Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 14 (16.7.1882)
- Date
- 1882-07-16
- Page
- Seite 166 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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166 DAS JÜDISCHE' CENTRALBLATT. das bekantlich dem lat avis entspringt, und eine schlagende Analogie für letztere Begriffsveränderung finden wir im magyarischen lui Gans, das dem verwandten finischen Worte Hute allgemeine Beaeichung für Vogel gleich kommt. Die Keilschriften nun bieten den Schlüsel zur Auffindung des ursprünglichen Alphabetes der semitischen Sprachen. Schon Gesenius erklärte die Namen des hebräischen Alphabetes als Zeicheu für gewisse Gegenstände u. z. als Ochs, Rind; man muss aber in der That eine allzulebhafte Phantasie haben, um darin den Kopf eines Ochsen zu sehen; schon lange habe ich daran gedacht, ob es denn nicht richtiger und zweckentschprechender wäre an das bebe S^^^ Führer, b-ürst zu denke», da fasAteph der erste Buchstabe, also Auf/ihrer des Alphabetes ist. Bei genaueren Vergleichen aber mit dem Keilschriftzeichen für a gewahren wir, dass dies dies Bezeichung für Stern, &citt sei und so dem schönen Worte gemäss, auch hier der Anfang mit Gott ist. Beth bezeichnete nach Gesenius Harn, gimel Kameel, deäetH Thüre, lie Fenster, vav Nagel, zajin Waffen OHeth Zaun, TV Schlange, Jod Hand, kof Faust, lomed Treibstachel, Mem Wasser, riün Fisch, samech Stütze eig. Krebs J^pJ^Q rotu> aP-n Auge, pe Mund, zade Jagdpfeil, kqf Ohr, resäi Kopf, sin Zahn, tav Zeichen. Die scheinbare Unordnung der Zeichen macht nämlich einer sichtbaren genetischen Lautfolge Platz, wenn man wie Hitzig in seinem Werke: Erfindung der Buchstabenschrift diess nachgewiesen, das Alphabet in eine Doppelzeile trennt, deren eine die Zeilen von a bis fc, die andere von / bis tt umfasst, so dass a und l; k und t einander gegenüber stehen. Ausser den Gründen, welche für diese Doppelzeile sprechen und von Hitzig angeführt worden sind, weise ich auf die (lehei mxcliriften in der Kabbcdah Jtiu: Alb am, bei welcher die Zeichen a und l, b und m vertauscht wurden; auser dem noch wiel ältern ^^nXi wovon s°gar Spuren, in der Bibel zu finden sind. Die ersten Zeichen dieser Doppellaute enthalten Sprachlaute aller "Klassen, nämlich den leichten Vocalhauch a, den Lippenlaut b, den Kehllaut g. den Zungenlaut d, die Schmelzlaute l,m, h und den Zischlaut s. Offenbar bildeten diese den Kern des Alphabetes, und man ist berechtigt anzunehmon, dass der Erfinder glaubte, mit den Zeichen für diese Laute alle Wörter der bis dahin der Schrift entbehrenden semitischen Sprache schreiben zu können. Hieraus geht herwor, dass die Lautanalyse nur als allgemeine Idee der Bildung des Alphabets vorausgieng; die folgenden Zeichen lehren, dass durch die Anwendung der Schrift die Lautanalyse schärfer ausgebildet wurde. Der Erfinder der Buchstabenschrift fand nämlich bei seinen Versuchen, mit den angeführten Zeichen Wörter zu schreiben, dass dieselben nicht geeignet waren, die semitischen Lautunterschiede genau wiederzugeben; denn ausser dem leichtenVocalhauche gab es noch 2 Hauche y u. ausser dem h noch 2 Lippenlaute 1 u. und ausserdem"* noch 2 Zungenlaute, * u. ausser * noch'2 Kehllaute u. p Diese Laute wurden der bisherigen Gruppe derart augereiht, dass die weichen oben, die harten unten angefügt wurden und so bildete sich die Zeichenordnung : nfmiQK ptitbüxh Bis hieher haben wir eine Zeicheuordnung, welche jeden Zufall ausschliesst, die vielmehr geeignet ist, die Idee des Schrifterfinders klar verfolgen zu lassen. Wenn bei den letzten (> Zeichen diese, ich möchte sagen, linguistische Ordnung nicht mehr vorhanden