Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 14 (16.7.1882)
- Date
- 1882-07-16
- Page
- Seite 164 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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164 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. würden? Wir können diess nicht annehmen, m. Fr. weil die heilige Schrift von all' diesen Männern ausdrücklich folgendes bemerkt. Sie alle waren vor dem Auskundschaften wackere, selbstlose, uneigennützige Männer; waren sie doch die Häupter der Stämme Israels. Aber es dürfte vielleicht ihrer Eigenliebe ein wenig geschmeichelt haben, die Schwierigkeiten zur Eroberung des Landes zu übertreiben, um nach der Eroberung desto grösseren Anspruch auf Anerkennung und Dankbarkeit vou Seite des Volkes erheben zu können. Deshalb rühmen sie auch die Vortrefflichkeit des Bodens, bringen zur Bekräftigung ihrer Aussage eine Frucht des Landes mit, um das Volk lüstern zu machen, um den etwaigen Verlust des lange versprochenen Landes desto tiefer empfinden zu lassen. Der Besitz des Landes, sagen sie, wäre allerdings erwünscht und verlockend; nun kommt aber das Wenn und Nur; wenn nur nicht das Volk zu stark wäre, wenn nur keine Riesen dort wären, wenn nur nicht die Nachbarvölker ganz besondere Feinde Israels wären. Als ob ein Land, und ein so vortreffliches Land ganz ohne Mühe sollte erworben werden, als ob überhaupt erwas in Leben ohne angestrengte Arbeit, ohne rastlose Thätigkeit zu erreichen wäre. Wer sich nicht ganz in die Selbstsucht und Alltäglichkeit verloren hat, wird es gewiss schon empfunden haben, dass nur das Selbsterrungene Genuss und Freude bereitet; ja je mühsamer es errungen worden ist, desto mehr Befriedigung es uns gewährt. Wenn wir aber unsereHände schlaff und thatenlos sinken und ruhen lassen, und dann den göttlichen Segen und Fülle und Überfluss erwarten, und so diess nicht eintrifft, die Schuld Gott zuwälzen, so ist dies nicht minder ein Abfall von Gott, der uns das Leben nicht zur Unthätigkeit sondern zur ernsten Thätigkeit hat verliehen. Segnen wird dich er Ewige dein Gott nur dann, wenn Du wirklich arbeitest und thätig bist. Es ist Abfall von Gott, weil es Abfall ist von der von Gott uns vorgezeigten Bahn, weil es ein Fehlgehen auf dem Wege bedeutet, der zu unserem Glücke und zum Wohle unserer Mitmenschen führen soll; es ist Abfall von Gott, weil nur im Kampfe, in der Überwindung der Hindernisse uns Gewinn und Lohn werden kann, weil wir nur so unsere bösen Neigungen unterdrücken und bewältigen und den edleren Neigungen unseres Hezens freie Bahn schaffen können; w e ja schon unsere Weisen sagen, dass die Frommen einen immerwährenden Kampf mit ihren sinnlichen Begierden zu kämpfen haben. Nur von Gott fallet nicht ab, rühret rüstig Eure Hände, so es den ernsten, ehrlichen, rechtschaffenen Arbeit gilt, regt Euch und ermannet Euch, so es gilt Euch als würdige Nachkommen Israels zu erweisen. Jede Fahrlässigkeit, jedes Versäumnis es rächt sich gar bald und bitter, und wird Euch als Abfall von Gott angerechnet; denn derVorkämpfer Gottes in der Weltgeschichte ist Israel und soll es für alle Zukunft bleiben. ii. Fürchtet jedoch nich die Menge des Volkes. M. a. Z. Es dürfte auf den ersten Blick etwas befremdend klingen, dass wir das Urtheil der Menge unbeachtet lassen sollen. Dass ein solcher Satz aber als ein allgemeingiltiger nicht im Sinne der heil. Schrift ist, und nicht sein kann, dafür bürgen Aussprüche, die uns geradezu zur Pflicht machen, rein und unschuldig, wie vor Gott zu sein, so auch vor deu Menschen zu erscheinen. Untadelhalt und nicht mit Sünde behaftet sollt Ihr sein vor Gott, sollt Euch auch so zeigen können den Menschen. Ihr sollt Eure Unschuld, wenn ein Beweis hiefür gefordert wird, darthun können. Denn, m. Fr. ein gar mächtigen Sporn zur Thätigkeit, zum Ernst, zur nützlichen Arbeit liegt in der Anerkennung einer Gesamtheit, in dem Lobe der öffentlichen Meinung; wie ja in der That auch manches Unrecht nicht begangen wird ausFurcht vor derGesellschaft. Von tieferKenntnis des menschlichen Herzens legt daher der Ausspruch ß. Jochanam ben Saccais Zeugnis ab. 0 dass doch die Furcht vor Gott stets die Wage hielte der Furcht vor den Menschen. Denn nur allzusehr sind wir geneigt, dem Urtheile derMenge unser eigenes Urtheil nachzusetzen, gar oft unsere bessere Erkenntnis zu verleugnen, wenn sie uns auch nur einen augenblicklichen Nachtheil bringen sollte. Bei Gott hingegen, den der Mensch, oft aus allzugrosser Selbstliebe als allgütig hinstellt, ohne die göttliche Gerechtigkeit zu berücksichtigen, glaubt er sich genügend rechtfertigen zu können, indem er zu sich spricht: Müste ich nicht so handeln, wenn ich nicht Gegenstand allgemeinen Spottes werden wollte? Sollte ich etwa eine Ausnahme machen, den Sonderling spielen, während meine übrigen Glaubensgenossen sich von den religiösen Gebräuchen losmachen? Ja. wenn ich in meinem Hause für mich allein wäre, da befolgte ich die Satzungen der heil. Schrift, da lebte ich wie ein echter Israelit. Sj wird die Selbsttäuschung fortgeführt, bis man endlich daran glaubt. In einem solchen Falle, m. Fr. ergeht an uns das Wort des heutigen Wochenabschnites. Fürchtet nicht die öffentlicheMeinung,