Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 16 (16.8.1882)
- Date
- 1882-08-16
- Page
- Seite 182 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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182 DAS JÜDISCHE CEN TRALBLATT. schiedenheit des sittlichen Karakters und Handel stattfindet, dass ein Jeder mehr oder weniger gottesfürchtig und tugendhaft oder sündig sei, dass so hier nach die göttliche Vergeltung und das göttliche Gericht für Jeden verschiedentlich ausfalle, geht von selbst hervor. Die so gestaltete und alle Pfade und Lehrgebaüde des Judenthums durchdringende grundsätzliche Anschauung war das Fundament, auf welchem das Judenthum die Religion der Toleranz geworden, als welche sie auch von grossen nichtjüdischen Autoritäten erkannt worden. Die Beziehungen der Juden zu den Nichtjuden waren stets von streng ethischen Prinzipien getragen. Abraham hat den mit Abimelech geschlossenen Bund getreulich gehalten, Josef hat die Egypter vom Hungertode gerettet, Moses leistete den Töchtern Jethro's Hilfe, Josuahatden Gibeonitern geschworenen Eid nicht gebrochen, David hat gegen den Sohn seines Wohlthäters Nachesch sich liebevoll erwiesen. Salomo hat in seinem Weihgebete der Heiden nicht vergessen, Jeremias hat die Exulanten zur Treue gegen ihr neues Vaterland ermahnt und so könnte man eine grosse Zahl von Personen anführen, welche die Sittengesetze gegen Nichtjuden strengstens ausgeübt haben. (Fortsetzung folgt.) Luzzatto's hebräische Correspodenz. Von Dr. M. Grünwald in Belovar. Wenn man von einem wichtigen Werke dieses Jahres sprechen darf, so ist unstreitig die hebräische Correspondenz S. D. Luzzatto's s. A. in die erste Reihe zu stellen. Wenn die Correspondenz eines gewöhnlichen Menschen ungemeines Interesse für den Menschen als solchen, dem nichts menschliches fremd sein soll, erregt, um wie viel mehr muss es die Correspondenz jenes Mannes sein, der sein ganzes Leben lang aus unversiegbarer Quelle seine Schätze vertheilte und sich am Geben so innig freute. S. D. Luzzatto's Correspondenz bietet eine Fülle ungekannten Materiales, sie lässt uns nicht nur den Mann Luzzatto, vor dessen tief wissenschaftlichem Ernst wir staunend stille stehen, erkennen, sie zeigt uns auch den treu ergebenen Sohn, den zärtlich liebevollen Gatten, den seine Söhne über alles liebenden Vater, und den hingebungsvollen Freund, kurz die Correspondenz rückt Luzzatto unserem Herzen näher und lässt uns ihn kindlich verehren. Soll ich noch noch ein Wort verlieren über Luzzatto's hebräischen Styl, der unerreicht dasteht? Die 2 bis jetzt veröffentlichten Bände enthalten so vieles und verschiedenartiges; und doch ist eine höhere Einheit hier nicht zu verkennen, es ist das rastlose Streben das Judenthum, zu verherrlichen und zu veredeln. Es ist nicht nothwendig, wie Prof. Dr. Kaufmann diess gethan, darauf hinzuweisen, dass viele wichtige Werke des Mittelalters so zB. das epochemachende Werk More Nebuchim in Briefforn erschienen, auch braucht man nicht auf die in vorigen Jahrhundert in Frankreich häufig vorkommende Bücher in Briefform zu verweisen. Luzzatto will um richtig gewürdigt zu werden, selbstständig erfasst, will in seiner Eigenart erkannt werden. Einen mächtigen Behelf zu dieser Erkenntniss bietet zunächst die in meinem Centralblatt in deutscher Sprache bereits veröffentlichte Autobiographie sowie die Biographie Luzzatto's und dessen gewiss nicht gewöhnlich begabten Vaters Ezechias. Der Index raisonne, der von dem unermüdlichen, seines grossen Vaters würdigen Dr. Isaja Luzzatto herausgegeben wurde, so wie der Catalogo ragionato dei scritti sparsi sind zum Verständnisse der Correspondenz von grossem Vortheil, und sollte jeder, der diese hebräischen Briefe studirt, — denn aus solch einem epochalen Schriftwerke muss man ein Studium machen — diese 2 Bücher sich verschaffen. Trotz alledem haben wir es sehr ungern gesehen, dass einige Briefe, statt sie vollinhatlich wiedersugeben, nur angedeutet wurden. Es stört ungemein den Gesamteindruck, wenn nicht sämtliche Briefe sich darin vorfinden. Gehen wir nun auf den Inhalt der einzelnen Briefe ein. (Fortsetzung folgt.) Vortrag gehalten im 3et-hamidrasch zu Wien. Der in den Trümmern der assyrischen Paläste bis jetzt wieder aufgefundene kleine Theil der assyrischen Literatur ist bereits fast so gross an Umfang wie das alte Testament, Auch hier, wie in so vielen Zweigen der morgenländischen Sprach-und Alterthumswissenschaft war es den Engländern vergönnt, den grössten Theil der versunkenen Schätze zu heben. So ist es denn auch nicht zu verwundern, dass nächst Julius Ojppert vorzugsweise englische Gelehrte waren, die sich erfolgreich an die Entziffeiung mächten (Rawlinson Hincks, Fox, Talbot, Sayce und andere) und wenn die deutsche Wissenschaft auch hier mit ihrer streng philologischen Richtung erst vieles säubert und ins rechte Licht stellt, ja die richtige Interpretation der assyrischen Texte abschliessend bestimmt, so muss sie doch heute noch, wenn es gilt, unedirte Texte des grossen Londoner Vorraths zu erspähen, den Engländern den Vorrang lassen.