Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 15 (1.8.1882)
- Date
- 1882-08-01
- Page
- Seite 170 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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170 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. Wenn zB. Gott der alte genannt wird, so ist diess nur, ich würde sagen, eine euphemistische Wendung für ewig dauernd; der Begriff ewig nämlich ist für den Menschen, für den von Zeit und Raum beschränkten Menschen unfassbar; denn wie will der Mensch etwas fassen, das ohne Anfang und ohne Ende sein soll, alt hingegen ist dem gewöhnlichen Sprachgebrauche angepasst; es ist das biblische ^ftV pTltf Wenn wir im Cid von Gott lesen, dass er in der Höhe thront (dios aquel que esta en alto) und in deutschen Dichtungen des Mittelalters erfahren, dass Gott (*) „hoch thronet und auf die Niederen mild herabschaut," so werden wir natürlich sofort an den Psalmvers Cap. 113 denken JT.tflS ^b^Ä2»»H p^***'^ ***** *i I , sum «j» üo I i im* mr , II nxrwt sai I In meiner Arbeit zur romanischen Diabetologie Heft I. p. 35 ff habe ich darauf hingewiesen, dass, wie es im hebräischen Worte giebt, die zweierlei Geschlechter haben, das heisst ohne ihre Bedeutung oder ihren Sinn irgend wie zu verändern, bald die männliche, bald die weibliche Endung annelmen (y), es im spanischen gleichfalls solche Wörter gebe, die wahrscheinlich einer Anlehnung an das hebräische ihrem Ursprung verdanken. In derselben Arbeit habe ich gezeigt, dass der spezielle Zug des nach Diez (f) der portugiesischen Sprache in der echt verbalen Flexion des Infinitivs eigentümlich ist, ohne Zweifel dem Hebräischen seinen Ursprung verdankt. Redensarten wie smd ja allbekannt Eine fernere Eigenthümlichkeit, welche den romanischen Sprachen eigen ist, können wir nicht zu erwähnen unterlassen, ohne mindestens frappanteste Analogie mit dem hebräischen der Bibel anzuführen. Formen wie consellado, consellar, cuidado, cuidar sind im Altspanischen und Altportugiesischen fast typische Formeln geworden (5). Auch hier wird jeder (-) Mittelhochdeutsch: der hoho sizet unde niderin sihet afrz: qui haut siet et de loing mire. Wir wollen hier gelegentlich des Wortes JTSOS "hmSL)Vi?f2tl erwähnen, dass in einem im 18. Jahrhunderte an Gott gerichteten Gedichte ihm das Altribut niederträchtig zugeschrieben wird. Es braucht woi kaum erwähnt zu werden, dass das Wort nicht in malam partem, wie wir es heute gebrauchen, angewandt wurde; niederträchtig hatte nämlich im vorigen Jahrhunderte noch den Siun von mild, er sagte es von dem, der auf die niedrige gestellten, amnen gnädig herabsah; denn trachten hatte früher die Bedeutung des heutigen Compositum's betrachten. Dass übrigens auch die Bedeutungen der Wörter in der verschiedenen Jahrhunderten in einer und derselben Sprache wechseln, erkennen wir unter vielem anderen daraus, dass schlecht ursprünglich die Bedeutung gut also das Gegentheil von dem, was es heute bedeutet hatte; so zB. schleht und recht, schlechterdings u. Ueber den Uebergang der Bedeutungen siehe meine Schrift: Das Unterrichtswesen zur Zeit Karl's des Grossen p. 13 if. (8) Dass ein Hauptwort zugleich männlich und weiblich sein könne, hat Rabbi Salomo Jizchaki de Troyes (Raschi) an mehreren Stellen, so besonders Genesis 32 gezeigt, und viele solcher Wörter zusammengestellt. (4) Diez Gram. II p. 187. (5) Diez. Ueber die erste portugiesische Kunst oder Hofpoesie p. 55. des hebräischen nur theilweise kundige sich der Formen •[K^ pc&i man mm, nbm rbwu-s-erinnern. Dass das jüdisch-spanische darsar—jüdisch-deutschem «/«■r«cAe/?<?w=neuhocMeutschem predigen vom hebr. XffT\ forschen, und dann das Geforschte mittheilen, hat schon Dr. A. Jellinek nachgewiesen. (") Ausser solchen Wörtern, die ihren rein hebräischen Ursprung sozusagen auf der Stirne tragen und ihn nicht verleugnen können, gibt es ferner Redensarten, die sich nur aus dem Hebräischen erklären lassen. Um zum Beispiel im Spanischen den Satz auszudrücken: Wenn er über eine Baumfrucht den Segensspruch gemacht und die Worte gesagt hat: (Gelobt seist du Gott;, der du die Erdfrüchte erschaffen, gielt ihm diess : (der Segensspruch nämlich als Verdienst d.h. braucht er keinen 2 ten Segensspruch zu machen) sagt das ladino I wie folgt: Si bendixo sobre fruto de arbel y dixo I crean fruto de la tierra, sah de obligacion- Es gilt ihm als Verdienst wird durch salir de Obligation; hinaufsteigen wiedergegeben; der terminus technicus im | Hebräischen nämlich ist n^JT TT;«' sem Verdienst! steigt hinauf f7), und daher auch im ladino salir. Auch zur Ergründung einer richtigen Etymologie ist! das hebräische in vielen romanischen Wörtern unentbehr- | lieh. So ist zB. die Etymologie des spanischen Wortes cadun, ciascun, von dem berühmten Romanisten Paul! Meyer (Romania 187 3, p. 80—85 quisque et cata dans les langues romanes) zum Gegenstande eines ausführlichen f Aufsatzes gemacht worden, und er hätte keinen Zweifel | an der Richtigkeit seiner Deutung dass es bis auf einen \ bedeute, gehabt, wäre ihm das habräische -fl-fX 1$ b*s auf einen d.h. keiner, nicht einziger bekannt. Es ist diess meiner festen Überzeugung nach einer der vielen Redensarten, die in alle europäischen Sprachen durch das Bibel- | Studium gedrungen. Andererseits findet die Bedeutung so manchen Wortes in dem hebräischen seine Erklärung: Wenn zB. im Italienischen maucina zur linken Seite bedeutet, so wird es der Kenner des hebräischen weniger auffallend finden, dass im Hebräischen "p die Hand ebenfalls die linke Hand ausschliesslich bedeutet. Man wird in iem Umstände einen Beweis mehr finden, dass die Deutung fTiXb VH1 ■"[■p (Und die Gebetriemen) sollen sein ein Zeichen auf I deiner Band, nur die linke gemeint ist, und Zerlegung I des Worter in HH3 *T die schwächere Hand bedeutet, nicht aus der Luft gegriffen, sondern im wahren Geiste der! Sprache tief begründet ist. (ö) Literaturblatt des Orients von Dr. Julius Fürst. Leipzig 1845. p. 239. (:) Das Bild selbst von dem in die Höhesteigen des Guten und Verdienstlicheu ist ein schönes und sinniges wie bei der Wage das Schwere und Sündhafte hinüber sinkt, so steigt das Gute in die Höhe; der gute Mensch geht aufrechten Ganges, und treien Blickes, der schlechte mit scheuem oder gesenktem Blicke.