ist, so ist das durchaus nicht auffallend; die zur vollständigen Darstellung der semitischen Sprache nothwendigen Lautzeichen traten nur mehr einzeln auf und wurden nach ihrem Vorkommen angereiht, so dem *j als harten Laut das als Ergänzung des ■ . da ja ursprünglich kein r weder im Indogermanischen noch im Aegyptischen bestand, das * warscheindlich anfangs durch od. *» vertreten (vgl. egyptisch u. assyr. wo i durch 2 a ausgedrückt wird) und I efhiel't erst später ein eigenes Zeichen, dem q wurde noch beige-* geben, den das dem das so dass die Zeichen der oberen Zeile ihren Verwandten derselben Zeile entsprechen, wie d;e Zeichen der unteren Zeile ihren Verwandten daselbst. So entstand nun jedenfalls unabhängig von irgend einem ägyptischen Alphabet die Zeichen-: Ordnung: rtsnnrraaK nwipxzvoiteb Fassen wir nun zunächst die Eigennamen ins Auge. Die assyrischen Eigennamen sind, und dadurch unterscheiden sie sich sehr wesea.. tlich von denjenigen der übrigen semitischen Völker überwiegend 3 gliedrige d.h. sie bestehen ihrem grössten Theile nach *) aus einem Gottesnamen -) aus einem von diesen irgend etwas aussagendem Verbo endlich 3) aus einem den Begriff des Verbum's ergänzenden Accusativ wie z. B. Assur schenkte denSohn=Asur idina habal' und ähnliche. Sieht man freilich schärfer zu, so sind auch diejenigen der anderen semitischen Völker vor allem der hier in erster Linie in Betracht kommenden Hebräer Zweigliedrigkeit nichts weniger als dem Wesen nach 3 gliedrige. Denn wenn der Hebräer bildet . Gott schenkte, so supplirte er dabei stillschweigend den Sohn dh. ein 3tesGlied; ebenso bei Namen wie J""^^^ ^er Unterschied besteht also im letztem Grunde eigentlich btoss darin, 'd&ss dieAssyrer das denBegriff ergänzende Object ausdrücklich beifügten^ die Ebräer hingegen seine Ergänzung dem Hörer überliessen. Ebenso ist es, wie nicht nöthig zu erörtern, natürlich, auch bei Namen wie Theodorus, Dorothea und änlichen. Asur nasir habla —Assurbbanipal Gott beschütze den Sohn =,*7^£J^ Nabu habal usur=Nebo beschütze den Sohn=Nabopolassar Nabo kuduri ussur=Nebocadnezar. ^ECENSIONEN. / M. Friedlaender. Fünf Wochen in Brody unter jüdisch-russischen Emigranten. Ein Beitrag zur Geschichte der russischen Judenverfolgung. II. unveränderte Auflage Wien 1882. Druck und Verlag von M. Waizner I Giselastrasse 11. Die Literatur über die herzzerreissenden Judenverfolgungen igt leider schon eine reichhaltige;und auch diese Schrift Dr. Friedlaenders, der selbsterlebtes und selbstempfundenes während seines Aufenthaltes in Brody als Delegirter der isr. Allianz zu Wien schildert, wird Zeugniss dafür ablegen, wie sehr die Peiniger Israels im Unrecht sind, das begabteste Element mutwillig aus ihrer Mitte zu vertreiben. Der Styl der Schrift zeichnet sich durch Masshalten aus, und bestätigt so das Göthesche Wort: In der Beschränkung zeiget sieb der Meister. Neunter Jahresbericht der israelitischen Allianz zu Wien, erstattetin der 9. ordentlichen Generalversamlung am 8. Juni 1882. Wien 1882. Druck und Verlag von M. Waizner I. Giselastrasse 11. Der uns vorliegende Jahresbericht zeigt wieder in erfreulicher Weise, dass trotz der traurigen Judenverfolgungen welche die Kräfte der Allianz sehr in Anspruch genommen, dieselbe gedeihlich vorwärts schreitet. Sehr berücksichtigenswert sind die Beilagen; am meisten aber die unter dem Titel: „Zur Emancipation unserer Glaubensgenosse^, vom Praesidenten der Allianz: Josef Ritter von Wertheimer. Wir müssten diesen ganzen Excurs hier abdrucken, wollten wir all die nützlichen Lehren und Winke, die das Judenthum hier erhält, mittheilen. Doch 2 Stellen wollen wir anführen, die eine aus