Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 16 (16.8.1882)
- Date
- 1882-08-16
- Page
- Seite 184 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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184 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. des Menschen sowie aller Geschöpfe Schicksal zu bestimmen vermöchte. Und dabei musste Abraham Haus und Hof, Herd und Heimat lassen; musste alles, was durch der Gewohnheit süsse Bande ihm lieb und theuer wurde, lassen, und in die unduldsame Fremde wandern; aber der Glaube an Gott, er war sein Panier; das Zeichen, unter dem er siegesgewiss war. Du o Gott bist es, der seit Urewigkeit König ist, Du hast ja mein Leben und mein Geschick in Deinen Händen, was vermöchte ein Mensch gegen mich, so Gott in meiner Hilfe ist, so sprach Abraham und er ward gerettet aus all den schweren Prüfungen, die ihm wurden auferlegt. Und m. a. Z. Wenn eine Nation sich eines solchen j Ahnen rühmen darf, hat sie nicht nur das Recht, sich j eines solchen zu rühmen, sondern auch die Pflicht mitj übernommen, sich eines solchen Ahnen würdig zu erweisen. Wo gäbe es eine Tugend, die Abraham nicht I geübt? Reinste Menschenliebe, Uneigennützigkeit im höchsten Grade, Aufopferung seines einzigen, innigge- | liebten Sohnes, wo findet Ihr sie noch vereint in den Blättern der Geschichte? Sehet hin auf die anderen Völker, welcher Abstammung, sie sich auch rühmen, wie sie die Geschichte mit Absicht, nicht etwa aus Irrthum fälschen, wie sie diese allgemeine Lehrmeisterin entweihen und entstellen, um nur einige Generationen weiter ihre Abstammung nachweisen zu können. Und wer sind dann diese verehrungswürdigen Ahnen! Haben auch diese Gotteserkenntniss und Menschenbeglückung sich zum Ziele gesetzt. War es nicht vielmehr die gröbste Art der Genusssucht, des Eigennutzes, grenzenloser Willkür, wodurch sie die Macht erlangen wollten, Sklaven ihrer eigenen Begierden und Leidenschaften zu werden, sind es nicht solche, die gleich Pharao ausriefen: Ich kenne kein höheres Wesen, kenne keinen Gott, ich müsste meinen Leidenschaften einen Zügel anlegen, könnte nicht mehr frei walten und schalten. Es ist diess allerdings eine Freiheit, von der unsere Weisen sagen, dass sie das Zeichen eines niederen, knechtischen Sinnes sei. Selbstbeherrschung und Selbstbeschränkung kann nur durch Ein und Unterordnung in den göttlichen Willen erlangt werden, so wir Gott als unsern Herrn und König anerkennen, indem wir ausrufen: Du o Gott bist unser König von Abraham her, und bist heute noch unser Schutz und Hort, unser Herr und Meister. Und wer diesen Ausspruch gethan, m. a. Z. den Ausspruch, dass Gott allein unser König sei, es war selbst ein König, der König David, der Held in Sang und Sieg der umstrahlt von den Glänze königlicher Majestaet, umgeben von Tausenden, die seinem Worte lauschten, denen sein Wink Befehl war, dieser König beugt sich in Demuth vor seinem Gott mit dem Worten: Du o Gott bist mein König und bleibst mir Schutz und Schirm immerdar. Er der Held, dessen Heldenthaten schon in seine Knabenjahre zurückreichen, der zur allgemein gefeierten Persönlichkeit schon als Jüngling wird, fühlt keinen Stolz in seiner Brust, er ist weit davon entfernt, in den unserer Zeit so geläutigem Satz einzustimmen: Meine Kraft war es und meine Stärke, meine Tugend und mein Verdienst, die mir den Sieg und die Würde verliehen, er hat vielmehr nur den einen Gedanken, dass Gott sein König ihm den Sieg verliehen. 0 dass auch wir m. a. Z. ein solches Gottvertrauen besässen, dass auch wir würdig wären, stets so auf Gott hoffen zu dürfen, wie Abraham, wie König David es thaten, dass wir in jeder Lage unseres Lebens zu Gctt uns wenden und getrost ihm unsere Angelegenheit anvertrauen, in der festen Überzeugung, dass Gott als bewährter Freund und Helfer uns seinen Beistand nicht entziehen weide, und wir freudig und verjüngt in den alten Vers einstimmen: Du o Gott bist unser König, bestelle doch Heil für Jacob. Und heute, am Neujahrstag, am Tage der Erinnerung, wo wir die Töne des Scholar werden vernehmen, des Schofar, der uns laut und vernehmlich kündete, dass Gott König der ganzen Welt sei, ist es unsere Pflicht, es zu erkennen und zu bezeugen, dass wir als treue Nachkommen des alten Israel noch immer durchdrungen sind von den erhabenen und erhebenden Worten, dass Gottes liebevolle Fürsorge die ganze Menschheit umfasse, und dass alle, die diess anerkennen, einen besonderen Anspruch auf die göttliche Gnade erheben können. II Bestelle doch Heil für Jakob. Dass Israel diess Vertrauen zu seinem Gott bewahrt, hat ihm ein Recht verliehen, der besondern Fürsorge Gottes sich auch hinzugeben. Denn wohin sonst sollte das von allen Seiten gedrängte und wie ein Wild verfolgte und gehezte Israel seine Schritte lenken, wenn nicht ins Gotteshaus, wenn nicht zu Gott, der den Bedrückten ist stets ein Helfer gewesen in der Not. Und wahrlich m. Fr. Israel hat nur zu oft mit seinem Blute besiegelt, wie sehr es an seinem Gotte hange, wie sehr es treu den Satzungen seiner Vorfahren lebe. Und die Geschichte hat es mit unveiiöschl:chen Zügen in ihre Blätter eingegraben. Die Geschichte aber lehrt uns ferner, dass Israel zu jeder Zeit, so Mein es auch war, zur Zielscheibe grossen Spottes und blinder Verfolgung war, und nur einzelne erleuchtete Männer, waren es, die Israel in Schutz nahmen; recht spärlich waren sie, wie ein Wipfel auf der Spitze des Berges, und auch dann erst, wenn Druck und Drangsal bereits die höchste Stufe erreicht hatten. Und wenn auch m. a. Z. die Morgenröthe einer lichteren Zeit ist angebrochen, wenn auch die Sonne der Freiheit uns leuchtet, lasset uns ja nicht vergessen, dass der Feind im Geheimen lauert und jede Schwäche, die er beim Einzelnen erspäht, dem gesummten Israel zur Last legt. Noch immer ist bei Einzelnen der Hass ein grosser und tief wurzelnder, noch immer wird ohne Rücksichtnahme auf die geschichtliche Entwickelung so manches dem Judenthume zugeschrieben, was bei freiem