Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 14 (16.7.1882)
- Date
- 1882-07-16
- Page
- Seite 163 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. ja m. a. Z, dass diess eineErrungenschaft ist, die vor iins&en Augen, in vnsereu Tagen ist erkämpft und erlangt worden. Aber nicht überall und nicht auf unerschütterlichem Boden fest begründet ist die Freiheit des Gedankens in Wort und Schrift selbst in unserer Zeit. Kaum hat die Menschheit einen kleinen Schritt vorwärts gethan, als sie, ich möchte sagen, von einem Bleigewicht von der erklommenen Höhe wird herabgezogen, und nicht nur das Errungene losgibt, sondern noch einen Schritt tiefer sinkt. Denn einen Stillstand gibt es so wenig in der Menschengeschichte wie in der Natur; da lebt und webt alles, da ist ein ewiges Wogen und Wanken, ein ewiges Steigen und Fallen, eine gewaltige Höhe und eine erschreckende Tiefe. Allerdings, m. Fr. wird den sinnenden Beschauer der Grund hiefür klar und doutlich, und er wird gar bald erkennen, weshalb dem Fortschritte ein Rückschritt folgte, wenn ihm nur Gelegegenheit geboten wird, einen Einblick in das Werden, in die Geschichte des Vorganges zu erhalten! Zu diesen und ähnlichen Gedanken gelangen wir fast unmerklich,wenn wir auch nur mit flüchtigenBlick den heutigen Wochenabschnitt übersehen. Die angesehensten Männer Israels werden ausgesandt, das ihnen versprochene Land zu erforsch3 a; sie thun das, bringen eine Frucht mit. die Zeugniss ablegt von der Vorzüglichkeit des Landes, fügen jedoch ein Aber hinzu, das dem Volke jeglichen Mut und jegliche Freude am Lande zerstört, vernichtet, und es in lautes Weinen und Schluchzen ausbrechen lässt \ Zwar beruhigen und besänftigen Kaleb und Josua das Volk, indem sie den wahren Sachverhalt mittheilen, aber es will nicht frommen, das Volk ist zu aufgeregt und will die leiden Männer der Wahrheit steinigen. Dass aber dennoch in der That Kaleb und Josua in Rechte waren, dafür zeigte der Erfolg; denn es gelang den Israeliten das ihnen versprocheneLand zu erobern ü. z. durch den Rath dieser beiden Männer, deren Wesen in den Worten ausgesprochen ist: Nur von Gott fallet nicht ab und fürchtet nicht die Menge des Volkes. Wir werden nun in dieser der Andacht und Erbauung geweihten Stunde zu zeigen versuchen, was wir unter Abfall von Gott zu verstehen haben, und wie wir demselben am sichersten steurn können. Das Mittel hiefür ist ja in der zweitenHälfte bereits angedeutet: Fürchet nicht das gemeine Volk, den grossen Haufen, der unüberlegt urtheiit, sondern fürchtet Gott und beobachtet die in der heil. Schuft niedergelegten Satzungen. I. Nur vonGott fallet nicht ab. M. a. Z. Ein leichtes scheint uns dieser Mahnruf, und doch wird er gar zu Avenig gewürdigt und allzuleicht vergessen, als dass er nicht immer wieder aufs neue und auf schärfste uns müsste eirgeprägt werden. Abfall von Gott!, wie erschütternd und schreckenerregend schlägt das Wort an unser Ohr. Wer wollte es wagen, seinen Abfall von Gott öffentlich zu bekennen? Abfall von Gott, m. a. Z.es ist gleichbedeutend mit Abfall von sich selbst, es bedeutet Aufgeben seiner selbst. Verzweifeln an sich und der Menschheit. Denn, m. Fr., nur wenn der Mensch jede Hoffnung auf Rettung von Gott und seinen Mitmenschen hat aufgegeben, fällt er von Gott ab, dann wird er sich dieses Abfalls bewusst, ja glaubt dadurch seinem Gotte Trotz bieten zu können. Nicht wahr, m. Fr. das nennen I wir alh Abfall von Gott? Ist aber nur diess allem Abfall von Gott? Mit nich i ten. es ist diess nur die äusserste und letzte Art des I Abfalls, der noch viele Arten in sich schliesst, wo unvermeid- | lieh der einen Stufe die andere in ununterbrochener Reihe folgen muss. Der Abfall von Gott ist wie jede aßdere Sünde im Anfang gering und unbedeutend, wächst aber gar bald zu ungeheurer Schuld. So sagen unsere Weisen, wo sie von dem göttlichen Gerichte im Jenseits sprechen. Einst im Jenseits werden die Gerechten weinen und die Ungerechten. Die Gerechten werden weinen, sie werden Freudentränen vergiessen. Wie war es nur möglich, werden sie sagen, dass wir diesen Berg von Hindernissen überwunden, um nun der ewigen Seligkeit, eines ungetrübten Glückes theilhaft zu werden. Und wiederum die Ungerechten werden weinen, sie werden Schmerzensj thränen vergiessen. Wie waren wir doch so arg verblendet, werden sie sagen, dass wir uns von den anfangs so unbedeutenden Schwierigkeiten abschrecken Hessen, der Gerechtigkeit und dem frommen Lebenswandel treu zu bleiben und sind nun von Stufe zu Stufe immer tiefer hinabgesunken bis in den Abgrund, in welchen wir nun unglücklich verschmachten? Wie leicht war doch das Erfüllen der göttlichen Gebote, wie konnten wir so unbesonnen sein, dieselben zu unsachten und zu übertreten? Ist es nun nicht einleuchtend und klar, m. Fr. dass wir in unseren Handlungen bedächtig und besonnen sein müssen, strenge Richter unser selbst, wenn wir nicht unvermeidlich und unvermerkt den finsteren Mächten! des Lasters verfallen sollen? Jede Sünde, so klein und j so unbedeutend sie uns auch scheinen mag, sie bereitet den i Abfall von Gott vor, sie ist ein Abfall von Gott, auch | wenn dies uns nicht klar vor Augen tritt. Und um nur ein Beispiel anzuführen, etwa haben die Auskundschafter geahnt die Folgen ihrer Mittheilungen an das Volk, dass sie dasselbe aufwiegeln und ihrer Ruhe berauben