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Das jüdische Centralblatt · 1882-08-01 · 15 (1.8.1882) · p. Seite 178

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
15 (1.8.1882)
Date
1882-08-01
Page
Seite 178 (sequence 10)
Language
German
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178 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. zu verbreiten. Rappawort, der Vater der anderen Kritiker, Zunz, der Nestor der jüdischen Wissenschaft, Decker, der Alterthumsforscher, Kirschheim, der unermüdliche Forscher der nachbiblischen Zeit. Jellinek, der fruchtbare Gelehrte und Prediger und eine grosse Zahl unserer Gelehrten schrieben nach Padua um Rath oder Beifall, Ermuthigung oder eine aufrichtige Meinung zu erhalten. Sedal war zu aufrichtig, als dass er nicht manchmal die Empfindlichkeit eines Autors verletzt hätte. Seine literarischen Gegner berichten dies, um ihm unlautere Motive unterzuschrieben. Richtete er seine Hiebe gegen den Nationalismus, so wurde er des Bigottismus (der Frömmelei beschuldigt, sagte man, er wolle das Judenthum stürzen. Die ihn aber näher kannten und seine ungeheuchelte Religiosität und die Rücksicht, die er selbst den Ansichten entgegengesetzter Ansichten angedeihen Hess,* sahen, diejenigen welche wussten, dass Luzzatto vertheidigen, die Wahrheit vertheidigen heisst, Hessen keinen Makel an Luzzatto haften. Hier will ich eine Thatsache, die der menschlichen Natur Ehre macht, anführen. Mehrere brühmte Autoren, die das aussei gewöhn liehe Verdienst Luzzattos anerkannten, ohne derselben religiösen Richtung anzugehören, erwähnten nie den Namen Luzzatto ohne Verehrung. — ein Abraham Geiger z. B. dessen ungeheure Gelehrsamkeit z. B. Luzzatto anerkannte, dessen heterodoxe Ansichten aber verurtheilte und von der Urschrift sogar sagte: „Ich glaube, dass die neuen hier bewiesenen Theorien nichts anderes als der Ausfluss chimärischer Ideen und einer erhitzten Phatasie sind. — Und als dieser Gelehrte zum 25. jährigen Jubiläum seines Rabbinates öffentlich gefeiert wurde, schicke ihm Luzzatto folgende pikanten Verse nebst einem Glückwunsche: Che dio nella sno bonta voglia benedice Abrain Coronare i suo sforzi die scienza e di successo Accordargli una longa vita, afinche i accinga A rialzare cio che ha atterroto. („Möge Gott in seiner Güte Abraham segnen, seine Bemühungen in der Wissenschenschaft mit Erfolg krönen, ihm ein langes Leben gewähren, damit er das, was er verdorben, wieder gut machen kann.) Und der Berliner Gelehrte beleidigte sich nicht nur nichtfdarüber, sondern stand ferner mit dem Manne in freundlichem Veikehr, der stets bereit war, der Welt mit seinem ungeheuren Wissen zu dienen. Und nun bittet Geigers Sohn den Sohn Luzzattos um die Briefe seines Vaters, damit sie im letzten Bande der nachgelassenen Schriften veröffentlich werden. Diese Briefe mit ihten Antworten, welche auf fliegenden Blätter geschrieben, eine Menge Noten und Aufsätze enthalten, die von dem berühmten Filosseus treulich gesammelt wurden, werden leicht die Biographie S. D. Luzzattos ergänzen helfen. Skizze aus dem Leban Ezechia Luzzatto's. Es ist nichts ungewöhnliches mehr, dass man beim Nachdenken über die Schicksale hervorragender Familien und über die Arbeiten ganz vorzüglich begabter Personen auch die Schicksale der Ahnen erforscht, um den Namen der würdigen Nachkommen desto berühmter zu machen. Heute ist der Name des Professor Samuel David Luzzatto ein in ganz Europa berühmter, seine Werke sind zahlreich und können ohne Uebertreibung ein literarishes Kaleidoskop genannt werden, denn sie umfassen die Grammatik, die Philologie, die Geschichte, die Rhethorik, die Poesie und die Exegese der heiligen Schrift: eine Encyklopädie, um nicht mehr zu sagen, damit man mich nicht der Heuchelei zeihe. Man ist gezwungen, eine solche Vielseitigkeit des Geistes zn bewundern und forscht sehnsüchtig den Keimen nach, welche jenen Lebensbaum im Eden unsrer Literatur hervorgebracht, welcher köstliche und süsse Früchte gezeugt hat. Aber nicht so leicht vermag man in den -iurch die Bescheidenheit verhüllten Kreis der Patriarchen zu dringen. Aber nach all den vielen Durchsuhungen unter vielen bestaubten und vom Zahn der Zeit hart beschädigten Schriften, wollen wir einen der Vorfahren S. D. Luzzatto's, nämlich seinen Vater, hier vorführen. Ezechia, Sohn Benedetto Luzzatto's und der Rachel Grego aus Verona, wurde in S. Daniele in Friaul im Jahre 5521 am 20. Schevat (25. Januar 1761) geboren. Die Familie seines Vaters bestand aus 2 Knaben. David und Ezechia und aus 4 Schwestern, Carolina HftPD Berseba Tamar ^fcfi und Benedeta alle in S. Daniele geboren. Ezechia nennt se;nen Charakter hypochondrisch, melancholisch und geneigt zu der Unart des Ballwerfens mittelst Holzstäben. Die Neigung zur Hypochondrie schwächte seinen Körper immer mehr und durch seine mechanischen Studien, welche unendlich viel Nachdenken erforderten, da er das pei«petuum mobile erfinden wollte, litt er grosse Kopfschmerzen und heutiges Herzklopfen, Schmerzen, die nach dem Tode der Mutter viel häufiger noch als früher sich einstellten. Eine andere Folge seines hypochondrischen Temperaments war seine Neigung zu j den Träumen, die ihn in schrecklichen Gesichtern er- I schütterten, sonderbare Berechnungen ihn anstelten Hessen,! um die LoUerienummern zu treffen. Nachdem er aber einmal die Abstracta dieser Studien arkannt hatte, rieth er jedem davon ab. In seiner zartesten Kindheit legte er Beweise seiner Gewecktheit und seiner Waghalsigkeit ab, er setzte sich in Gefahr, um Tauben zu fangen; sehr gern und sehr hitzig sprach er mit Priestern über Religion. Den ersten Untericht und die erste Erziehung erhielt er von seinem Bruder David, der sein Gevater war (JTT32)- ^eil) unternehmender und unruhiger Geist iess immer neue Gedanken über die Erfindung von Maschienen entstellen und er selbst schreibt, dass er seit

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