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Das jüdische Centralblatt · 1882-06-01 · 11 (1.6.1882) · p. Seite 127

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
11 (1.6.1882)
Date
1882-06-01
Page
Seite 127 (sequence 7)
Language
German
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DAS JÜDISCHE CEM TRALBLATT. 127 war mir für das deutwhe nützlich. Das erste Euch, das ich vollständig las war, glaube ich, das, Lehrgebäude von Gesenius, welches ich jedoch erst in März 1829, einige Monate, bevor ich Triest verliess, kaufte. In Padua zwangen mich Gesenius' Jesaja, die Kritisch" Grammatik Ewald's, Jost'sGeschichte,die gottesdienstlichen Vorträge von Zum, deutsch zu lesen und erleichterten mir so die Leetüre der übrigen zeitgenössischen jüdischen Schriften. Jedoch hatte ich nie genügende Anregung deutsch zu sprechen und zu schreiben, ebensowenig die deutsche Schrift zu lesen, weshalb diejenigen die mir in dieser Sprache schreiben, mir lieber mit lateinischen Buchstaben schreiben sollten. Um zur Geschichte meiner Jugend Zurückzukehren, so berichteich, dass ich im Jahre 1815 und 1816 hebräische Bücher mit meinem Vater sowol. auch allein las, übte mit ihm das Drechslehrhandwerk, besorgte das Hauswesen und las alle Bücher, die der Zufall oder die Vorsehung mir in die Hände brachte, und machte auch ebräische Verse, durchsuchte alte Bücher und Blätter und sammelte besonders jede Art der hebräischen Poesie, besuchte den Friedhof, schriebGrabinschriften ab (ohneDatum und Namen der Begrabenen) und begann die Zusammenstellung einer hebräischen Atnhologie von alten und modernen Autoren, edirt und unedirt, schrieb kritische Noten gegen die Authenticita?t des Zohar, exegetische Noten, ohne die Accente und Vocalzeichen zu beachten, worunter, rH*£?^ (Deut. 32, 2) njDön rrwK vor rnttfK und nur am statt iam (Koheleth 10, 1) manchmal sogar mit Vertauschung der Buchstaben des Textes z. B. vhhyföfa} SltS t^N Statt vbtfEl (Sprüche Sal. XIV 14). Unter den vielen Dichtungen von 1815 war ein Sonett gegen Dichterlinge. Im Mai 1816 wurde bei einer sehr feierlichen Gelegenheit in Triest von einer geachteten Person ein Gedicht veröffentlicht, in welchem mir mehrere Fehler zu sein schienen. Der Umstand, dass ich ein tadelndes Sonett schon fertig hatte, war für mich sehr verlockend und am 22. desselben Monates legte ich dieses Sonett in die Thüre dieser geachteten Person. Da aber alle Versuche den Autor zu entdecken veri gebens waren; (einer errieth es, aber ich war so unbekannt, dass seine Vermuthung als unbegründet zurückgewiesen wurde) wurde ein Heft gedruckt, wo mein Sonett mit vielen Schimpfwörtern in Prosa und in Versen von 3 verschiedenen Dichtern begleitet wurde. Es schmerzt mich noch jetzt diess gethan zu haben, da ich einer achtbaren Person Kummer verursachte, die jetzt bereits seit mehreren Jahren todt ist, und gestehe von selbst meine Schuld nach mehr als 30 Jahren, wo ich dieses Incognito gewahrt habe. Unter den Büchern, die ich damals las, interessirten mich sehr das Buch: Les caracteres von La Bruyere, dessen Laconismus mir sehr sympbatiscb war und besonders machte folgender Gedanke auf mich einen tiefen Eindruck: Celui qui n'a egard en ecrivant qu'au gout de son siecle, songe plus ä sa personne, qu'ä ses ecrits. II fai: t..uj;jur£ t.r.fnv £ la perfecti m et alors cette justice, qui nous est quelquefois refusee par nos contemporains, la posterite sait nous la rendre. (Derjenige, der während seiner schriftstellerischen Thätigkeit nur auf sein Jahrhundert Rücksicht nimmt, denkt mehr an sich als an seine Schriften. Man muss immer nach Vollkommenheit streben, dann lässt die Nachwelt uns die Gerechtigkeit wiederfahren, die die Zeitgenossen uns verweigern). Diese Zeilen haben auf mich gewirkt, oder haben sie mir gefallen, weil ich die Sache bereits verstanden. Mit Begeisterung las ich auch in jener Zeit das Leben Mendelssohns von Euchel. Zur selben Zeit trieb mich der Rabbiner Levi zur rabbinischen Carriere an und versprach mir zu 20 Jahren einen Rabbinatsposten zu geben. Ich aber nahm es nicht an. Ich sagte zu mir: Die rabbinischen Studien geben Brot, da wird kein Mangel an solchen Personen sein, aber die exegetischen, sprachlichen und kritischen Studien werden vernachlässigt und es ist meine Pflicht mich ihnen zu widmen. Übrigens machten meine natürliche Schüchternheit, meine schwache Stimme mir das Predigen unmöglich, (1() wenigstens hielt ich mich dazu für unfähig. Der Rabbiner Levi stellte den anderen Schülern einen ähnlichen Antrag und sagte. Luzzatto will ein m^lf und kein werden. Bis zum Sommer 1816 besuchte ich täglich seine talmudischen Vorlesungen, sie wurden mir zu schwer; aber nicht aus Schuld des Lehres, sondern wegen der Unwissenheit und Unachtsamkeit der Schüler, die den Lehrer zwangen, sehr langsam vorwärts zu schreiten. Sie rächten sich an diesem schwierigen Studium, dass sie die geringste Gelegenheit zur Zerstreuung und zum Lachen benutzten, und wenn getadelt, warfen sie einander die Schuld zu. Auch ich lieferte ihnen mit manchem unschuldigen Scherz, mit manchem ernsten gelehrten Worte, das ihre Kenntnisse überragte, Stoff zum Lachen. Einst, wo ich zufällig nicht die Ursache ihrer Zerstreuung war, sagte der Rabbiner erzürnt und hierüber schlecht unterrichtet zu mir: Wenn Sie hier nur den pfc^H? (Narren) abgeben wollen, können Sie zu Hause beiben. Und ich gieng nicht mehr hin. Gleichzeitig besuchte ich seit einiger Zeit das Haus Cologna's, der erblindet war, schrieb und las ihm alles, was er brauchte, denn obwol des Augenlichtes beraubt, predigte er jeden Sabbat und führte in seinen [ Reden nicht nur biblische, sondern auch italienische und lateinische Citate an. Die hohe Verehrung, die ich gegen ihn fühlte, verringerte sich bedeutend, als ich ihn näher kennen lernte. Seine grosse Gelehrsamkeit C") In der That -wurden seine moralischen-und historischreligiösen Reden, die für die israel. Studenten der Paduaner Universitaet bestimmt waren, von anderen vorgelesen. Nur eine der 2 Reden las er in dem ersten Jahre des Rabbinischen Institut-Bestandes. J. L.

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