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Das jüdische Centralblatt · 1882-07-01 · 13 (1.7.1882) · p. Seite 146

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
13 (1.7.1882)
Date
1882-07-01
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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146 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. Gottesliöhe emporhebt; wenn die Worte, welche unseren Lippen sich entwinden, gleichsam Schwingen werden, die unser Gemüth über alles Verwerfliche hinweg zum Ewigen, Vollkommenen, Fehlerlosen erheben, dann werden die Ergüsse unseres Innern eine Weihe und Heiligkeit über unser W^sen ausbreiten, die uns von den sündigen Sinnen, Reden und Handlungen abhalten wird. Die während des Gottesdienstes angenommene Stimmung wird einen bleibenden Eindruck auf uns ausüben und die Wirkung des Gebetes, die Nahrung der Seele, wird von einer Gebetszeit bis zur kommenden ausdauern. (3) Wie der Körper auf die Mahlzeit, wird die Seele im Vorhinein sich freuen auf die Stunden der Andacht, als auf die schönsten des Lebens, als auf die Annäherung an Gott und die Entfernung vom Thierischen. Das Gebet soll uns aber auch befreien von Sehlacken, weiche durch Umgang mit Bösen, durch Anhören unzüchtiger, lusterweckender Lieder und gemeiner Redensarten unseren feinsten Theilen sich angeschlossen, und durch unlautere Begierden unser Denkvermögen getrübt und umdüstert haben. Dieser Ausschreitung des Begehrungsvermögens vorzubeugen, ist der Zweck der göttlichen Gebote. Die göttlichen Gebote (ftlTT^KX welche zum Unterschiede von den allgemein menschlichen bloss für die Israeliten Geltung haben, sollen dem Begehrungsvermögen Mass und Richtung für seine Befriedigung vorschreiben, seine Ausartungen aber eindämmen und zurückhalten. (x) Nicht etwa, als ob Gott den berechtigten sinnlichen Trieb tödten wollte, da seine Weisheit beschlossen, hinieden keine Engel, sondern Menschen, von Begierden beherrscht, zu erschaffen; vielmehr sollen gerade diese Gebote, welche uns zeitweilige Entbehrungen und leichte Entsagungen auferlegen, den erlaubten Gebrauch des Begehrimgsvermögens verlängern, als ja im andern Falle auf den zügellosen Genuss bald die gänzliche, dem Geiste der jüdischen Religion widersprechende Enthaltsamkeit zu folgen pflegt. Sie erstrecken sich über alle unsere Glieder, um gleichsam von jedem einen Theil der Thätigkeit seinem Schöpfer zu weihen; sie umfassen alle Beziehungen und die zwischen den Menschen obwaltenden Verhältnisse. Von ihnen begleitet, brauchen wir uns vom gesellschaftlichem Leben aus Furcht vor dessen Verderbtheit nicht zurückzuziehen, weil sie, die Ceremonialgebote, uns Schutz und Sicherheit gegen diese bieten. Insofern haben auch sie ethische Bedeutung und stehen daher den Sittengesetzen nicht nach. Wenn auch die Profeten jenen untergeordneten Werth zuerkannten, und in ihren Ermahnungen immer die rein sittlichen Gebote betonten, so geschah diess deshalb, weil zu ihrer Zeit bloss das Äusserliche, die Werkheiligkeit geübt, die natürlichen Gesetze der Rechtlichkeit jedoch, die den göttlichen vorangehen, und ohne deren Befolgung keine Gesellschaft, nicht einmal die der Räuber (3) Kus. 3, 5. 0) Kus. 3, 11. 17. 2, 48. bestehen kann, übertreten wurden. Aber unstreitig hielten sie auch zur Tugendhaftigkeit und Glückseligkeit der Israeliten die Befolgung der Ritualien für unerlässlich. J. H. verwahrt sich selber gegen den Vorwurf, als wenn diese erhöhte Verpflichtung eine Bevorzugung der Israeliten bekundete. Überhaupt ist ihre Auserwähltheit, (nbjD) ^ßre Bezeichnung als das Herz der Nationen, in folgendem Sinne aufzufassen (2). Wie dieses durch den Einfluss der Sorge, Furcht, Rache, Liebe, des Hasses, Kummers und anderer Gefahren, welche es im raschen Wechsel der Gegensätze bringen, leichter als alle andern Glieder krank wird, so ist Israel empfänglich für die Sünden, mehr ah andere Völker, die J. H. mit Plato Krankheit nennt. Wie aber das Herz wieder dadurch, dass die Krankheit sich bei ihm bald fühlbar macht, ihr Einreissen verhindert, so befreit sich der Israelit bald von den Sünden, die ihm durch die Ceremonialgebote, die Feste, die Ruhestunden des Lebens noch rechtzeitig zum Bewustsein gebracht werden, welchen Gedanken wir schon bei Arnos (37) ausgesprochen finden. Er vergleicht Israel zarten empfindlichen Naturen, die von derben Speisen und leichtern Unfällen, die starke Personen gleichgiltig und unbetroffen lassen, sich belästigt fühlen, weshalb auch die Fehler, welche es anleren Völkern nachahmt, verderbend wirke, bis auf sein Inneres, auf das Heiligthum welches ob unserer Sünden mit uns zerstört wurde Israel bildet*heute nach dem Aufhören des Opferdienstes nur einen Körper ohne Kopf und Herz, ja noch weniger: Knochen ohne Mark. Immerhin bleibt es ein Gefäss, in dem sich einst der Lebensgeist befand und ist es doch besser als die aus Holz und Stein gebildeten Figuren. (4) Auch besitzen wir noch mehrere Gebote, welche uns mit Gott geistig verbinden; es sind diess der Sabbat, der eine thatsächlicbere Anerkennung Gottes als des Weltschöpfers b egründet, ferner die Beschneidung, die ein Gottes-und Bimdeszeichen für Israel ist, eine Mahnung, dass wir unsere mächtigen Leidenschaften überwinden I und die Begierde nur zur rechten Zeit, an rechtem Orte, in der rechten Weise befriedigen, um der Glückseligkeit theilhaftzu werden (S. 115.) Die Mesusoth an den Thürpfosten, welche uns beim Ein-und Austritte die Anwesenheit Gottes vergegenwärtigen und von der Sünde abhalten sollen; die Speisegesetze, welche uns an Selbstheiligung, an die Entfernung von allen Unreinen gewohnen sollen; der Versöhnungstag, der uns von den j Schlacken befreien soll, welche sich während des ganzen I Jahres in unseren Seelen angesammelt, und an dem wir den Engeln gleich jedem irdischen Genuss entsagen. Diese und ähnliche positive Gebote bilden theils einen Damm und Zaun an unserem Begehrungsvermögen, theils lenken sie ins richtige Geleise ein, wo es überschritten wurde (•) Kus. 2, 38. 44. 60. 62. (3) Kus. 2, 32. pJ7 ftvX mit dem Schlusssatze (4) Kus. 2, 32. 3, 9. Divan 79. 80.

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