Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 15 (1.8.1882)
- Date
- 1882-08-01
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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176 DAS JUDISCHE CENTRALBLATT. Fast in jeder Stadt waren gebildete Rabbinen, doch | war die Wahl des Herrn Cellio Deila Torre eine glückliehe. Er vereinigte mit einer tiefen Kenntniss des rabbinischen Wissens eine klassische Bildung, die Kenntnisse der modernen Sprachen und Literaturen und war ein Mann, der vorzüglich predigte und mit Eleganz schrieb (3). Aber es war nicht leicht, eine Person zu finden, die dem zukünftigen Theologen die Liebe zu heiligen Schrift, gegründet auf die tiefe Kenntniss derselben, und den festen Entschluss, dieselbe gegen die Angriffe der Skeptiker zu schützen, beibringen würde. Mit grosser Aengstlichkeit beobachtete Luzzatto die Entwickelung eines Ereignisses, welches in den Annalen des Judenthums in Italien von sich sprechen machen sollte. Schon imJahre 1826 schrieb er seinem Freund ein Padua: Sie würden mir einen Gefallen erweisen, wenn Sie mir über Alles, was das Institut betrifft, Mittheilung machen würden. Lassen Sie mich wissen, ob das Gerücht wahr ist, und man ernstlich davon spricht. (4) 1827 schrieb er von Neuem: Ich bitte Sie mir alle das Coli, rahb. betreffende Nachrichten mitzutheilen. Wird es zu Stande kommen? Ist die Wahrscheinlichkeit vorhanden, fähige Schüler zu erhalten V Welche Anstalten trifft man, die verschiedenen Lehrkräfte hiefür zu gewinnen? Männer, die aus persönlichem Verdienste oder aus Protection mich verdrängen könnten? In einem Worte, rathen Sie mir, mit zwei vorzüglichen Zeugnissen von den Rabbinen Colopna und Reggio ausgerüstet, mich darum zu bewerben? (S. hierüber Dr. J. Luzzatto's Aufsatz im Jalihefte des Corriere israeliticö j des Jahres 1877). Glauben Sie, dass ich wenigstens als Candidat zugelassen werde? Und angenommen, dass ich als Candidat zugelassen werde, was rathen Sie mir für die Ruhe meines Gemüths und meine Eigenliebe zu thun? Ich bitte Sie ernstlich, da ich Sie für meinen wahren Freund halte, mir einen aufrichtigen Rath zu ertheilen? Es ist für mich eine sehr wichtiger Gegenstand, und hält mich in steter Aufregung." Später, gegen Ende desselben Jahies schrieb er: Lebhaften Dank für die vielfachen Mühen, die Sie hatten, um meine Wünsche zu befriedigen Celio della Torre oder Hillel Cohen wurde in Cuneo im Jahre 1805 geboren. In zwei Jahren Waise geworden, wurde er vom mütterlichen Onkel, dem Rabbiner S. G. Treros aus Vercelli erzögeu. Er war kaum 18 Jahre, alt, unterrichtete er Philologie in einem Privatgymnasium Turins. Kurze Zeit war er Rabbiner, aber bei der Eröffnung des Coli. rabb. in Padua konnte er seine Fähigkeiten besser verwerthen. In seiner Jugend schrieb er Gedichte unter dem Titel Tal Jaldat, dann eine italienische Uebersetzung der Psalmen mit exegetischen Noten, einige Predigten, theils französisch, theils hebräisch. In hebräischer Sprache veröffentlichte er Briefe voll von Scharfsinn und Gelehrsamkeit an den Redacteur des Kerem Chem ed Vor Kurzem veröffentlichten seine Söhne sehr schöne von ihm während der hohen Festtage im Monat Tischri gehaltene Predigten un d im Anhang ein Verzeichnis? all seiner Schriften. S. M. (') Die mit Dr. Saul Termiggio über das Institut gepflogene Correspondenz lag dem Autor dieser Schrift vor. Der erste, der mächtigdazu beigetragen, dass Luzzatto amCollegiurn rabb. Professor