrungs sorgen stets gequält war. Kurz kann man das Leben Ezechia Luzzatto's .so zusammenfassen: Er war ein äusserst religiöser, demüthil ger, bescheidener und gerechter Mann, ein trefflicher | Gatte, der beste Vater, der gehorsamste Sohn, ein fleissiger Arbeiter, ein ehrlicher Geschäftsmann, ein rastloser Gelehrter, ein Menschenfreund, und bis zum höch- Grade gottesfürchtig, würdig, einen der berühmtesten Männer unseres Jahrhunderts: Samuel David Luzzatto zum Sohn zu haben. Anhang zur Familie der Luzzatto. vou Dr. Isaja Luzzatto. In Heft 2 de« Magazins für die Wissenschaft des Judentums 1880 unter dem Titel: „Hebräische Manuscripte in Mailand" berichtet Dr. A. Berliner unter Nr. 121 p. 114) folgendes: 121. Commentar des Nachmanides zum Pentateuch, am 26. August 5287 (1527) verkauft von Simon ben Isak an Samuel ben Samuel Luzzatto (vielleicht die älteste Erwähnung dieses Namens). Der Lehrer Moise Soave theilt mir aus Venedig folgendes mit: In der Autobiographie wird Eafaelle der ältere als Vater des Arztes Isaac angeführt; dieser Isaac heiratkete im Jahre 1686, die Allegra Capriles, Tochter des seligen Aron C; der Vater des Bräutigams lebte noch. Aron Coen veröffentlichte ein ebräisches Sonett für diese Hochzeit. Von 3 Söhnen des jüngeren Raffaele, von dem 2 Ärzte und einer ein Dichter war, geschieht nur des