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Das jüdische Centralblatt · 1882-08-16 · 16 (16.8.1882) · p. Seite 183

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
16 (16.8.1882)
Date
1882-08-16
Page
Seite 183 (sequence 3)
Language
German
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 183 Georg Smith (der leider der vor kurzem der Keilschriftforschung zu früh entrissen würde) Auffindung der altbabylonischen Schöpfung-Sündenfall-Sintflut- und Thurmbauerzählung hat in den letzten Jahren mit Recht innerhalb der gebildeten Welt das grösste Aufsehen erregt und wol bei vielen, die sich für die Bibel und die älteste Geschichte des Orient's, dieser Wiege des Menschengeschlechtes interessiren, den lebhaften Wunsch erregt, jene Berichte unmittelbar kennen zu lernen. Das englische Publicum sollte nicht lange darauf warten. Nachdem George Smith schon im Anfang des vorigen Jahres in seinen Assyrian Discoveries London 1875 über die Erlebnisse und Ergebnisse seiner von den Inhabern der Englischen Zeitung The daily telegraph veranstalten assyrischen Expedition treuen und anziehenden Bericht erstattet und darin bereits die Sintflutgeschichte und andere alte Texte in Uebersetzung mitgetheilt hatte, fasste er zu Ende vorigen Jahres sämtliche von ihm bis jetzt aufgefundenen assyrischen Genes^siegenden in dem epochemachenden Werk Chaldaean Account on the Genesis, welches bereits 4 Autlagen erlebt hat, zusammen. Seit einigen Wochen ist dieses Werk nun auch dem deutschen Publicum zugänglich geworden u.z. unter dem Titel: Georg Smith's Chaldaeische Genesis Keilinschriftliche Berichte über Schöpfung, Sintfluth, Thurmbau und Nimrod nebst vielen anderen Fragmenten älteren babylonischen Schriftthumes. Autorisirte Uebersetzung von Hermann Delitzsch nebst Erläuterungen von Dr. Fried. Delitzsch Leipzig Heinrich's Buchhandlung. Da schon nach den der Genesis Israel in seine Vätern aus Babylonien gekommen (Ur-Chaldaeä □'Httf 3 ist das wieder aufgefunden Mugheir, auch in assyr. uru heissend, westwärts von der Vereinigung des Euphrat und Tigris gelegen, so ist die Entdeckung jener babylonischen Seitenstücke der biblischen Urgeschichten um so folgenreicher und gereicht vor allem dem hohen Alter des Inhalts der Genesis zu nicht geringer Bestätigung (Meine Herren, es ist diess der grösste und beste Schlag gegen die Herren Kritiker und modernen Bibelerklärer, die die Entstehung der Bibel selber bis in das erste Jahrhundert unserer Zeitrechnung zu setzen sich nicht entblöden.) (Fortsetzung folgt). Rede gehalten am I. Neujahrstage 5640 in dar Synagoge zu Königshütte (Oberschlesien). Heute ist der Schöpfungstag der Welt, heute werden vor Gericht geführet alle Weltgeschöpfe. Mit diesen Worten wird der jedesmalige Schofarton beschlossen, und nicht absichtslos ist diess geschehen, nicht ohne Grund ist der Schöpfungstag zu gleicher Zeit ein Tag des Gerichtes, des Gerichtes vor dem Richter, der da nicht kennet einen Unterschied zwischen Reich und Arm, zwischen Vornehm und Niedrig, zwischen Alt und Jung. Und fürwahr eö ist kein Tag hiefür geeigneter, als der heutige Tag, der Tag, mit dem das neue Jahr eröffnet wird. Ein solcher Tag, der einen Abschnitt unseres Lebens bildet, er lässt keinen, auch nicht den stumpfesten kalt und gleichgiltig, er wirkt wie eine elementare Gewalt, plötzlich, eindringlich, unwiderstehlich. Und welch' grössere Weihe könnten wir Israeliten diesem Tage bei- | legen, als dass wir bezeugen, dass Gott es ist, der seiner I Herrschaft Zeichen an diesem Tag der Welt hat aufgedrückt, welch kenntlicheres Merkmal, als dass Gott es ist, der seine Kinder, alle ohne Unterschied vor Gericht zu I sich lädt. Und m. a. Z. nur Gott allein vermag es an dem Tage, der ein Geburtstag ist, und ein Freudenfest ist für die Wrelt, auch zu Gericht zu sitzen über dieselbe; | nur Gott vermag es, strenges Recht zu üben und dennoch Gnade und Barmherzigkeit, ohne welche der Bestand der | Welt unmöglich wäre, im reichsten Masse walten zu lassen. Heute ist der Tag der Weltenschöpfung, heute stellt Gott | zu Gerichte alle Weltgeschöpfe. Israels wichtigste Aufgabe I aber bleibt es, einen so heiligen Tag zum Ausgangspunkte j seines Thuns und Handelns zu nehmen, weil es Israels Vorrecht war, die Erkenntniss des einen und reinen Gottes zuerst unter allen Völkern erlangt und verbreitet zu haben. Gott wurde als König der Welt in der grauesten Vorzeit schon von unseren Ahnen anerkannt, und der heutige Tag, er kündet uns laut das alte Wort: Du o Gott bist mein König von grauer Vorzeit her, so bestelle doch Heil für dein Volk Israel. Wie Israel bis jetztdiese seine Aufgabe,und sein Wort gelöst, was es in der Zukunft zu thun habe, um der göttlichen Hilfe würdig und gewiss zu sein, sei Gegenstand dieser der Andacht und Erbauung geweihten Stunde, wozu du o Gott uns deinen gnädigen Beistand angedeihen lassen mögest, AMEN. I. Du bist mein König seit alten Zeiten. M. a. Z. versetzen wir uns in die Vorzeit, werfen wir einen forschenden Blick in das unerfahrene kindliche Gemiith der ersten Menschen, so wird es uns wahrlich nicht befremden, dass sie von der Gottheit keinen klaren Begriff hatten; wir werden ihnen vielmehr unser Mitleid angedeihen lassen. Von der anderen Seite aber wird es uns mit heiligem Schauer erfüllen, mit aufrichtigem Dank zu Gott emporblicken lassen, wenn wir sehen, dass unser Stammvater Abraham, selber Sohn eines priesterlichen Götzendieners schon den beseligenden Glauben an Gott anerkannt und verbreitet, der barbarischen Welt in alle Ferne unerschrocken und furchtlos kündete, dass es keine Macht weder auf Erden noch im Himmel ausser Gott gebe, die

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