wurde, war der Rabb. Leon Osiino, der in einer Rede die glänzende3i Vorzüge Luzzattos als Schriftsteller und als Mensch hervorhob. S. M gleichzeitig theile ich Ihnen mit, dass ich vergangenem Freitag nach Empfang ihres lieben Schreibens per Post mein Gesuch und meine Zeugnisse abgeschickt und das Resultat Gott überlasse. Möge Gott thun, was zu meinem Besten ist. Vertraue Gott deinen Zustand auf habe Zutrauen zu ihm, und er wird, dich dein Ziel erreichen lotsen. Es war immer mein Grundsatz, mich nicht vorzudrängen, dann aber berufen, nicht zurückzutreten. Da ich eines Concurs für jüdische Wissenschaft eröffnet sah, schien ick mir dazu berufen zu sein. Wenn ich einen grossem Freund der jüdischen Literatur kennen würde, würde iefe mich sicherlich nicht beworben haben." Mancher glaubte jedoch, dass seine geringe Mittheilsamkeit ein Nachtuet, für ihn wäre. Luzzatto wandte sich deshalb an Dr. S. Formiggini im Februar 1828 und dieser schrieb: Ich biß Ihnen wahrhaft verbunden, für die genauen Mittheilungeß die Sie mir über alle Vorgänge machen, sowie auch für das freundliche Wohlwollen, das Sie mir entgegenbringen» Schon vor einigen Tagen wollte ich Ihnen hierfür danken! und eine kleine Dissertation über die Mitth2ilung, vor welcher nur wenige wissen, worin sie besteht, hinzufügen, aber ich habe meinen Entschluss geändert und Ihnen erst später geschrieben, um nicht den geringsten Einfluss auf diese Angelegenheit auszuüben; denn ich bin nun fest entschlossen, da* Ganze der Vorsehung zu überlassen.* Im Mai 1829 schrieb er folgende Zeilen: Ich schreibe viel mehr mit dem Herzen als mit dem Verstände, denn dieser, zu sehr von den unglücksvollen Folgen, die e'm Schritt von den aufrichtigsten Absichten erfüllt, für mich bereiten kann. Und glauben Sie, dass ich, der ich seit 20 Jahren (denn im Alter von 8 Jahren dachte ich daran der Regenerator meiner Nation zu werden) mit diesem Gedanken mich beschäftige, glauben Sie, dass ich all dies nicht reiflich überlegt und erwogen habe? Aber nach reiflicher Überlegung halte ich es für das Besce, mich ganz auf das Urtheil d<:r Alten zu stützen, und nicht wie jener unglückliche König auf unerfahrene Jünglinge. Ich habe genug gesprochen. Möge Herr Trieste entscheiden und empfehlen" (5). ') Gabriel Trieste sen., Direktor de&Colleg. rabb. in Padua, seit dessen Inslebentreten, war der eifrigste Israelit für die öffentlichen religiösen Angelegenheiten in Padua. Luzzatto spricht in seinei? Briefen häufig von ihm. In seiner Einleitung zum Propheten | Josaja schreibt er: Unter den Besten, die mich unterstützten, I nenne ich den unter unseren Glaubensgenossen hochberübmten, j den Stolz unserer Gemeinde, der voll ist von herrlichen Eigen, sehaften, die alles Lob verdienen, der Gottesfurcht, mit Weisheit vereint — den edelmüthigen Herrn Gabriel Trieste, der mir und meiuem verstorbenen Sohne Fillosseno die reichste Güte angedeihen liess. Unser trefflicher rreund Dr. Jesaja Luzzatto theilt uns mit, das Jes. Morais für den älteren G. Trieste (S. M.) mit dem jüngeren verwecbselt, da die Stelle in Jesaija sich auf den! jüngeren bezieht. Uebrigens waren beide aussergewöhnliche Männer, der erstere war s«-hr gelehrt und ein wircklicher Philosoph, der zweite ein treuer Anhänger der angestammten Religion. Von dem letzten spricht Luzzatto in Kimez naim (II. S. 313), indem er ihm zur Genesung Glück wünscht. Diesem Sonett sind folgende Worte vorgesetzt: — ninawn :m2 Sbinsn npn -orr