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Das jüdische Centralblatt · 1882-06-16 · 12 (16.6.1882) · p. Seite 141

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
12 (16.6.1882)
Date
1882-06-16
Page
Seite 141 (sequence 9)
Language
German
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DAS JUDISCHE CENTRALBLATT. 141 Nutzen, als er von der Gemeinde zum Bibliothecar ernannt wurde [der ganzen hebräischen Bibliothek des Rabb. Levi, die er der Gemeinde überliess] mit der Bedingung; einen geordneten Catalog anzufertigen, den Luzzatto mit meiner Hilfe anlegte, was für mich von grossem Nutzen war, weil er mir die guten und schlechten Eigentümlichkeiten der Autoren und ihrer Werke dabei mittheilte. Es waren auch einige Handschriften da, und er lehrte mich, wie man den Autor und dessen Zeit erfahren ka nn 1 i denn das ist häufig am Deckel und Titel. Gegen Ende des Jahres 1825 am Chol hamoed von Succoth machte er die erste Reise nach Görz, eingeladen von ^l^PI*^ und 1^, und ich war noch kein ganzes Jahr bei ihm, als ich ihm einen lateinischen Brief [und was für lateinisch] und einen langen hebräischen Brief mit einem Sonett in derselben Sprache schrieb, aber seine Freude war unaussprechlich, weil seine gelehrten Freunde sich überzeugten, dass das, was sie eine Thorheit genannt (dass er einen unwissenden, 17 Jahre alten Jüngling der hebräischen Literatur weihen wollte) denn doch keine solche war; hierauf schrieb er mir aus Görz einen Brief, wo er mir folgendes sagte: Ich habe eine Freude von dieser Reise, weil ich sehe, dass Sie auch ohne mich etwas machen können, und fügte dann hinzu: Lolli und Reggio sagen, dass Sie fleissiger sind als ich; schickte mir gleichzeitig eine hebräische Grabschrift, die er am Friedhofe gefunden. Leider ist dieser Brief mir verloren gegangen, mein hebräisches an ihn gerichtetes Schreiben aber besitze ich noch, denn er gab es mir mit den Worten zurück: Bewahren Sie es. Der einzige Sporn mich stets fleissig zu halten, war: er öffnete seine Läden und zeigte mir bald seine poetischen oder philosophischen Arbeiten, Hess sie mich lesen und sagte: Diess machte ich zu 15, jenes zu 16, das in Ihrem Alter; diess begeisterte mich immer mehr und zeigte mir zugleich seine Schätze. Seit dem ersten Jahre meines Aufenthaltes bei ihm, wo ich nie in die Stadt kam, ausser meine Mutter zu sehen und die Vorlesungen des Rabb. Levi zu hören, Hess er mich alles thun, fragte nur, was ich lese, rieth mir so manche Leetüre an, Hess mich viele seiner Arbeiten abschreiben; denn seine Lectionen wuchsen und dadurch wuchs auch seinWolstand, und den Rest der Zeit brauchte er für seine zahlreichen literarischen Arbeiten und seine ausgebreitete literarische Correspondenz, aber der Umgang und sein Rath nützten mir fortan, er traute mir um so mehr, weil mein Eifer im Studium nie erkaltete. Die ersten Verse, die ich machte, machten einen günstigen Eindruck auf ihn, und als ich ihm einst, als er nach Hause kam, ein Sonett zeigte, *T#* jSE 1?) welches in meinen uzge8'en einen Feind und neidischen Verfolger und Gegner unserer Gemeinde, umarmte er mich und sagte: Ich wollte es selbst gemacht haben; aber ich wäre es nie im Stande gewesen, denn mir fehlt etwas, das ich nie war, und das Sie besassen, und das ist dass ich ein Segez (Schalk) (7) war. Das Jahr 1827 hatte einen grossen Einfluss auf seine und meine Zukunft, es war nämlich der berühmte Ritter Cologna, ehemals Präsident des rabbinischen Consistoriums in Frankreich nachTriest gekommen, der in vielen Sprachen bewandert und ein tiefer Kenner des Hebräischen war. Er lernteLuzzatto kennen und würdigte ihn nach Gebühr. Ich hatte bei dieser Gelegenheit unter verschiedenen Gedichten, die ihm geschickt wurden, auch ein Sonett, natürlich hebräisch geschrieben, und diess wurde dem Meister von ihm gelobt. Als Cologna damals kam, hatte er bei sich 3 Enkel von einer verwittweten Tochter; das älteste von 5 Jahren wollte er in der Thora unterrichten lassen; aber das Kind verstand nichts als französisch, in dieser Verlegenheit sprach er mit G. L. Morpurgo, von dem Luzzatto gewiss in seiner Biographie spricht, und dieser empfahl einen gewissen Vita den Schüler Luzzatto's. Dazu berufen, sagte ich, dass ich den Willen meinesMeisters zu erfüllen bereit bin, und mit liebenswürdiger ermutigender Rede sagte er mir: Sie werden hierlhreLection studiren und sie dann einem anderen ertheilen können, und ich werde Ihnen immer hilfreich zur Seite stehen. Und so war es, ich wurde Lehrer im Hause des Rabbiners, dann sein Schreiber, hierauf sein Secretaer und schliesslich sein Schwiegersohn. Ich schreibe nicht meine Biographie, sondern die meines Luzzatto und ich will nur zeigen, welch mächtigen Einfiuss er auf mein Wollen ausübte. Schon V/2 Jahie früher hatte mir der Rabbiner Levi die Supplentenstelle mit dem jährlichen kärglichen Gehalte von 40 fl. angeboten, Luzzatto zwang mich es anzunehmen und sagte ,&ob 1212711 *pDkonnte ich nach der einige Jahre darauf von Cologna vorgenommenen Reform den ehrenvollen Posten eines Lehrers der 3ten Klasse einnehmen und in Triest die Arbeit Luzzatto's fortsetzen, als er an das Collegium rabbinicum nach Padua berufen wurde, um in jener Gemeinde die Liebe zu den hebräischen Studien wach zu erhalten. G erade aus Liebe zu diesen hatte Luzzatto bei der Nachricht einer Reform in der Talmud Thora von selbst einen langen Brief dem Ausschusse des neuen Reglements geschickt, wo er viele gute Rathschläge für dieses Institut gab, und wenn auch nicht alle, wurden doch die meisten von Cologna berücksichtigt, der ihn achtete, und meine kühne Dazwischenkunft, die ich aus dem regen Umgange im Hause des Rabbiners zog. Dieser sagte mir, als 1830 ein Zeugnis der Fähigkeit von Luzzatto für den Lehrstuhl der Literatur am Collegium in Padua gefordert wurde: Ich bin nicht der Mann, ein Zeugniss über Luzzatto zu schreiben, machen Sie es mit ihm, und ich will es unterschreiben. Ich verfasste es, es wurde aber geschwächt durch die Bescheidenheit Luzzatto's; das Zeugniss wurde vom Rabbiner bestätigt und unterschrieben und hatte in Padua grossen Wert, wo man wusste, was für ein Mann Cologna ist, und zur Wahl als Professor

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