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Das jüdische Centralblatt · 1882-06-01 · 11 (1.6.1882) · p. Seite 130

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
11 (1.6.1882)
Date
1882-06-01
Page
Seite 130 (sequence 10)
Language
German
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130 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. einem Gulden monatlich von einem Buchhändler geliehen worden, nachdem ich eine Caution von 4 fl. erlegt hatte. 1818 begann ich einen philosophischtheologischen Tractat unter dem Titel welches unvollständig blieb. Das ist der Titel der 24 Kapitel, die ich geschrieben, die ich aber nicht vollkommen billige. 1) Nothwendigkeit der Selbsterkenntniss, wann und wie wir von unserer Erkenntniss Gebrauch machen müssen. 2) Auch in religiösen Dingen ist der Gebrauch der Vernuft nothwendig, das ist aber nicht jedermannes Sache. 3) Den 5 Sinnen muss man unbedingt Glauben schenken, Widerlegung des Idealismus. 4) Dem inneren Sinne (Gewissen) muss man Gehör leisten. 5) Man muss dem Gedächtnisse Glauben schenken. 6) Die 5 äusseren Sinne, der innere Sinn und dasGedächt niss sind die unbeweisbaren, aber auch unbestreitbarenGrundlagenunsererUrtheile. Deiintellektschafft nicht, sondern entdeckt mittelst Analyse eine Verwandschaft zwischen dem Bekannten und Unbekannten. Nominalfragen (dh.wo der Gegenstand der Untersuchung von uns ausgeht und ganz definirt werden kann) und Realfragen (wo derGegenstand nicht von uns erschaffen wurde, also nicht vollständig definirt werden kann). AbsoluteUniversalität gehört ausschliesslich den Nominal - fragen. Bei Realfragen muss man immer hinzufügen: Wenn die Natur sich nicht verändert. 7) Was nicht den Sinnen (den äusseren und dem inneren] zugänglich ist. übersteigt die menschliche Fassungskraft. Leugnen der angeborenen Ideen und der Grundsätze a priori. Axiome sind Nominalurtheile. 8) Wir haben kein Recht, die Wunder zu leugnen. Die profetischen Bücher sollen unsere Sinne nicht Lügen strafen. 9) Trägheit und Ehrgeiz sind die Quellen unserer Irrthümer. 10) Unsere Sinn widerstreiten nicht dem Pentateuch. 11) Wir habeu kein Recht die Willensfreiheit zu leugnen. 12) Der Pentateueh ist nicht im Widerspruch mit sich selbst 13) Der Pentateuch steht nicht im Widerspruch mit der göttlichen Gerechtigkeit, 14) Versöhnung scheinbarer Widersprüche im Pentateuch. 15) Der Pentateuch widerspricht nicht der Willensfreiheit. 16) Der Pentateuch setzt nicht die Vereinbarkeit dei göttlichen Allwissenheit mit den Willensfreiheit voraus. 17) AuthenticiUet des Pentateuch"s. 18) Die 70 haben nicht nur den Pentateuch übersetzt. i 19) Der Pentateuch wurde nach Esra nicht absichtlich verändert.! 20) Widerlegung der angeblichen Verbesserungen der Soferim (Ö^SID jipfl ffü ,T>! 21) Der Pentateuch wurde vor Esra nicht willentlich geändert. Das letzte Capitel des Deuteronomiums: wurde jedoch zum Buche Josua hinzugefügt.! 22) Erklärung des angeblichen Fundes des Gesetzbuches unter dem Könige Josia [siehe die Zeitschrift Zijon I 143, 144).! 