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Das jüdische Centralblatt · 1882-08-01 · 15 (1.8.1882) · p. Seite 173

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
15 (1.8.1882)
Date
1882-08-01
Page
Seite 173 (sequence 5)
Language
German
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DAS JÜDISCHE C ENTRALBLATT. 173 die Wesenheit Gottes bezeichnet, Friede in sich und mit sich, Friede mit Gott und in Gott, Friede mit der Mitwelt und in derselben,—das ist das Wort, das immerfort wird gehört, das aber dennoch unserer Zeit so sehr abgeht. Friede aber will so viel sagen, als Zufriedenhet, und Zufriedenheit ist Glück. Ist etwa das Sei eben nat : Glück und Glückseligkeit nicht berechtigt, ist wirklich das Leben, wie so viele in unserer Zeit behaupten, ein Jammerthal, wo nichts als Kummer und Leiden zu erwarten sei, oder nicht? Und wenn nicht, was ist Schuld daran, dass wir trotz unseres unleugbaren Fortschrittes in Kunst und Wissenschaft, Industrie und Handel, nicht weiter vorgeschritten, sondern vielmehr einen Rückschritt zu verzeichnen haben? Der einzige Grund, m. a. Z., er kann nur darin liegen, dass der echte und rechte Frieden, das wahre und klare Heil nicht das ist. was wir bisher angestrebt; da^s wir also eine andere Bahn einschlagen müssen, deren Befolgung unser Glück befördern und stärken und festigen kann. Ihr Gelehrten, die Ihr Euch für die Spitzen der Gesellschaft haltet, die Ihr von Euerer hohen Warte herab mitleidig auf alle herabblicket, die mit der Wissenschaft sieb nicht beschäftigen, die es nicht zu ihrem Lebensziele gemacht, in die Geheimnisse der Natur einzudringen; habt Ihr sie gefunden die Quelle des Heils, wodurch Ihr die Menschen beglücken könnet? habt Ihr sie endeckt die Gegend, wo dass Licht wohnt, womit man die Herzen der Unwissenden erleuchten und erwärmen, erheitern und erfreuen könnte. Sind euere Pläne darauf gerichtet, wohlzuthun der Menscheit, oder seid Ihr in einer Selbsttäuschung befangen,und glaubt ihr, dass Eure Pläne im Stande sind gutes zu bewirken, wenn sie nicht von den heiligenden Gedanken der Religion getränkt werden? Ihr, die ihr die Wandelbarkeit menschlichen Sinnes und Trachtens am besten kennen solltet, wisset Ihr nicht, dass das Herz unerforschbar ist, und dass der kalte Verstand am allerwenigsten dem menschlichen Herzen auf die Dauer Befriedigung gewähren könnte? Trügerisch ist das Herz und schwankend, wer will es mit seinem Verstände ergründen? Auf diesem Wege allein, wenn Ihr Gelehrten nicht auf Sitte und Sittlichkeit, auf Veredlung des Gemüthes hinwirket, ist der wahre Friede nicht zu erreichen, nicht zu erhoffen. Aber auch Ihr selbst habet nicht den Frieden, der zum Glücke nothwendig ist, Ihr habet nicht den Frieden, den die gute Sache von selbst bringt. Und ihr Ungelehrten, Ihr, denen es nicht vergönnt ist, aus dem Borne der Wissenschaft zu schöpfen, denen die Wissenschaft nicht zugänglich ist, was is'ts denn, dass auch Ihr die innere Beruhigung und Zufriedenheit nicht finden könnt, die das wahre Glück mit sich bringt? Was der Gelehrte als Rechtfertigung vorbringen kann, dass er die Wissenschaft heben und fördern und mehren will, und wenn er irrt, er mit Ijob sagt: so will ich die Folgen meines Irrthums büssen, könnt Ihr auch das für Euch vorbringen? Ihr, die Euere Vernunft durchaus nicht zwingen kann, die alten und bewährten Pfade der Religion und Sittlichkeit zu verlassen, die Ihr nur Nachbeter und Nachtreter seid, seid Ihr Euch nicht dessen bewusst, das Ihr dadurch Eure Menschenwürde erniedriget, während Ihr in dem Wahne lebt sie zu heben? Und Ihr Reichen und Ihr Vornehmen der Erde, deren Einfluss ein bedeutender, deren Wort ein tonangebendes, deren Ausspruch oft ein entscheidender ist, was ist's, was Euch düster und uuzufrieden macht? Reichthum, Ehre, hohe Stellung, sollte man doch meinen, führen nothwendig Glück und Zufriedenheit herbei. Aber wie kann Zufriedenheit im Herzen weilen, wo Genusssucht, Selbsttäuschung und Eitelkeit die Triebfedern alles Thuns und Lassens sind. Wie kommt es, dass bei Eurer geträumten Humanität und Bruderliebe ein Zug wahrhafter Bosheit, Selbstsucht und Zerstörungswuth durch fast alle Gesellschaftsklassen geht? Wie kommt es, dass der Glaube an Menschenhoheit zum Spotte wird, während ihr doch die Grossen und Hohen und Mächtigen und die Herren genannt werdet, dass auch auf Euch das Wort angewendet werden kann: Friede, „Friede, und doch kein Fride." Und Ihr Gedrückten und Ihr Schwachen, Ihr Armen und Mittellosen, warum ist denn auch auf Eurem Gesichte nur Mismuth und Bitterkeit zu erkennen. Ist es etwa die Armuth allein, die dies bewirkt? wisset Ihr nicht, oder haltet ihr es nicht mehr für wahr das schöne Wort, dass ein gutes Herz das beste Mahl ist, dass Zufriedenheit des Gemüthes, dass unser wahres Glüch von uns selbst abhängt; wisset Ihr nicht, dass rüstige Arbeit das Leben versüsst, dem Leben erst den Wert des Lebens verleiht? Kennet Ihr nicht die schönen und beruhigenden Worte des Psalmisten, dass die in Thränen säen, freudig ernten werden, dass irdische Güter und menschliche Macht vergänglich, eitel und nichtig sind? Aber ich will es Euch sagen: Glaube und Sitlichkeit sind auch bei Euch gewichen, und wo diese nicht fest sind, ist auch kein Glück möglich. Ihr wolltet auch den Grossen und Reichen spielen und kennet nicht die Bedingungen der allgemeinen Weltordnimg, dass nämlich, wie in der Natur, so auch in der Menschen weit alle Harmonie aus der Ungleichheit der Theile eines ganzen hervorgeht. Warum aber Ihr nicht gerade die Vornehmen und Angesehenen seid? Habt ihr zunächst Umschau bei Euch gehalten, ob nicht an Euch der grösste Theil der Schuld liegt? Habt Ihr Euren Wandel geprüft? war er immer ein solcher, dass Ihr Euch dieses Ranges würdig zeigtet? Und wisset Ihr endlich nicht, dass vor Gott alle gleich sind, gleichen Standes und gleichen Ranges, Kinder eines Vaters sind, wisset Ihr nicht, dass wahres Glück und wahre Freude nur da thront, wo Gott den Bund des Friedens mit uns geschlossen? II. Forschen wir also nach den Triebfedern, welche die grosse Mehrzahl der Missethaten in unserer Zeit herbeiführen, So ist Unzufriedenheit mit ihre?' Lebenslage, der Urheber und in Folge dessen das Streben sie zu verbes-

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