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Das jüdische Centralblatt · 1882-06-16 · 12 (16.6.1882) · p. Seite 142

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
12 (16.6.1882)
Date
1882-06-16
Page
Seite 142 (sequence 10)
Language
German
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142 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. trug Dr. S. Formiggini, derj mit Luzzatto in Briefwechsel stand, viel bei. Inzwischen wurde sein Name in Deutschland bekannt, zuerst durch die Zeitschrift Bikkure hai'ttim. wo Luzzatto nicht nur seinen Kinnor naim, sondern auch seine philologischen und philosophischen Arbeiten veröffentlicht sah und viele Briefe, die er bereits an 'TH^j-fvP un(* *W geschrieben hatte. Schon seine Heirath mit Bellina Segre zwang mich sein Haus zu verlassen, ein ärmliches Haus, wo kein Raum für mich war; ich war damals 6 Stunden in der Talmud- Thora und mit mehreren Lectionen in profanen Gegenständen beschäftigt, konnte mich nicht dem bequemen Studium hingeben, da ich eine Mutter zu ernähren hatte, die ein Anrecht auf Ruhe hatte; das aber will ich als grossen Beweis von "Luzzatto's Güte und Bescheidenheit anführen: er wusste, dass ich Mittag aus der Talmud- Thora nach Hause zu meiner Familie zum Essen gieng, und er besuchte mich tagtäglich von 12 bis 1, war beim kärglichen Mal anwesend und theilte mir den Inhalt seiner Arbeiten und Pläne mit. Ich erinnere mich, wie er über meine Aufregung lächelte, weil er durch seine neuen Pläne und Arbeiten über Onkelos ein schönes, nützliches und gut begonnenes Unternehmen über die nicht biblischen Ausdrücke der Mischnah aufgeben musste: ein Theil wurde in den Bikkure hai'ttim veröffentlicht. In Bezug auf diese Zeitschrift will ich erwähnen, dass, als die Frage über das Collegium rabbinicum lobhaft ventilirt wurde, er wollte, dass meine poetischen Arbeiten daselbst veröffentlicht wurden, er wollte es gegen meine Absicht; aber er bewog mich es zu gestatten: es ist notwendig, sagte er, dass die Herren in Padua sehen, dass ich nicht nur gelehrt bin, sondern auch zu lehren verstehe; da haben sie einen Beweis an einem meiner Schüler. — Um diess zu Ende zu führen, will ich bemerken, dass er seit seiner Uebersiedelung nach Padua sein Interesse mir wie der Talmud-Thora zuwandte, meine Liebe, Achtung und Verehrung wurde nie geringer, und es war eine so intime Correspondenz zwischen uns, dass ich einige Briefe vernichcen musste: Ich will ein hebräisches bon mot anführen: da er wusste. dass ich Cologna's Tochter liebte, und er dieser Verbindung nicht abgeneigt war, aber in der Familie Uneinigkeit war, schrieb mir Luzzatto diesen allerliebsten Witz und wollte, dass ich ihn dem Rabbiner zeige: Sagen Sie ihm, so schrieb er, dass die Opposition unnütz ist 1¥TH HT3I1 Tns *b:z sintr o:s?2 nrvo rfcrrns Melbourne den 10. J/oii 181'S. Mein Isaja! Ich hoffe, dass Du meine Notiz tiler Seäal erhalten; von seinen Onkeln und der Familie im Allgemeinen weiss ich wenig oder nichts, ich weiss nur dass er mich die Poesien des Bruders des franzin Autor's, damals durch die Bne haneurim berühmt, abschreiben liess und mh zeigte, wie viel mehr Phantasie in den inedirten Gedichten des ersten als im zweiten ist, und dass weniger Italianismen daselbst vorkommen. Was den Ruhm des zweiten ausmachte, war die Harmonie des Verses, nach ital. Muster, welches die Deutschen bewunderten, vergebens von ihren Dichtern [natürlich hebräisch in hebräischer Sprache] versucht von Wessely in seinen Schire tif'eret, wo er sich bestrebt das italienische Metrum nachzuahmen. Ich schreibe dies«, weil ich seine Urtkeih erwähnen will. Was er mir vertraulich sagte, kann ich mich nicht genau erinnern, jedoch das eine will ich nicht verschweigen, weil es ein Zeichen des Mutes und der Unabhängigkeit von Deinem Vater ist. Im Jahre 1826 kam ein gewisser David d' Ancona, ein Kaufmann, dessen Sohn Luzzatto in den profanen Wissenschaften Unterricht ertheilt hatte, von einer Reise aus Bologna und lieh ihm ein Buch, welches er nach Hause brachte und es als sonderbar und dumm ansah; natürlich urtheilte er nicht, bevor er es gelesen. Es war die ital. Uebersetzung der Heilmethode Le Roy's, welche wir bald zusammen lasen. Nach Beendigung sagte er mir: Das, was ich für eine Dummheit hielte ist gerade klug, alle Krankheiten sind eine Krankheit, die Namen sind im Grunde nur die Krankheit eines Organs oder Körpertheiles, aber der herrschende Name und die Idee ist eine, das Schlechte muss immer eine Ursache haben, welche die Natur durch Einfachheit hervorbringt. Ich füge hinzu, dass ich in einer Encyclopädie die Geschichte der Mediän zu lesen begann, und ich fand dort die Methode der i Humoristen, die mit der Le Roy;s sehr ähnlich war. Ich I erinnere mich, wie wir über die Panacee Jachen mussten, und er mir sagte: Dass die Panacee noch nicht gefunden ist, ist wahr; dass sie aber eines Tages gefunden werden wird, das hoffe und glaube ich. Er sagte, die praktischen Wissenschaften seien eine Sache für sich, ebenso die Philosophie, nur stehe sie viel höher; es gibt viele Gelehrte, die in der Logik nicht stark und geioandt sind; und dann kann es vorkommen, dass das von den praktischen Wissenschaften als wahr abgeleitete falsch ist. In der That erkrankte er im folgenden Jahre an der Krankheit, die ich ausführlich erzählte, schickte um keinen Arzt, kurirte sich nach Le Roy's Art und wurde gesund. So blieb er ein treuer Anhänger dieser Methode und ich kann auch sagen ein glücklicher, bis er nach Padua gieng, und nach und nach die Gelehrten und Doctoren ihn von dieser Methode abzugehen zwangen, ich aber blieb dieser Methode treu und habe immer mich und die meinigen damit geheilt, ausser meinen Vater, der nicht daran glaubte, der dem Arzte im Alter von 63 Jahren unterlag und meiner armen Tochter, die ihrem Manne gehorchen musste, und im Alter von 29 Jahren starb. Ich bin 72 Jahre alt, meine geliebte Frau und wir leben frisch und gesund, und Gott weiss, wie lange noch; ich spreche diess nicht als Wamsen, sondern als Urtheil aus. Ihr Paduaner werdet sagen, o wie dumm, wie unwissend i ist er. Was würdet Ihr dazu sagen, wenn Ihr wüsstet,

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