Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 14 (16.7.1882)
- Date
- 1882-07-16
- Page
- Seite 165 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 1G5 die etwa-Ungünstiges, Euch Unliebens darüber äussern könnte. Glaubet ja ni^ dass Inr durch Verleugnen Euer Religion, durch heimlichen der Satzungen, durch Unkenntnis des Gesetz* an Achtung bei Eueren Mitbürgern oder gar bei EueYen Mitbrüdern gewinnen werdet. Blicket vielmehr hin auf jenen frommen Sänger Israels. „Frei und ohne Scham spreche ich in Gegenwart von Königen von Deinen Satzungen und'Geboten." So hoch auch die öffentliche Meinung angesehen werden mag, so dürfen wir es doch nie und nimmer übersehen, dass sie ewigem Schwanken und Wechseln, wie alles Irdische und Menschliche ist unterworfen. Die öffentliche Meinung, sie kann uns eine Richtschnur sein in unserem politischen und Berufsleben; zu öffentlichem Ägerniss dürfen wir nie Veranlassung bieten. Wenn es aber gilt, dem angestammten Glauben treu zu bleiben, festzuhalten an den Satzungen des alten Israel, unentwegt zu befolgen die Lehren, die uns Gott durch Mose hat gegeben, da dürfen wir nicht ängstlich sein um die öffentliche Meinung, denn das göttliche Wort ist weit über Ort und Zeit erhaben, ist, weil von Ewigen gegeben auch für die Ewigkeit gegeben, ewig wie Gott selbst. Es gilt durch die That zu beweisen, dass wir unabhängig von der jeweiligen Zeitströmung, frei von jeder kleinlichen Sorge dem göttlichen Gesetze leben, hier gilt das Wort: Und Ihr Söhne Israels, die Ihr ein göttliches Gesetz habt erhalten, fürchtet nicht die unbegründeten Anklagen der Menge des Volkes; es wird uns vielmehr zur Ermuthigung zugerufen: „Nur von Gott, von allem was zu Gott erhebt, von allem edlen und wahrhaft guten lasset nicht ab." Bemühen wir uns vielmehr, es durch unser Leben zu beweisen, dass wir treue Söhne Israels sind, dass man auch an uns wird erkennen, dass wir eine Nachkommenschaft sind, deren Segen ein göttlicher unvergänglicher ist, AMEN. fgKfeceffcn. Vorlesung gehalten im Wiener Beth-hammidrasch im Winter 1876. von Dr. M. Grilnwald. (Fortsetzung folgt.) Den besten Beweis für die Bejahung dieser Frage bietet die Keilschrift, da diese wie wir bereits gesehen, zur Bezeichnnung aller möglichen Sprachenklassen, sowol der indogermanisehen, als semi. tischen als auch turanischen Sprachen diente. So bezeichnet nun z. B ein und dasselbe Zeichen phonetisch folgende Laute: ud, y upi sam, par. Aber nicht nur lautlich, sondern auch sachlich konnte dieses Ideogramm verschiedene Bedeutungen haben, deren Zusammenhang man nicht errathen kann, wenn man nicht in ihre Schreibart, nämlich rebusartig zu verfahren, eingeweiht ist. In dieser Form vereinigten sich zu gleicher Zeit 2 Formen, deren archaische Formen uns glücklicherweise noch aufbewahrt blieben. Das eine Ideogramm zur Bezeichung der Sonne, war ursprünglich folgendes yum daraus entstand dann diese Form; Sonne aber lautet bekanntlich im hebräischen semes aber nicht, wie man grösstenteils bis heute glaubte, von ^fäll} dienen; sondern von der semitischen Wurzel sabas, samas glänzen Im assyrischen und babilonischen [heisst nnn die Sonne samsi und es ist nichts natürlicher, als dass man den Lautwert Sam abgekürzt aus samsi für dieses Bild wählte. Suchen wir nun noch die einfachen Lautwerte zu erklären, zunächst also ud; aus dem Begriffe der Sonne, wie dieser ja schon übrigens im Worte hegt, ergibt sich der Begriff des Leuchtens, des Glanzes, und wir finden in diesemWorte wieder dashebräische ^*|,*] Glanz,Majestä Der Lautwort yum gleich hebr. Q»p Tag wird uns nicht auffallen, weun wir bedenken, dass in manchen Sprachen Tag find Sonnt eine gleicht Bezeichnung haben, so im Ungarischen nap sowohl Tag als Sonne ausdrückt, unser deutsches Wort Tag stamt vom griechischen Sau) leuchte, brenne, und ist ja auch die Redensart, es ist noch Tag d.h. es scheint noch die Sonne eine sehr häufige. So sehen wir nun auch den Laut für yum berechtigt. Es erübrigt noch zu zeigen, wieso dieses Ideogramm zum Lautwert bar kam; hängt mit hebr. aram. «-Q rein glänzend, zusammen und ist auch eine Bezeichung der Sonne. Dieses selbe Ideogram aber bezeichnet auch noch das Ohr. Jeder, der da weiss, dass das Assyrische wie wir mehreremal wiederholt haben rt busartig vorgeht wird sich sofort an aramaeisches fc^w"!^^ hebr. plg^ erinnern. Ja man könnte, mit der Rebusart der alten Völker vertraut, sehr leicht den Begriff Sonne von dem für Chr ableiten. Man verstehe mich wohl; gleichsam wie wir heute ein Rebus sehen u.z. folgendermassen. Im assyrischen, babylonischen und hebr. heisst hören ]}f2*\D i äam ist also die Wurzel, sylbe; nun beginnt die Wurzel für Sonne ^tff**$ m^ demselben Laute, so konnte sie auch zur Bezeichnung des Gegenstandes dienen. Aber nicht nur all' diese bereits angeführte Bedeutungen konnte diese eine Bezeichnung haben; selbst in der Flexion war sie sehr wich-! tig, sie bezeichnete die Mehrzahl der Hauptwörter weiblichen. Gei schlechtes mit dem Lautworte ut hebr. oth, uth. i Doch wird diese Polyphonie nicht gar^ so befremdendes dem haben, | der mit irgend einer Sprache genau vertraut ist, haben wir doch überall Synonyma d.h. Wörter, welche dasselbe in verschiedenen Worten ausdrücken ^^"j^ fVi^^D SiDD So a'so *ur I reden, sprechen, sagen, den Mund öffnen, erzählen. Bei den Semiten aber sind die Synonyma vorzüglich im Schwünge. So hat das ara bische 60 verschiedene Bezeichnngen für das Wort Löwe, 300 für Kameel in was damit zusammenhängt. Vgl. Hammer Purgstall in den Denkschriften der Wiener Akademie der Wissenschafen. Nehmen wir z. B. die Ausdrücke für Biene und die mit ihnen verwandten Thiere, so finden wir: H^tt;!rjP!ir/? lat formica HTQI |xeXitxa apis, abeille V-ute musca, vgl. el-zebub xcovüxp, culex njnX a'rr,? vespa. Ursprünglich bezeichneten alle diese Wörter einen Gesamtnamen, wir wir dies ja auch in anderen Sprachenkreisen finden, so faSisx.toppada die Biene eigentlich sat sechs vgl. hebr. ses und pada Fuss, also jeden Sechsfussler überhaupt, iui frz. heist oie die Gans, V V