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Das jüdische Centralblatt · 1882-07-16 · 14 (16.7.1882) · p. Seite 158

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
14 (16.7.1882)
Date
1882-07-16
Page
Seite 158 (sequence 2)
Language
German
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158 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. des Menschen zu erfüllen, um die höhere Entfaltung des Geistes und das Ziel zu erlangen, nämlich die höhere Stufe der sittlichen Freiheit, Moses, welcher der bescheidenste und demüthigste Mensch war, bat zu Gott, dass er ihn seine Eigenschaften möge kennen lernen, damit er durch iie Nachahmung derselben Gewogenheit in seinem Augen linde, denn nicht derjenige, welcher bloss fastet und betet, sondern der seine Eigenschaften kennt und darnachhandelt. der ist ihm will kommen und nahegestellt, und Gott antwortete ihm. „Ich werde alle meine Güte vor Dir vorüber ziehen lassen". Aus den Wirkungen erkennt mann Gott, weil die Wirkungen die wahren Attribute Gottes sind, und vermöge dieser Handlungen wird Gott allebarmend, allgnädig, langinüthighuldreich genannt und ihml 3 Eigenschaften fl'Hö beigelegt. Das Erbarmen Gottes ist gleich dem eines Vaters gegen seinen Sohn, nicht dass er afficirt würde und Erbarmen empfän de (3) so will er die Ethik des Judenthums haben, dass man stets trachte die Wege Gottes zu erkennen, seine Eigenschatten zu kennen um sie nachzuahmen. Durch die Handlungen soll sich der hohe sittliche Grund des Menschen zu erkennen geben, und wenn auch dieser Wandel in Gottes Wegen ein schweres Werk ist und eine mühevolle Anstrengung erfordert, dass wir dieTriebe unserer Natur, die realen Güter des irdischen Daseins opfern müssen; so ist dann der Wert der Sittlichkeit ein um so grösserer, sie übt um so mächtiger die läuternde und erhebende Kraft und Einwirkung auf uns aus. sie erhebt uns aus dem Staube der Erde in den reinen Aether des Himmels. Nach unser h. Lehre ist also die ethische Natur Gottes, die Heiligkeit, des Grundprincip für die Heiligung des Menschen. Der Gedanke Piatos: Die Götter sind nicht heilig, weil sie Götter sind, sondern sie sind Götter, weil sie heilig sind, hat in der Bibel seinen Grund, und so wie Gott durch seine Heiligkeit erkannt, und angebetet wird, so wird der Mensch nur durch seine Heiligung hochgeschätzt und verehrt. Und so wie bei Gott alles nur aus Liebe zu seinen Geschöpfen geschieht, so muss die Liebe die Triebkraft zur Ausübung der ethischen Gesetze sein; sie ist die Hauptsäule auf der die sittliche Welt ruht, jeder Eigennutz und jede Selbsucht mus entfernt werden; die Ausübung der Sittlichkeit muss selbst Zweck sein; nach unserer Lehre wird auf HwHK£ 1D*2/ (^er grösste Werth gelegt. v „Dienet nicht dem Herren, um den bestimmten Lohn zu empfangen, die himmlische Furcht sei auf Euch." Wer wahrer Liebe folgt, sagt Meisel, muss entsagungsfähig sein, bis zum Selbstvergessen (4). Heil dem Manne, der Gott ehrfürchtetund an seinen Geboten Wohlgefallen hat, an ihnen nur und nicht an ihrem Lohne. (5) (3) Maimonides More Nebochim 1. 34 — (4) Homüien 40. (6) Abada Sara. 19. Und wenn in der h. Schrift doch Belohnungen und und Bestrafungen verheissen werden, so folgt noch nicht daraus, dass man das Gute ausübe der Belohnung, und das Böse meide der Bestrafung halber, es ist wie ein Vater welcher seinem Kinde sagt, dass er es belohnen werde, wenn es gut ist und bestrafen, wenn es schlecht handelt. Das gute Kind, welches den Vater liebt und aus Liebe sehr gehorsam ist, wird die Befehle des Vaters doch nur erfüllen, nicht etwa, weil es dadurch belohnt werde, sondern, weil es der Wille des Vaters ist; und wenn es in der h. Schrift heisst „Wähle das Leben, damit du und deine Kinderlebest," so will es damit nur ausdrücken, dass die Folge der Befolgung der Gottesgesetze ein zufriedenes, glückliches und langes Leben ist, während die Nichtbefolgung ein sehr zerrüttetes, qualvolles Leben verursacht. Dass die jüd. Ethik nicht auf Eudämonismus beruht, bezeugt die langjährige dornenvolle Geschihcte Israels unter den grössten Qualen und Verfolgungen; wo den Israeliten jede Aussicht verschlossen war, haben sie die Sittengesetze strengstens ausgeübt, ihr Leben und ihr Wirken, ihr Denken und Wollen, ihre gesammte Lebensanschauung trägt den ausgeprägten Charakter ihrer Gesinnung, sie waren so von sittlicher Gesinnung durchzogen und durchdrungen, dass alle egoistischen Antriebe und alle weltlichen Lebenszwecke in den Hintergrund treten mussten, ihr Gebet war in der verhältnissvollsten Zeit : „0 Gott, lehre mich den Weg deiner Gebote, und mein Lohn sei dass ich sie hüte". (Fortsetzung folgt). Über die spanisch-portugiesischen Juden der Gegenwart. Von Dr. M. Grünwald. (Fortsetzung). [Seid aufmerksam und höret Ihr Söhne Jakobs, welch' guten Theil ich Euch gebe, kommet meine Kinder und höretmich, in der Ehrfurcht vor dem Herrn will ich Euch unterweisen, und Euere Seele wird dann sein wie ein gut getränkter Garten. Wer ist der Mann, der das Leben liebt, seine Tage in wahrem Glücke zuzubringen wünscht, der komme her zu mir, geniesse das Fleisch, das ich ihm reiche und den Wein, den ich gebe auf den Tisch, den ich angeordnet; kommet, esset von meinem Brote und trinket den Wein, den ich gefüllt; und die besten Früchte werden zu Euerem Genüsse bereit sein, neue Früchte und alte, und herrlicher Most von Granatäpfeln, alle süssen vortrefflichen Speisen und Getränk von feisten Trauben; kommet Genossen, esset und trinket. Das ist der Tisch"

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