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Das jüdische Centralblatt · 1882-08-01 · 15 (1.8.1882) · p. Seite 175

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
15 (1.8.1882)
Date
1882-08-01
Page
Seite 175 (sequence 7)
Language
German
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 175 Biographie S. D. Uzzatto's. ( ) (Fortsetzung) Das achtzehnte Jahr sah dieses leuchtende, nach Wissenschaft sich sehnende Genie Luzzattos noch immer als bescheidenen Arbeiter in der Werkstätte eines Mechanikers. Sein Geist sträubte sich dagegen, aber die Notwendigkeit hielt ihn beim Drechslerhandwerk. Er trat ins neunzehnte Jahr. „Das Kind wird ein Mann", sagte der Student, während er die Schürze eine> Arbeiters trug. „Endlich miiss ich doch einen Entschluss fassen, vielleicht finde ich eine nicht so unangenehme Beschäftigung." Und eine Uhrenfabrik hielt den Jünger der Wissenschaft ein ganzes Jahr gefesselt, Nichts;lestoweuger genügte die Unterjochung des Geistes nicht für seinen körperlichen Unterhalt. Die Familie, bestehend aus dem Vater Ezechias. unserem Samuel David, und einer jüngeren Schwester lebte ia unbekannter Armuth. Ein spärliches Einkommen, das sie von dem Theile eines kleinen Besitzes erhielten, wurde ihnen in einer Nacht von Räubern entrissen. Um nur den Hunger zu stillen, mussten sie Dinge verkaufen, die ihnen weit theuerer waren, als ihr wirklicher Werth war. Ein Verwandter hatte Mitleid mit ihnen und gab ihnen Beschäftigung in seiner Fabrik. Der alte Luzzatto und sein Sohn, der bestimmt war, als Fürst in der Gelehrtenrepublik zu thronen, arbeiteten fieissig Teig für Vermiall und Maccaroni. Ihr Vertrauen auf die Vorsehung, wodurch sie die männliche Würde inmitten von Arbeiten, die ihrer gar nicht würdig waren, bewahrten, war ein unbeschränktes, und die gütige Vorsehung belohnte dieses ihr Vertrauen. Die peinliche Schüchternheit Luzzattos hatte ihn fast unnahbar gemacht. Auch nachdem er bereits durch einige seiner Schriften bekannt geworden war, hatte Niemand sagen können, ob der gelehrte junge Mann die Fähigkeit besitze, sein Wissen anderen mitzutheilen. Endlich wurde der Versuch gemacht, und der Erfolg, womit derselbe gekrönt wurde, machte seiner Armuth ein Ende. Mit dem Unterrichte eines für das Studium befähigten Kindes beschäftigt, erfüllte Luz- 'latto seine Aufgabe in bewundernswerther Weise. Die Eltern vertrauten daher sehr gerne ihre Kinder einer Person, die mit so mannigfaltigen Kenntnissen ein so tiefes Pflichtgefühl vereinte. Luzzatto fing an, die Freude zu empfinden, die Frucht seiner Fähigkeiten mit seinem verehrungswürdigen Vater zu theilen und einige Ruhe einem in steter Arbeit zugebrachten Leben zu bereiten. Während seiner Ruhestunden (!) Die hier erscheinende Biographie wurde auf Grund des von Dr. Isaja Luzzatto dem Rev. S. Moais gegebenen Materials von diesem bearbeitet und zwar in englischer Sprache, dann von Dr. J. Luzzatto ins italienische übertragen, und wir übersetzen nun aus dieser italienischen Uebersetzung Dr. J. Luzzattos, des unermüdlichen Arbeiters zur Verherrlichung seines hochberühmten Vaters und des Judenthums. übersetzte er in gutes Italienisch ein Gebetbuch nach deutschem Ritus, und dessen Veröffentlichung im Jahre 1821 miichte ihm einen grossen Namen, wenn es auch nicht sehr einträglich war. So vergiengen vier Jahre in Frieden nnd Glück, als er im April 1824 den schweren Verlust seines Vaters beklagen sollte. Dessen Tod war für ihn weit furchtbarer, als in gewöhnlichen Umständen; denn sei guter Vater war gleichzeitig der unermüdliche Lehrer des Sohnes von der ersten Kindheit angefangen bis ins Mannesalter hinein. (Ein schöner hebräischer Psalm, in den Bikkure häitim veröffentlicht, worin Luzzatto die häuslichen Tugenden seines Vaters Ezechia rühmte, die Gefühle der Dankbarkeit gegen den Urheber seines Seins und seiner Lehre zum Ausdruck bringt, wurde ins Englische übertragen und im Jahre 1865 im„Occident„ vonlsaak Leest-r mitgetheilt) Aber der durch den Tod seines heissgeliebten Vaters tiefbetrübte Sohn fand Trost, indem er Wohlthaten gegen Lebende übte. In der Wohnung, die nun des verehrungswürdigen Vaters beraubt war, sass täglich ein .inner aber hochbegabter Jüngling, um Nahrung und Unterricht zu erhalten, und seine geistigen überraschenden Fortschritte wurden für den Wohlthäter die Ursache der grössten Freude. Fortsetzend seine Unterrichtsstunden in der Geburtstadt und mitarbeitend an der jüdischen Zeitschrift Bikkure häitim, die in Wien erschien, erreichte Luzzatto das 26. Lebensjahr. Im Oktober dieses Jahres heirathete er Bella Betsabea Segre, welche von ihrem Vater jene Geistes- und Herzensgaben geerbt hatte, die ihr Gatte so schön in seiner Autobiographie beschrieben. Sie machte ihm ein zu himmlisches Geschenk, als dass es von den Sterblichen sollte besessen werden, in seinem erstgeborenen Sohne Fillosseno; eine lebendige Vollkommenheit des menschlichen Geistes (2) Aber das wichtigste Eieigniss im Leben Luzzattos bildete das Jahr 1829. Die Zeit hatte nämlich die Lage der italienischen Juden bedeutend geändert. Die Unterichtsanstalten, bisher in den Schatten des Ghetto gestellt, und dessen Fortschreitender Entwicklung stets Hindernisse entgegengetreten waren, konnten sich immer freier entfalten. In der Lombardei und in Venedig kamen Versammlungen zu Stande, welche ein Colhgium rabbinicmi zu Stande bringen wollten, in welchem die Studirenden nach Beendigung ihr Gymnasialstudien die verschiedenen Zweige der Theologie systematisch und wissenschaftlich lernen konnten. Aber die Frage, wem man den Unterricht in der Bibel in philologischer, permanentischer, historischer und moralischer Hinsicht anvertrauen konnte, bewegte sehr die Gemüther der Halbinsel. Die Wahl für einen Talmudgelehrten schien viel leichter. (-) Siehe Mose I. 1860 herausgegeben von Rabb. Levi ia Corfu.

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