23) Die Thoraexemplare wurden nie verbrannt oder zerstört, weder ganz noch theilweise. I 24) Widerlegung der von Ihn Esra angenommmenen Einschaltungen im Pentateuch. (lü) Unter den verschiedenen von mir verfassten Gedichten j ist ein kleines Gedicht in Octavreimen u.d. T. pvff C6) Das Gedicht, wo der Autor die Vorsehung vertheidigt, wurde in Wien veröffentlicht. Es ist im 14. Bande der Kochbe Jizchak, und wurde im 2. Theile Kinnor nai'm wieder gedruckt. Aber einige Auszüge von 2 Briefen, an einen seiner liebsten Schüler Abraham Mainster und an seinen Sohn Isaja, haben ein Recht in steten Angedenken neben dem Gedichte zu stehen. | Im Octobir 1841 schrieb unser Autor: Nur Mut, mein lieber Freund, und Vertrauen auf die Vorsehung. Wer weiss, ob wir nicht, einmal noch die Gesetze der Vorsehung entdecken Dietieschickie der Nemesis von. Baco. Aber er fühlte nicht genug die Sache, um den Gegenstand in seiner ganzen Ausdehnung zu erfassen. Er war bestechlich, und deshalb verlor er sein Amt als Reichskanzler Englands. Er hatte also kein Vertrauen auf die Vorsehung. Die Wissenschaft, die ich wünsche ist: Vransscedentale Naturtheologie Sie wurde lehren: Nichts kommt zufällig. E* gibt keine unbedeutende j Sache. Ghites und Hönes isl in gleichem Mu*»? nertheilt. Alles ist j vorherbestimmt. Es ist keine Freiheit. Unendliche Täuschungen sind vorherbestimmt. Verdienst und Schuld, vorherbestimmte Freiheit. Sogar wirklicher Lohn und- Strafe sind, vori"-,-- bestimmi, häufig jedoch verborgen (diese bilden die Historia Nemeseos von Baco). Schwierig aber bleibt es, zu wissen, in welchen Fällen die patente, und wann wieder die latente Vorsehung wirkt. Die latente ist nothwendig, um die Illussion zu wahren. Die patente wiederum, damit der Gedanke an Gott nicht untergehe. Wann aber tritt diese und wann jene ein? Die trans-! scendentale Theologie muss auch vou der Geschichte der Mensch-! heit und der des Fortschrittes handeln. Aber weit entfernt der Zweck der Menschheit zu sein, ist sie eine I der vielen Jllusionen. Das ändert auch nicht das Gleichgewicht j des Jndividuum's. Wie die Sache zu Ende gehen wird! Das! ist ein anderer Felsen. Je 'och wird es sicher ohne Schaden J des Gleichgewichtes etilen. Für den Fortschritt schafft die menschliche Kraft immer neues | Gute und vermindert die Uebeli die göttliche Macht hingegen schafft, j rjeden Tag neue Übel, und vernichtet die erfundenen guten, Ein schrecklicher Kampf". Im Mai 1842 wandte sichA. an denselben Gelehrten, worauf er ihm schrieb: Vom Uranfang bemerkten die Menschen den Gegensatz des Gutene und Schlechten, und erfanden und beteten diese 2 Principien an; sie hofften und hoffen noch, dass zu einer des ZeitGute den Sieg davontragen werde. Eitle Einbildung, die Gott den stolzen und schwächlichen Geistern, die unfähig sind, das Gleichgewicht zu erfassen, überlässt. Als Luzzatto im Mai 1865 eine wörtliche ital. Übersetzung seines hebräischen Gedichtes, das er bein 500 jährigen Dantefeier veranstaltete, veröffentlicht hatte, schrieb er seinem Sohne Isaja. Wenn mir dieser Irrthum das WattZfrigewehtigleeti zu schreibe.) unterlaufen ist anstattBeichffium, dann bitte ich 1000 mal alle Reiehthümer der Welt um Enschuldigung, und erkläre laut, dass ich weit entfernt bin eine Ungerechtigkeit zu sehen mit Proudbon; da ich in diesem w;e überall die höchste Weisheit, ja das Gleichgewicht und die latente aber trotzdem doch in höchster Wirklichkeit bestehende Gleichheit sehe. Lebe wol, siehe, beobachte, und komme heiter und zufrieden wieder in d;e Heimat zurück. S. M.

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