Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 16 (16.8.1882)
- Date
- 1882-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ilo. 16 -o©*- ^Seloimr (Kroatien) 16. August 1882. DAS ■ ■ JUDISCHE CENTRALBLATT (ZUGLEICH ARCHIV FÜR DIE GESCHICHTE DER JUDEN IM KGR. KROATIEN). Herausgegeben von Rabbiner Xh\ M. Grünvmld. I. JAHRGANG. Das jüdische Centralblatt erscheint alle 14 Tage in V/t bis 2 Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Belovar bei J". Fleischmann) pro Jahrgang 4 fl. Inserate werden mit 10 Kreuzern die 8 gespaltene Petitzeile berechnet und auschliesslich entgegengenommen durch die Annoncen-Expedition Ton /. Fleischmann in Belovar, (Mannscripte werden nicht retournirt). INHALT. I. Grundprinzipien der Ethik von A. Roth Bez. Rab. in Siklos. II. Correspondenz Luzzatto's. III. Vortrag gehalten im Bet-hamidrasch von Dr. M. Grünwald. IV. Rede gehalten am 1. Neujahrstage 5640 in der Synagoge zu Königshütte (Oberschlesien). V. Die bosnischen Juden, von Adolf Strausz. Misceilen. I. Grammatikalisches, von Rabb. S. Hessl in Agram. II. Zum jüdisch-deutschen Literatur von Leopold Dukes in Wien. Recenslonen. I. Patriotische Casua'reden von Rabb. Dr. Unger II. S. D. Luzzatto's hebräische Briefe, gesammelt von Dr. J. Luzzatto herausgegeben von Eisig Graeber. III. Adria von Schweiger Lerchenfeld. Nachdruck nur mit VÖLLER Quellenangabe gestattet. Grundprinzipien der Ethik im Judenthume. Vom Bezirksrabbiner A. Roth in Siklos. (Fortsetzung) Der zweite Vorwurf, den die Feinde des Judenthums der jüdischen Ethik machen, ist, dass sie eine nationale Färbung hat; sie sagen, dass die jüd. Sittengesetze sich nur auf die Glaubensgenossen beschränken, während man einen unversöhnlichen Hass gegen alle übrigen Völker hegen darf und somit die ethischen Lehren gegen sie nicht zu beobachten braucht. Wie falsch diese Annahme ist, erhellt aus sehr vielen Steilen der h. Schrift, ich will nur einige zitiren: Schon in der Schöpfungsgeschichte heisst es: Gott schuf den Menschen in seinem Ebenbilde. Dieser Spruch betrachtet jeden Menschen, ohne Unterschied des Glaubens und des Geschlechtes als ein Kind des schöpferischen Gottes; dieser Lehrsatz verdammt das Zurückgehen auf die nationale Abstammung. Dr. Jellinek sagt: „Die hebräische Sprache, in welcher, wie in der Urgeschichte, und wie in jeder anderen Sprache, der Urgeist des Volkes sich am natürlichsten ausprägt und die von unseren Vorfahren einst geerbt wurde, hatte kein Lautzeichen für Nation, für die gemeinsame Geburt und Abstammung als Mittelpunkt der Staats-und Volkseinheit; sie konnte blos Bezeichnungen, wie goi, am, umä lom, kahal, edä, welche alle eine Vielheit, eine Mehrheit, eine Versammlung, bedeuten, die durch gemeinsame Bestrebungen, durch gleiche religiöse oder bürgerliche, staatliche, gesellschaftliche Einrichtungen zu einer Einheit sich gestaltet: und so hat, sagt der geistreiche Dr. Jellinek, der JGrenius der h. Sprache vor Jahrhunderten schon den Keim der grossen, in Verlaufe der Geschichte sich allmälig verwirklichenden Idee in sich getragen, dass Arme und Reiche auf gemeinsamen sittlichen und gesellschaftlichen Zwecken beruhen, und dass Nationalität und Sprache allein nicht den bestimmenden und tragenden Schwerpunkt derselben ausmachen (1). Dieses ist das Buch der Geschlechtsfolge Adams ist, wie schon ein grosser Rabbi behauptet, der wichtigste Vers in der h. Schrift, dieser lehrt, dass alle Menschen von einem Paare abstremmen und spricht uns die Brüderlichkeit und Gleichberechtigung aller Menschen. Und wenn es in der h, Schrift heisst: Israel ist ein von Gott auserkorenes Volk, so bedeutet dies nichts Anders, als das Volk, welches die Offenbarung empfangen und die Lehre des Einig-Einzigen Gottes tragen und bezeugen sollte für alle Welt und alle Zeit bis zu dem Tage wo wie der Ewige einzig ist, sein Name einzig sein wird auf der ganze Erde. Die Profeten lehrten ausdrücklich, dass die Völker nach und nach durch das Zeugniss Israels, die Entwickelung des Geistes und die Erfahrungen der Geschichte zur Erkenntniss und Anbetung des Einig-Einzigen Gottes kommen werden. Nirgends wird gelehrt, dass die übrigen Menschen, wenn nicht um frevelhafter Thaten willen, um ihres Nichtglaubens an den einzigen Gott verhasst werden. Dass unter allen Individuen eine Yer- (l) Predigten Jellinek's 2. Theil S. 129. —