Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Centralblatt · 1882-06-01 · 11 (1.6.1882) · p. Seite 129

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
11 (1.6.1882)
Date
1882-06-01
Page
Seite 129 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9620166-9626018-9625273--131-9625282
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 129 irnpöi irn -Tp:n Si? inoxo 2i?rn Auch dieser Brief wurde von mir übersetzt und widerlegt. Endlich begab sich Reggio im September 1818 nach Triest. wir machten persönliche Bekanntschaft, die uns vereinte und welche, wie man weiter sehen wird mir von grossem Vortheil war. (u) Doch kehren wir zum Jahre 1817 zurück. Meine kritischen und exegetischen Studien wurden immer von Uebungen in der hebräischen Poesie und Memoiren in italienischer Sprache über den hebräischen Stil älterer Aus dieser Stelle sieht man, dass er bei der ersten Pi iode nicht stehen bleiben wollte. (") Diese hochinteressante Correspondenz wurde nur zum Theile in verschiedenen hebräischen, deutschen und italienischen Zeitschriften veröffentlicht. Der Rest findet sich beim Dr. Isaja Luzzatto. Einige dieser Briefe wurden 1876 im Vessillo israelitico veröffentlicht. Was Luzzatto tür das Wol seiner Glaubensgenossen geschaffen, hiesse wiederholen, was in die Geschichte eingegraben ist. Aber da diese 2 berühmten Männer todt sind, so möge der Leser selber urtheilen, wer von beiden dass sich gesteckte edle Ziel besser erreicht. Reggio wurde von keinem modernen hebräischen Schriftsteller übertreffen. Sein Stil ist wie ein klarer Bach. Er beherrscht so vollständig die heilige Sprache, dass er sowoi beim Erklären wie beim Philosophiren, in der Correspodenz oder in der Behandlung der abstrusestenGegenstände, klarist; die Sätze, die seinerFeder enstammen sind niemals schwer zu verstehen. Als Literat hat der Professor der schönen Künste und der Humanitaet in Görz wenige seines Gleichen. Es war kein eitles Rühmen in einem seiner Werke, dass er lOOOe von Büchern geprüft. Er besass io sehr hohen Grade einen analytischen Geist. Was seinen poetischen Genius betrifft, so würde die schöne italienische Uebersetzung Jsaja's, wo die Gefühle des Profeten in auffallender Weise in verschiedenen Rhytmen wiedergegeben sind, genügen deren Reichthum und Kraft zu zeigen. Die VV eite des Genius von Isac Reggio ist immer sehr mächtig, aber seine religiösen Ideen s/nd nicht in gleicher Weise gesund. Hierin übertraf ihn sein Freund, dem er Ratschläge ertheilt, bei weitem. Niemand ist mutiger als Luzzatto im Ausdrucke seiner Ansicht, so sehr, dass er oft eine rücksichtslose Opposition hervorrief. Aber in all seinen Schriften erscheint er mit einem schneidenden Schweifte, um das historische Studium zu vertheidigen, indem er mit seiner rechten Hand die Feinde der Tradition und mit der linken die Häretiker, die philosophiren, zurückdrängte. Reggio behauptet die rabbiuische Autoritaet in seiner Einleitung und in seinen Commeutarien zum Pentateuch; hingegen greift er sie in seinem Examen traditionis an. Bald erhebt er die Lehrer der Mischnah und des Talmud in den Himmel und empfiehlt ihre Lehren allen Israeliten, bald wieder verurtheilt er beides. In dem Bestreben, die Wissenschaft mit den Offenbarung zu vereinen, kommt Reggio zu Accomodements, die der Mann von Triest verwerfen würde. Im Ozar nechmad des Jahres 1856 schildert ein Kritiker den Unterschied zwischen beiden treffend wie folgt: Jene, welche das Buch HK^SlDlSsm HTriM von ^eggi° gelesen