Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 15 (1.8.1882)
- Date
- 1882-08-01
- Page
- Seite 177 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 17T Österreich, das damals über die Lombardei und Venedig herrschte, billigte die von den zwei angesehensten Männern der Halbinsel getroffene Wahl. Gabriel Trieste und Nathan Kerwenisti haben das Recht dessen, der sich um die Professur der biblischen Literatur beworben, anerkannt. Im 30. Jahr hatte endlich S. D. Luzzatto die Genugthung trotz des Verdachtes, de:i man gegen seine einsamen Studien hatte, zu sehen, dass der Lenker der menschlichen Geschicke seiner Gelehrsamkeit ein weites Gebiet eröffnet habe. Er verliess seine Geburtsstadt, wo er wegen seiner Liebe zur hebräischen Sprache so viel erdulden musste, um nach Padua als bewunderter Meister der hebräischen Sprache zu kommen. Im Cheschwan 5590 — November 1829 — wurde diese rabbinische Anstalt fortan als ein Muster für die in den übrigen Ländern Europas errichteten theologischen Anstalten feieiTchst eingeweiht. Um die Feierlichkeit zu erhöhen, wurde ein aussergewöhnlicher Gottesdienst in der deutschen Synagoge abgehalten, welchem christliche Professoren und hervorragende Männer beiwohnten. Elx. Aron Jatfes, Oberrabbiner von Venedig, verkündete, dass der Kaiser Franz I. die Wahl der Herren Deila Tori und Luzzatto genehmigt, und ermahnte seine Glaubensgenossen in kurzer Rede, der ein glühendes Gebet folgte, den Beweis zu liefern, wie sehr sie das Interesse des Kaisers für diese Anstalt zu würdigen wissen, da die Anstalt dazu berufen sei, neuen Glanz über das Judenthum zu verbreiten. In einem langen Briefe, welchen der berühmte Jac. Reggio an den Paduaer Rabbiner Glirondi erhalten und der im KeremChemed veröffentlicht wurde, ist folgender Aufruf zu lesen: „ Söhne Israels, die Ihr in Italien wohnt, lenket die Schritte Euer Kinder zur Wiege der jüdischen Wissenschaft, in welcher die Schüler durch eine gute Methode das nöthige Wissen erlangen werden, den Herrn (Gott) anzubeten und andern unsere Gesetze kundthun werden, damit der Ruhm unserer Genossenschaft bei den übrigen Völkern erhöht werde. Zeiget, dass die Jünger dieser Anstalt einen richtigen Begriff von ihrer Religion haben und dass sie jeder Anforderung in Bezug auf Bibelkentnisse und Wissenschaft genügen können, und die ganze Welt dann eingestehen wird, dass es uns gelungen ist, mit den Berühmtheiten der früheren Zeit zu rivalisiren — mit den jüdischen Theologen j und Aerzten dieses Landes. Aber obgleich die gröste Zahl der Hörer, (welches leider kurz nach Luzzattos Tod zu Grunde ging <;) Itali- - p-m nbn *d — pn ■^dn'hüö b&^z: -im )bip üv:n DWtfn djtm tfryi rhün bbärvi nanaa tot - nny pr. rca in?a w nnotm mix nrvn cnrrS - r\mm nbnx ♦ «■*■»■»• >u»*»e«»i ♦ I j ' W. kr . Siehe dagegen die Zeitschrift Mose 1882, Maiheft S. 161. Der Brief Arv. Michele della Thore, wo er mittheilt, dass das etstCollegium rahbimum erst am 9.Juli 1871 aufgehoben wurde. ener waren, fanden sich dennoch auch Deutsche, Russen und Polen, die zu den Füssen des grossen Professors sassen. Er, der analytisch die heilige Schrift vortrug, interessirte sich sehr für das Geschick seiner Hörer. Es war sein Stolz, jede Ansicht, die sie hatten, zu vernehmen und zu notiren und mit väterlicher Liebe verewigte er in den eigenen Commentarien die Ideen, die die sie über verschiedene Themata äusserten. Seine Schüler waren seine liebsten Freunde, Durch sie wurden unsere Werke hervorgebracht, die den Namen S. D. L. (Sedali) verewigten. Die italientsche Uebersetzung in die hebräischen Noten zu Isaja, die kein anderer als Luzzatto hatte machen könuen, wurden im Laufe seiner Vorlesungen von ihm verfertigt. Gleichen Ursprung haben die italienische Uebersetzung des Buches Ijob, sowie der gröbere Theil der biblischen Bücher. Die vollständige Grammatik der hebräischen Sprache, die Elementargrammatik der chaldäischen, der Bibel und des Talmud, verdanken ihre Entstehung der fielen Erkenntniss, die Luzzatto von den Pflichten eines Lehrers hatte. Die dogmatische Theologie, die Moraltheoiogie, Werke, welche die Fortsetzung und Entwickeiung des Judenthums genannt werden dürfen, hatten die Absicht, den Gefühlen eines sich stets gleichbleibenden Charakters zu entsprechen. Die italienische Uebersetzung und der hebräische Commentar des Pentateuchs, seine religiös-historischen Abhandlungen, seine Vorlesungen über die Ereignisse der Jnden nach der ersten Zerstörung und viele andere Arbeiten stammen ohne Zweifel von dem seltenen Pflichtgefühle, das er vor Gott und dem Judenthume verantworten zu müssen glaubte, her. Und dieses Gefühl, welches Famiiienunglück umschleichen konnte, war die Ursache, dass alle, welche eine richtige Anweisung zum Erforschen der heiligen Wissenscdaft verlangten, sich an Luzzatto wie zum Polarsterne wandten. Ein ganz fremder Neuling durfte sich kühn an ihn wenden und durfte sicher rechnen, ausführliche befriedigende Nachrichten von ihm zu erhalten. Die Briefe, die er empfangen und beantwortet, und die Bezug auf jüdische Wissenschaft haben, können eine Bibliothek ausfüllen. Denn Jnden sowohl als Nichtjuden wussten, dass der Professor von Padua seine Talente nur als Urtheil betrachtete, die Menschen besser zu machen. Was er dem Dr. Formiggini sagte, wurde von Luzzatto im Leben bewährt: „Wenn Sie mich achten, so hoffe ich, das es nicht der Fähigkeiten wegeu ist, welche ich besitze, sondern wegen des Gebrauches, den ich von ihnen mache, ein Gebrauch von einer wohlerwogenen Denkungsart. Und das ist der einzige Grund meines Stolzes. Es erschien kaum eine Zeitschrift in hebräischer, italienischer, deutscher, französischer Sprache,zu der Luzzatto keine Beiträge geliefert hätte. Ein verdienstvolles Werk verliess selten die Druckerei, ohne seinem Urtheil unterworfen zu werden. Die hochgestellten Personen, wie die niedriggestellten nahmen seine Zeit in Anspruch, welche er unermüdlich dazu verwandte, die Wissenschaf-