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Das jüdische Centralblatt · 1882-06-16 · 12 (16.6.1882) · p. Seite 136

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
12 (16.6.1882)
Date
1882-06-16
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
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36 DAS JÜDISCHE CENTKALBLATT. gemessen und trostreich. Ich bin ihm hiefür dankbar, aber die religiösen Lehren müssen der Mehrheit der Menschheit,» denen welche arbeiten, nützlich sein, und nicht den wenigen, welche ein betrachtendes Leben führen. Kurz, ich vertraute, dass mein guter Wille, meine uneigennützige Thätigkeit, nicht nutzlos verbraucht sondern der Wissenschaft und meinen Glaubensgenossen zu Gute kommen werden; und ich studirte, ohne mich um den kommenden Tag zu bekümmern. Ich lebte in einem blinden Vertrauen, das niemand belebte und niemand billigte, ja sogar von einigen wenigen, die mich kannten, verlacht wurde. Mein Vertrauen wurde durch einen Zufall, der am 3. October 1816 in der Jomkippurnacht mir zukam, genährt und von mir dem Talmud (Schluss Joma) zufolge, als Unterpfand des göttlichen Schutzes betrachtet. Auch dieses Ereigniss wurde von mir in einer Dankensode an Gott im October 1817 gefeiert. Ach, was ist der Mensch! Die geringfügigste Sache kann ihn oft in den tiefsten Pfuhl des Lastes stürzen und ihn zu Grunde richten, und oft wieder ih:i retten und eine unwiederstehliche Ausdauer in der Liebe zum Guten einflössen. Ein Capitel aus dem Leben S. D. L. s. A. aus Bescheidenheit von ihm verschwiegen. Im Herbst 1823 begab sich Luzzatto's Vater Sam. Vita Lolli, in seinen ersten Schriften unter dem Namen ^■"On^T bekannt, von Triest in seine Heimat nach Görz? um die obere Classe der Talmud Thora daselbst zu übernehmen. Luzzatto wollte ihn mit 2 anderen Cousins (2 Lolli) zu Fuss während des langen Steigens der Anhöhe zu Wagen, begleiten bis zum nächsten Zollhof von Optchina. Einer dieser letzten war ein Jüngling von 17 Jahren, von guter Natur, aber nicht zum Studium geneigt; auch hatte er schon die Lehrlingsjahre hinter sich. Dieser war ein alter Schulfreund gleichen Alters, Namens Vita Zelman. von lebhaftem Temperament, dem aber die Kaufmann scarriere tief verhasst war, wozu ihm sein Onkel, der Vaterstelle vertrat, bestimmte, indem er ihn die königliche Handelsacademie in Triest besuchen liess. Da zeichnete sich Vita durch Fleiss und gute Sitten so aus, dass er nach den Schlussprüfungen öffentlich belobt wurde. Zu jener Zeit machte es viel Aufsehen, wenn ein Jude öffentlich gelobt wurde, und Luzzatto, dessen ganzen und höchsten Gedanken das Judenthum und dessen Anhänger bildeten, der seine jungen Glaubensgenossen sehr liebte und sich für sie interessirte, liess sich über die jüdischen Kinder, besonders diejenigen, welche in christlichen Schulen waren; Mittheilungen machen, und doch war ihm der Name Vita nicht neu, und genau dieser Vita begleitete seinen Freund, jedoch nur um eine kleine Reise zu machen, ohne einen anderen Nebenzweck. Nachdem der Abreisende gegrüsst wurde, gieng die Begleitung zu Fuss nach Hause, und Luzzatto sah den Jüngling, den er vorhin nicht beachtet, und da er ihn Vita nennen hörte, fragte er ob er von der Academie sei, und ermuthigte ihn mit kurzen und liebenswürdigen Worten. Vita, obwol Teufelchen, wurde ganz roth und erschrak bei diesem Lobe und fühlte, wie er selbst später sagte, eine Verwirrung, die er sich nicht erklären konnte. Es vergiengen 6 Monate nach diesem Zusammentreffen und es dachte keiner des anderen. Aber siehe, war es Zufall oder Vorsehung! In jener Zeit, zählte Luzzatto zu seinen Schülern einen Levi; Sohn dieses Onkels, der gleichsam der Vormund Vita*s war. Am Passafeste, als die Familie Levi mit dem Frühstück fast zu Ende war, avo auch Vita zugegen war, wurde der Besuch des Lehrers-Luzzatto angemeldet, welcher, nachdem er sich kaum gesetzt, dem Vater Levi diese einfachen und schönen Worte sagte: Jetzt werden die Tage länger, es sind viele Nachmittagsstunden, wenn es beliebt, schicken Sie das Kind zu mir, dass es den Nachmittag mit mir zubringt. Ein solches freiwilliges Anerbieten war damals fast unerhört, geradezu phänomenal; Levi rief freudig überrascht aus: Herzlichen Dank, Herr Lehrer, noch heute, und so geschah es. Vita, der in den Hemdärmeln dieser Scene beiwohnte, erhebt sich ohne ein Wort zu sprechen, nimmt seinen ärmlichen Rock und mit der Mütze in der Hand, fragt er Luzzatto, der mit dem Knaben Levi herausgieng: Erlauben Sie, dass ich auch komme? Sein Auge öffnend, erinnerte er sich Vita's und sagte: Kommen Sie. Und alle 3 giengen, nach Pondares. (Vorstadt, wo S. D. L. wohnte, wo jener Randegger, der sein erster Lehrer war und jener junger Lolli, der Freund Vita's war). Der Vater des Meisters, so orthodox er war, bereitete ein Ostergericht, während der Sohn mit den Jünglingen sprach, und währendmanass und plauderte vor dem Fenster, stellt sich ein Vogel auf das Gesims, und Vita, sei es, dass er näher oder flinker war, gibt seine Mütze drauf und fängt ihn. Der Meister sagt: Heute! ist ein Festtag, ich weiss nicht, ob diess recht war; der alte jedoch als Naturphilosoph sagte: Mit Absicht wäre es verboten, da es aber zufällig sei, möge er ihn behalten und nach Hause tragen. Wir bemerken I diesen kleinen Umstand, da noch lange später Luzzatto I zu Vita sagte: Das ist ein gutes Augurium gewesen,! dass gerade an dem Tage der Vogel herunter ge-! flogen und Sie ihn gefangen haben. Kurz, jeden Samstag wurde dieser Besuch fortgesetzt, | und so bald Vita die Erlaubniss hatte, fehlte er nie; wenn nach und nach einige, manchmal sogar alle fehlten, der, der am wenigsten Recht dazu hatte, Vita fehlte nie. Er nahm mit dem Meister die in der ftpi schlecht gemachten Studien jetzt gut durch, und

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