haben, wissen, wie sehr er sich bemüht den Streit der Wissenschaft gegen die Offenbarung zu stillen. Hier steht er in offenem Widerspruch mit Luzzatto. In Reggio's Schriften wird kein Kriegselement eine furchtbare Macht, so dass eine Versöhnung nicht schwer wird. Der Glaube kann die Philosophie auf ihr Niveau bringen, aber dia Philosophie vermag nie den Glauben zu besiegen. Luzzatto ist hingegen stechend schneidend, immer bewaffnet, glühend, kühn in seinen Gedanken, aufrichtig bis über die Schranken des Anstandes hinweg, entschieden, selbst wenn er jemand Lügen strafen müsste; immer sich selbst gleich, immer bereit aus Liebe zur Wahrheit seinen Irrthum einzugestehen. Er hat einen festen Willeu, ist ein Feind jeder Vermittlung *nd jeder Verhandlung; er zieht eine Linie, und weist jedem Gegenstande seine Stellung an. Während man s > einen unerschrockenen Kritiker, der jede Gewalt von sich abweist, findet ist er in Bezug auf den Glauben ein Kind, ein Wesen, das sich ganz dem alten Glauben hingibt. S. M. und modernerer Dichter unterbrochen. Hier 2 kurze Proben. Man rauss wol darauf achten, auch nicht ein einziges Wort zu gebrauchen bloss um den Vers zu ergänzen oder um bloss zu reimen. Vielen Versen würde nichts fehlen wenn man ihnen das Wort, welches den Reim bildet, wegnehmen würde. Das Machsor ist voll davon. So sagt auch David Kimchi: ppb ib mm nrzb p *6i pnpn *no" nnb *6i cnw nr < Ttf>* tmn i^r pni n6^t2 -bsis m Nehmen wir die letzten Worte weg: pmpf tc ich xb*> ,ib mini ^b -we (bhzft) itzbte mb2t2 m xir nwx ttnrt los und der Sinn ist ganz derselbe. Memoiren p. 80. Es ist nützlich, schwierige aber kurze Dinge zu beginnen, um die Trägheit und Lässigkeit zu überwinden, jedoch soll man sich nicht in längeren Arbeiten abmühen, da man solche nicht im jugendlichen Alter vollenden kann. Man fange mit gereimten Versen, nicht mit freien an; denn wenn man den Reim sucht, wird man Übung gewi nnen und auch für die freien Verse Unterstützung linden wo man den Reim eben nicht braucht. So schrieb auch Rabbi Meschullam bar Kalonymos nachdem er [wahrscheinlich] sich zuerst in gereimten Versen geübt sein edles Gedicht in freien Versen, von welchen ich gestehe, dass sie mehr Schönheiten als meine enthalten, nur sind sie zu cencis und an manchen Stellen sind die Anfangsworte zu knapp, wie bei was für einen Löwen, aber nicht für einen Mann passte. (u) Memoiren p. 83. Die Ode auf den Tod, gedruckt p. 108 des Kinnor nai'm wurde begonnen und vollendet Freitag den 5. September 1817 bei Gelegenheit des Absterbens eines gewissen Mayer Luzzatto, eines kerngesunden Mannes, der den 24. August in unser Haus wohnen kam, von einem hitzigen Fieber befallen, in eben dem Hause starb und Weib und Kinder in der grössten Verzweiflung zurückliess. In diesem und im folgenden Jahre las ich viele wichtige italienische und französische Werke, die mir für (1S) Der Leser wird in der Arbeit: Introduzione critiea ed ermeneutica al Pentateuco einen grossen Theil dessen, was die Autobiographie hier bringt finden. Die ersten 12 Capitel dieses Werkes wurden vom Autor selbst in den Kochbe Jizchak XVI XVII, XXI, XXII, XXII), XXIV, XXVI veröffentlicht und da« übrige noch nicht veröffentlichte wurde vom Rabb. M. Coen Porto in's italienische übersetzt und erscheint in Levi's Mose. Nähere Auskünfte über den 1.Theil findet man bei Prof. Marco Tedeschi (Due discorsi in morte di S. D. Luzzatto. Trieste 1866 p. 36 und 37.) S -M

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.