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Das jüdische Centralblatt · 1882-07-01 · 13 (1.7.1882) · p. Seite 150

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
13 (1.7.1882)
Date
1882-07-01
Page
Seite 150 (sequence 6)
Language
German
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•- ■ 150 DAS JUDISCHE CENTRALBLATT. oder gibt es doch noch Punkte, auf deren Verwirklichung unsere einer so hohen Cultur sich rühmende Zeit noch nicht gezielt hat? Solche und ähnliche Fragen beschäftigen den denkenden Geist, und die Lösung einiger dieser Frage wollen wir in dieser festlichen Stunde zu geben versuchen. Amen M.a. Z.Es ist höchst bezeichnend für das heutigeFest, das Fest der Gesetzgebung, dass nach altjüdischer Sitte das Buch Ruth gelesen wird. Wen rührt sie nicht bis hrs tierinnerste Herz hinein, die schlichte, nicht glanzumiiossene aber treue und innige Gestalt der Heldin, die sich ganz und gar ihrer verlassenen Schwiegermutter opfert, die nicht weichen will von ihr, seitdem das Unglück sie verfolgt, Naami, die von sich sagt |K*)p "WS *b INHpn b# HIKtt *b "",£,"] *2 rHtt „Nennet mich nicht mehr Naami, die Freundliche, die Freudestrahlende, nennet mich Mam, die tief betrübte, denn gar gewaltiges Leid hat mir Gott zugefügt und der Allmächtige hat mir grosses Weh bereitet." Wie bekannt bewährt sich im Unglücke erst die treue Freundschaft, und diess bekundete auch Ruth, als ihre Schwiegermutter sie bittet sie allein zu lassen, damit nicht auch sie vom Unglücke betroffen werde. Ruth aber antwortete ihr: "{2miVb *2 "MSn l'HrW^ Dlt!?1? Dränge nicht ihn mich, dich zu verlassen, ich weiche nicht von Dir: wohin Du gehest, will ich gehen, wo Du weilest, will ich weilen, Dein Volk sei mein Volk, Dein Gott, mein Gott. Ein treues Bild Israels, das von heimatlichem Bode vertrieben, durch fast 2 Jahrtausende den Wanderstab in der Hand, seinen Gott nicht hat verleugnet, seine Religion nicht hat vertauscht, seinen Sinn nicht hat geändert. Und die 10 Gebote, die wir heute vernommen haben, sie allein haben das Verdienst diese eiserne Ausdauer, diese unbesiegbare Geduld Israel verschafft zu haben. Aber nicht nur Israel wurde dadurch ein segenspendendes, die Welt beglückendes Volk; die ganze Natur fühlte gleichsam die heilige Weihe, die hochbedeutsame Wichtigkeit dieses Augenblickes; denn wie wir oft vor Staunen stillschweigend uns verhalten, so war es im Augenblicke der göttlichen Gesetzgebung in der ganzen Natur. Diess rücken unsere Weisen in dem sinnigen. Worte aus vb *pj? rnx xb itbx rrnnn ns ropn jrwp Hb* ran nr-on nr: vb nu nns ynbx n :d;k bipn sä-, tbnnoi pnw nbwn „Als Gott die 10 Gebote, die ein vorher ungeahntes und ungekanntes Licht über das ganze Erdenrund verbreiteten, da verstummte der Gesang der Vögel, da hörte auf der Flug der geriederten Thiere, da brüllte kein Thier um Futter, da schlug das Meer keine Wellen; in tiefes staunendes Stillschweigen hüllte sich das Weltall, als der göttliche Ruf erscholl: Ich bin einig einziger Gott, ich hin eines jeden Gott, eines jedenrv-Troster und lief,-:er, nicht haben die Egypter, die über Euch herrschten, die Euch jedes Menschenrechte beraubten einen anderen Gott, als Ihr, die Ihr von ihnen gedrückt und verhöhnt wurdet. Dieses eine Wort, es rief eine Veränderung in der ganzen menschlichen Gesellschaft, ja in der ganzen Natur hervor. Ein Gott für alle Menschen, ein Vater für alle Erdenkinder, wie weit m. a. Z. sind wir noch heute von diesem Ziele, wie sehnsuchtsvoll gerade in unserer Zeit ist der Wunsch auf unseren Lippen und auch in unserem Herzen, dass es anerkannt werde, dass wir alle Kinder eines Vaters sind; dass das Wort des Profeten Maleachi begriffen und bethätigt werde niGi 5H£ i;snn nna vbib nnx vbn vtftö viTK Haben wir nicht all einen Vater, hat nicht ein Gott uns geschaffen, warum sollten wir nicht einander in Liebe und Treue begegnen? Denn der Gott, der sich uns in dem ersten und wichtigsten der 10 Gebote als den einig einzigen, für jeden gleich guten Gott ankündigt, er ist der Gott, der Israel geführt hat aus dem Hause der Knechtschaft. Nicht des Hochangesehenen, nein, des, der einen bescheidenen, demutsvollen Lebenswandel führet, des ist Gott, nVI bsttfl HKli ,ler sicü dessen bewusst ist, dass ein allmächtiges, allwaltendes gütiges Wesen über ihn waltet, der prüfet des Menschen Herz, der richtet des Menschen That, sie richtet und be-oder verurtheilt. Der Gott, der Ägyptens Übermut in der wunderbaren Weise hat gerächt und bestraft, dass gerade die Strafe, wodurch sie Israel zu Grunde richten wollten, ihren eigenen Untergang bereitete, er hat Mittel und Wege genug seine Macht den Menschen fühlen zulassen und ihn von der Wahrheit zu überzeugen, dass es keinen Gott gibt ausser ihm. — Und vermag derjenige, der sich dessen in jedem Augenblicke seines Lebens bewusst ist, dass ein liebevoller, aber auch gerechter Richter über alle Menschen ohne Unterschied des Glaubens, des Standes und des Alters richtet pljm"! >LT>2 mD denn m"* gehört das ganze Weltall, spricht Gott der Herr, vermag ein solcher lieblos, untreu, ungerecht und wie all die Namen, die die Verirrungen des menschlichen Herzens bezeichnen, zu sein V Ihr sehet es selbst m. a. Z., dass diess nicht möglich ist, so wir nur das erste der! 0 Gebote richtig erfassen, dass es uns befreiet und erlöset, und uns der Gottheit nahe bringt. So sagen unsere Weisen mit vollstem Rechte :t2tz iraa mpn ndd srt? 70 fi man bz Aus jedem göttlichem Worte entsprang ein "IHK die Welt erlösender, vom Übel befreiender Engel. Ich der Ewige bin dein Gott, dein Bef reier, dein Beschützer, dein' Erlöser, dein Freund, und dein Bereither, wenn auch lOOOe Feinden dich umgeben, wenn du umringt wirst von Todesnacht, wenn des Lebens Athemzug dir misgönnt wird, dann

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