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Das jüdische Centralblatt · 1882-06-01 · 11 (1.6.1882) · p. Seite 131

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
11 (1.6.1882)
Date
1882-06-01
Page
Seite 131 (sequence 11)
Language
German
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 131 *b3W p^PD über das Gleichgewicht des Guten und Schlechten in allen Lagen des Lebens. Dieses Paradoxon, welches ich später von den Franzosen Azai's aufgestellt fand, ist bei mir ein vereinzeltes Phänomen in der Geschichte meines Gedankenganges; über die Entstehung dieses Gedankens weiss ich nichts näheres. Soviel weiss ich jedoch, dass dieser Gedanke mich nicht verlassen und auf mich einen grossen Einfiuss geübt. Dieser Glaube an das Gleichgewicht des Guten und Schlechten hielt nicht nur meinen Geist frei von der alten Klage über das Wolergehen der Schlechten und das Unglück der Guten, gab mir nicht nur die Kraft das Unglück zu ertragen und Hess mich sogar von dem Unglück Gutes erhoffen, wie ich andererseits aus dem Triumpfe des Schlechten mit Gewissheit dessen Fall und Untergang vorher sagte, aber es war für mich gleichzeitig ein Beweis der Existenz Gottes und der Vorsehung (1T). Im Juni desselben Jahres unternahm ich regelmässig den Zohar zu lesen, trug in meine Memoiren die wichtigsten Stellen ein, und die wichtigsten Merkmale seiner Unächtheit, Ich kam aber nicht über 28 Blätter hinaus. Im selben Jahre und dem letzten Winterjahr von 1817 gieng ich zusammen mit meinem Vater den babylonischen Talmud durch, bis auf die Tractate, die ich beim Rabb. Levi und bei meinem Vater schon früher btudirt hatte u.z. nicht eigentlich als talmudischesStudium, sondern (IT) In einen ehräisehen von Dr J. Luzzatto mir mitgeteilten hebräischen Ms. erklärt L. die Methode seines Vaters, indem er Worte zum Beweise anführte, die mit dem Original keine Ähnlichkeit haben. So liess er zB. durch Vertauschung eines Buchstaben von dem Satze: Im Anfange erschuf Gott Himmel und Erde, enstehen dass statt eines tugendhaften Sohnes Isaac ein Lamm geopfert werden würde. Um den Lesern einen Begriff von dieser Methode zu geben will ich 2 Beispiele aus der heiligen Schrift anführen. In Jeremijah Cap. 51 findet man die Worte und Aus dem Inhalte ersieht man dass liier auf die erobern, den Mächte des 1. Tempels angespielt wird. Da aber die Ausdrücke sonderbar sind, haben einige Commentatoren gesagt, dass Se&aeh Babilonien und Leb Karaai die Chaldäer bedeute, mit einer Veränderung der Buchstaben entsteht aus — und und aus 3^ wiederum ^T^S* Durch Umkehrung des Alphabets wird 3 — UQd — ™| and in gleicher Weise erhielt man aus "^p^1?' — Z*""'w*»» Dieses System Teumrah genannt, wurde von den Anhängern der Mystik in verschiedenen Arten angewendet. Natürlich kann man hiedurch den Worten eine von der eigentlichen Bedeutung weit entfernte geben. So kann man statt V,!"*! (Kreis) laJD (Buch) oder statt. *'$f2 Seide 23* (Schwager einer Wittwe) gebrauchen. Wie weH eine extravagante Phantasie es hierin bringen kann, lässt sich nicht bemessen. Mit Recht hat ein Denker des XVI Jahrhundertes geschrieben: Die Cabbalisten geüen einen verschlungenen Weg, welcher den Sinn verwirrt. Es ist, als wollte man den Kuss verlängern, um ihm dem Schuh passendzu machen odervielmehr als ob ein Schuh für jeden passen sollte. S. M. Ist nicht auf diese Spielerei der Ursprung des Wortes :";"^*S3 — CKpatpa zurückzuführen, weil nämlich mittelst Atbäxeh 3i J"l K ist- M. G. I um einen Begriff vom Talmud zu erhalten, zu wissen, was darin enthaten ist und was nicht, und besonders, i um mich zu vergewissern, ob eine Spur von Vocalzeichen oder Accentzeichen im Talmud vorhanden sind. In dieser Hinsicht nahm ich den Midrasch Rabboth, durch deren Leetüre ich bei Exodus unterbrach, wo ich Passek angeführt fand, woraus ich schloss, dass der Midrasch Rabboth jünger als der Talmud ist. Damals machte ich 1 nicht die nöthige Unterscheidung, die Zunz später zwischen dem ersten und dritten und den übrigen Büchern machte. Ueberdiess machte ich mit meinem Vater besonders an Feiertagen exegetische Studien, indem wir den Sinn einer Bibelstelle besprachen, ohne einen Commentar zu : benutzen. Er, der von seiner frühesten Jugend in einer | Westentasche eine kleine Pentateuchausgabe hatte, schickte sich an. kurz nach dem Tode seiner Frau einen Com- 1 mentar, der seiner Frau gewidmet war. zu schreiben. Zu widerholtenmalen und in verschiedener Form schrieb er diese Arbeit. Ein Ms. trägt den Titel Regina (der 2. Name meiner Mutter), ein anderes H3HK "HJ Fluss der Liebe (mit Auspielung auf den Fluss Ahaba in I Esra VIII 21 und 31) Endlich liess er einen Pentateuch | mit 2 durchschossenen leeren Blättern drucken, wohin er j und ich unsere Bemerkungen hineinschreiben. Die ersten 25 Capitel der Genesis enthalten noch geheime Noten über jeden einzelnen Vers, die mit der nöthigen Erklärung verbunden sind. Es war eine sonderbare, von ihm erfundene Art. Erz ählte in jedem Vers wie viel Aleph, Beth, Gimel u. s. f. darin wären, dann ordnete er die in dem Verse : "befindlichen Buchstaben, indem er sie, je nachdem sie I häufiger oder minder häufig vorkamen, zuerst oder später setzte u. s. f. bis auf den, der nur einmal vorkam. Waren einige in gleicher Zahl, so entschied die Ordnung des Alphabets. Es kamen so ungeheure und sinnlose Buchstabenreihen heraus, dagegen aber half er sich durch verschiedene Permutationen (H für J<5 & fur n) durch j Auslassung und Ueberriuss von Buchstaben bestrebte er sich, einen Sinn herauszudeuteln. Ich habe auch viel } Papier angefüllt, um meinem Vater Zeit zu ersparen, und die Mühe von einzelnen Versen die sonderbarsten Buchstabenreihen heraus zu bringen. Endlich erkannte auch! er die Eitelkeit dieser Sache und strich alle diese Noten | mittelst 2 Querstrichen durch Meine natürliche Schüchternheit und Schweigsamkeit und das zurückgezogene Leben, das ich und mein Vater führten hatten mich bis jetzt unbekannt gelassen, selbst meinen nächsten Verwandten. Die väterliche Liebe zog mich aus diesem Dunkel. Am i 9. Juni 1818 fand die Hochzeit einer Tochter Josef Lazar : Morpurgo's einer geachteten Person statt, dessen Necrolog j man in Jost's Israelitischen Annalen 1840 p. 105 lesen kann. Die Hochzeit wurde durch eine HTH (Räthsel) gefeiert welches wie gewöhnlich allen Gelehrten und llalbgelehrten der Gemeinde gegeben wurde. Sobald mein Vater davon hörte, gieng er zum Autor (Samson Lustro Pincherle,) liess! sich eine Abschrift machen und gab sie mir, dass ich mich mit

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