Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 15 (1.8.1882)
- Date
- 1882-08-01
- Page
- Seite 174 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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174 DAS JÜDISCHE CENTRALBI, ATT. sern, die nächste Ursache. Und welchem Zwecke soll diese erstrebte Verbesserung vornehmlich dienen? Der Befriedigung meist rein materieller Bedürfnisse. Genusssucht, welche stets Arbeitsscheu zur Folge hat, ist die hauptsächlichste Triebfeder des Handelns, nebst anderen Selbstsucht entspringenden Motiven, wie etwa Eitlkeit, Ehrgeitz bis zur äussersten Grenze desGrössenwahues und Neid den aüsserlich Begünstigten gegenüber. Und doch könnten wir leicht die Ueberzeugung gewinnen, wie eitel und nichtig der Ruhm der Welt ist, wie vergänglich und flüchtig die Güter derselben. Die Gebrechen, an denen der Gelehrte wie der Ungelehrte, der Reiche wie der Arme, leidet, ich will sie Euch sagen, und das Mittel Euch nennen, wodurch diesem bedauerlichen Übelstande noch kann gesteuert werden. Es ist dies eines der Kennzeichen unserer Zeit, dass der Geist selber. las Talent in sich herabgekomnien ist, weder in sich die schöpfende Kraft, noch nach aussen die Achtung und Geltung hat. Es liegt dies eben darin, dass das Talent sich selber in seiner natürlichen Triebkraft nicht vertraut, der Geist, in dem es reden, schaffen, wirken soll, sich selber nicht achtet in seiner Unmittelbarkeit, in seinem natürlichen Ausflüsse von Gott nicht anerkannt, nicht begriffen hat, in jede zeitweilige Neigung und Richtung der Zeit sich einlässt, die über Tag und Xacht schon veraltet und verdrängt ist und einer andern Platz macht, die Alles auf Sinnerreitz, alles auf die Fertigkeit, auf die Uebung, und nichts auf den eigenen schöpfrisehen Geist an dem es selber keinen Glauben hat, weshalb es auch eben so schnell in sich, als in der Achtung und Geltung der Welt herabgekommen ist. Ihr Gelehrten, blicket einmal auf unsere alten Meister und Lehrer, die ihr ganzes Leben, ein Leben voller Entbehrungen und Verfolgungen, dem Studium der heiligen Schrift weihten, widmeten und schenkten, die sasseu still und ruhig und für sich, und kamen ihrem heiligen Berufe nach. Sie erhielten sich aber dabei das Herz rein und frisch, in ihrer Unabhängigkeit von Reichen und Begüterten, gewannen an Ansehen und Geltuug für sich, an Ansehen und Geltung für ihr Studium, das sie mit aller Glut und Liebe als ihren eigentlichen Lebensschatz vertraten. Wie die Welt nur durch Frieden erhalten werden kan, so ist das Studium ein Frieden bringendes, so ist es die heilige Schrift, von der es heisst, dass Ihre Pfade lieblich, aii ihr Wege friedlich sind. Und Ihr Ungelehrten, denen die Sonne der Wissenschaft nicht leuchtet, die Ihr Euch an Ihren Strahlen nicht wärmen könnt, die Ihr Nachbeter menschlicher Aussprüche werdet, kehret zurück zum Worte Gottes, dem belebenden und erquickenden, dem erheiternden und erleuchtenden; sagt doch der Psahnist: Gottes Lehre ist vollständig, ist für alle Menschen gleich, sie erquicket und erfreuet das Gemüth, macht Einfältige klug. Ihr müsst einen sicheren Halt, einen festen Stützpunkt gewinnen, und den könnt Ihr nur durch Forschen in der göttlichen Lehre, durch Befolgen Ihrer Vorschriften erlangen. Die Lehre Gottes, sie ist nicht erblich, sie ist nicht verkäuflich, sie ist nicht an Stand und Rang gebunden Eine Lehre, einerlei Recht lind einerlei Pflicht ist für den Fremden und Einheimischen im Lande, und in deren Befolgung werdet Ihr den. wahren und beglückenden und herzerfreuenden Frieden finden. Der Bund des Friedens, der Friede Gottes, er ist in der Thora, und er schenkt ihn jedem, der ehrlichen Herzens, treneu und unverfälschten Sinnes sich ihr weihet. Und Ihr Reichen und Mächtgen undVornehmen, was ist's dass auch EueremThun jeder Stützpunkt fehlt, dass Euere Stiftungen nicht von Dauer, dass Euer Wirken Euch selbst schaal und lehr und gehaltlos erscheint, wenn ihr es nur ein wenig ei ns: untersucht? Was ist s, warum Ihr vergebens Frieden und Zufriedenheit erwartet, ersehenet und erhoffet, dass dafür Unheil und Unfriede und Unglück hervorspnesset Säet mit Recht für Recht und in Gerechtigkeit, und der Quell hiefür, es ist die heilige Schrift, deren Bestreben, deren Absicht, deren Zweck es ist das Menschenheil zu begründen, zu festigen und | zu sichern, deren Zweck es ist ein Bund des Friei 1! dens, der Vereinigung, der Vervollkommnung, der ganj zen ungeteilten Freude, wahren Glückes zu sein und | zu bleiben Und endlich Ihr, die Ihr Euch die Armen und Unterdrückten, die Geringen und die Niedrigen nennt, gibt es denn wirklich nichts, das Euch hinwegsetzen könnte über Euere Qual und Marter und Pein? Werfet I doch einen Blick in die Geschichte unserer Vorfahren; und sehet, wie sie jeden äussern Glanz gering angeschlagen, um nur vor Gott gerecht und rein zu erscheinen. Sagt doch König David von sich: „Ein Wurm ein staubgeborener bin ich, und kein Mann von h0hre Würde, j der pochen und bauen könte auf seine Macht. Solche Aus- I Sprüche, könnte Ich Euch häufen, sie würden aber die I Grösse Eurer Schuld nur mehren. So wisset denn, dass j jegliche Herrschaft über die Mitmenschen strenge und! grosse und schwere Verpflichtungen uns auferlegt, den Menschen gegenüber, Gott gegenüber, und uns selbst gagenüber. Auch Euch kann nur das Studium der heiligen Schrift dazu verhelfen, Frieden in Euer Gemüth, und Freude in Euer Haus zu bringen. So nehme denn der Gelehrte wie der Ungelehrte, der Reiche wie dei Anne, der Vornehme wie der Niedere das Buch Gottes zar Hand und forsche darin genau, in dem Buche, das uns eine Leuchte war in finsterer Nacht, das uns eine Leuchte, bleiben, muss, wenn die finstere Nacht einst wiederkehren sollte in Israel /'was Gott verhüten möge); und ein jeder wird in ihr Trost und Bemhi gung, Glück und Freude finden, und jeder wird an sich die Worie bewahrheiten: Ihre Wege sind ausmuthige Wege, auf allen ihren Pfaden ist Friede. AMEN.